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Erneut Vergiftungsfall in Salisbury: Mann und Frau in Lebensgefahr

Im März wurden ein russischer Ex-Spion und seine Tochter in Salisbury vergiftet. Nun sind zwei weitere Personen in der Region regungslos aufgefunden und ins Spital gebracht worden – sie schweben in Lebensgefahr.
Sebastian Borger, London
Polizisten patrouillierten die Gegend, wo das bewusstlose Paar gefunden wurde. (Bild: Tony Kershaw/EPA (Amesbury, 4. Juli 2018))

Polizisten patrouillierten die Gegend, wo das bewusstlose Paar gefunden wurde. (Bild: Tony Kershaw/EPA (Amesbury, 4. Juli 2018))

Erst wenige Wochen ist es her, dass Spezialisten in Marsmännchenkluft unter Polizeibewachung die Bewohner von Salis­bury erschreckten. Nun hat die Kripo erneut öffentliche Plätze in dem lieblichen Provinzstädtchen abgesperrt: Vier Monate nach der Vergiftung des russischen Ex-Spions Sergej Skripal und seiner Tochter Julia wurden im wenige Kilometer entfernten Amesbury erneut eine Frau und ein Mann bewusstlos aufgefunden. Beide schweben in Lebensgefahr.

Die Polizei der südenglischen Grafschaft Wiltshire machte die dramatische Nachricht am Dienstagabend öffentlich. Demnach waren die Opfer bereits am Samstagabend in einer Neubausiedlung am Rande von Amesbury gefunden und ins Bezirksspital von Salisbury eingeliefert worden. Am späten Mittwochabend teilte die britische Polizei dann auf Twitter mit, dass das Paar mit dem Nervengift Nowitschok in Verbindung gekommen war. Zunächst habe man verschmutzte Drogen wie Heroin oder Kokain als Ursache vermutet, so die Polizei.

ABC-Spezialisten überprüfen Plätze

Gemeinsam mit ungenannten «Partnerorganisationen», womit der Geheimdienst MI5 sowie die Terrorspezialisten von Scotland Yard gemeint sein dürften, hat die Kripo Salisbury den rätselhaften Fall zu einem «wichtigen Vorkommnis» erklärt. In Amesbury und Salisbury werden Gebäude und öffentliche Plätze einer genauen Prüfung durch ABC-Spezialisten des Forschungszentrums Porton Down unterzogen, das etwa auf halber Strecke zwischen den beiden Ortschaften liegt.

Untersucht wird britischen Medienberichten zufolge ein Zentrum der örtlichen Baptisten, wo am Samstagnachmittag ein Gemeindefest gefeiert wurde. Offenbar gehörten die späteren Opfer zu den Teilnehmern. Sie seien aber «nicht Angehörige unserer Gemeinde», erläuterte ein Sprecher. Mitten in dem Provinzstädtchen waren Anfang März der pensionierte Doppelagent Sergej Skripal, damals 66, und seine 33-jährige Tochter Julia bewusstlos auf einer Parkbank aufgefunden worden. Nach wochenlanger Behandlung im Krankenhaus von Salisbury konnten beide mittlerweile entlassen werden; sie sind aus dem öffentlichen Rampenlicht verschwunden. Nach intensiven Tests bestätigte die Organisation zur Ächtung von Chemiewaffen (OPCW): Die Skripals waren Opfer eines Anschlags mit einem Nervengift namens Nowitschok («Neuling»). Da dies aus sowjetischer Forschung stammte, fiel der Verdacht auf Skripals Heimatland Russland. Grossbritannien und seine Verbündeten wiesen gemeinsam rund 140 russische Diplomaten, darunter viele Spione, aus; Moskau reagierte mit der gleichen Zahl an Auswei­sungen.

«Lügen, Halbwahrheiten und Verschleierung»

Viele der Umstände des ungewöhnlichen Anschlags bleiben mysteriös. Wer hatte ein Interesse an der öffentlichen Hinrichtung eines Mannes, den der Westen 2010 gegen inhaftierte russische Agenten ausgetauscht hatte? Wer verfügte über den Kampfstoff, aber offenbar über zu wenig Know-how, um das gewünschte Ergebnis, also den Mord, zu erzielen? Oder war die Warnung an Verräter des russischen Staates genug, unabhängig vom Ausgang der langwierigen Krankenhausbehandlung? Moskaus wütende Dementis tat London als «Nebel von Lügen, Halbwahrheiten und Verschleierung» ab, so etwa MI5-Chef Andrew Parker.

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