Erneut Kämpfe in Nord-Uganda

In Uganda flammt einer der brutalsten Bürgerkriege Afrikas wieder auf – die Armee Kampalas will mit UNO-Unterstützung gegen Rebellen vorgehen.

Marc Engelhardt/Nairobi
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Im Norden Ugandas sind die Hoffnungen auf einen Frieden gescheitert. Die «Widerstandsarmee Gottes» (LRA), Kindersoldaten unter Führung des selbst ernannten Propheten Joseph Kony, ist wieder aktiv. Kony, der vom Internationalen Strafgerichtshof gesucht wird und sich praktisch nie in der Öffentlichkeit zeigt, hat laut Südsudans Regierung einen neuen Krieg begonnen.

In Gulu, der grössten Stadt im Norden Ugandas, gewöhnten sich die Menschen gerade erst an den Frieden, der knapp zwei Jahre gehalten hatte. Die Geschäfte wurden frisch gestrichen, voll beladene Lastwagen fuhren auf dem Weg von Ugandas Hauptstadt Kampala in Richtung Südsudan wieder durch die Stadt. Doch mit der Normalität könnte es schon bald wieder vorbei sein. Denn die LRA führt wieder Krieg, warnt der südsudanesische Informationsminister Gabriel Changson Cheng. «Die LRA hat einen neuen Krieg begonnen, und diesmal sind wir die ersten Opfer», sagt Cheng. Bei Angriffen auf die zwei südsudanesischen Städte Nabanga und Yamba, die in einer entlegenen Region nahe der Grenze zu Kongo liegen, sollen am Donnerstag mindestens 23 Menschen getötet worden sein. Für Nord-Ugandas Bevölkerung stirbt damit die Hoffnung, dass einer der am längsten andauernden Bürgerkriege Afrikas endlich ein Ende haben könnte.

Zehntausende Kinder entführt

Besonders gefürchtet ist die LRA, weil sie in den vergangenen 20 Jahren Zehntausende Kinder entführt hatte, die unter massivem Druck zu Kindersoldaten oder Sexsklaven gemacht wurden. In dieser Zeit wurden auch fast zwei Millionen Menschen zu Flüchtlingen.

Verratener Friede

LRA-Führer Kony verschob in den vergangenen Monaten unter fadenscheinigen Ausreden immer wieder die geplante Unterzeichnung eines 2007 ausgehandelten Friedensvertrags mit der Regierung in Kampala.

«Kony hat die Verhandlungszeit genutzt, um aufzurüsten und neue Kindersoldaten zu entführen», erklärt Ugandas Armeesprecher Paddy Ankunda.

Jetzt will Ugandas Armee gegen den LRA-Stützpunkt im Norden des Virunga-Nationalparks im Ost-Kongo vorgehen, gemeinsam mit kongolesischen und UNO-Truppen. Auch die US-Armee unterstützt den Vorstoss. Doch ähnliche Versuche, den Konflikt militärisch zu lösen, blieben in der Vergangenheit erfolglos.

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