Erneut Ermittlung gegen Journalisten

Jürgen Gottschlich, Istanbul
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Türkei Wieder gerät in der Türkei eine Zeitung ins Visier von Polizei und Justiz. Am Freitagmorgen erschienen Polizei und Staatsanwälte bei «Sözcü», einem nationalistischen Boulevardblatt, das zu den schärfsten Kritikern des islamischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan zählt. Verhaftet wurden der Online-Chef des Blattes, Mediha Olgun, und die Geschäftsführerin Yonca Keleli. «Sözcü» ist mit einer Auflage von 270000 Exemplaren nach «Hürriyet» und «Sabah» das drittgrösste Blatt der Türkei.

Die jetzige Operation gegen «Sözcü» soll mit einer wichtigen journalistischen Leistung der Redaktion zusammenhängen. In der Putschnacht des 15. Juli 2016, als alle Welt sich noch fragte, wo Präsident Erdogan steckt, schrieb «Sözcü» als erstes Medium, dass Erdogan sich in einem Ferienresort in Marmaris aufhielt. Der offizielle Vorwurf gegen die «Sözcü»-Journalisten und -Geschäftsleute ist jedenfalls «Unterstützung der Gülen-Bewegung».

Jürgen Gottschlich, Istanbul