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Erleuchteter und Spion?

Der Karmapa Lama, dritthöchster Würdenträger des tibetischen Buddhismus, wird in Indien verdächtigt, ein chinesischer Spion zu sein.
Eleonore Baumberger
Ins Zwielicht geraten: Der Karmapa Lama. Im Hintergrund der Dalai Lama. (Bild: ap/Ashwini Bhatia)

Ins Zwielicht geraten: Der Karmapa Lama. Im Hintergrund der Dalai Lama. (Bild: ap/Ashwini Bhatia)

Die Geschichte könnte aus einem Roman von Rudyard Kipling sein, der das «grosse Spiel» um Macht und Einfluss im Himalaja beschrieb. Heutzutage geht es um das Dreieck Tibet-China-Indien. Ogyen Trinley Dorje, der 17. Karmapa, wird von den indischen Behörden verdächtigt, geheime Beziehungen zu China zu haben. Die indische Presse beschuldigt ihn, ein Spion Pekings zu sein. Bei einer Durchsuchung seines Domizils in Dharamsala, dem Sitz des Dalai Lama und der tibetischen Exilregierung, fand die Polizei Banknoten im Wert von 1,6 Millionen Dollar, darunter einen grossen Teil in chinesischer Währung, sowie chinesische SIM-Karten. Dabei versichert der Karmapa, noch nie Geld berührt zu haben.

Eine Verschwörung?

Die Tibeter in Dharamsala haben eine einfache Antwort: Es handelt sich um Spenden von Pilgern, darunter auch solche aus China. Der Karmapa wird als lebender Buddha verehrt. Er ist ein Erleuchteter, der aus Mitgefühl wieder in die menschliche Existenz zurückgekehrt ist. Die Angriffe auf den Karmapa seien Ausdruck einer Verschwörung, sagen die Tibeter. Indien hingegen befürchtet, die Chinesen könnten auf diesem Weg Einfluss gewinnen. Peking weist alle Verdächtigungen zurück.

Seit der Dalai Lama 1959 nach seiner Flucht aus Tibet in Nordindien Asyl fand, haben sich die Spannungen zwischen China und Indien verstärkt. Wegen Grenzstreitigkeiten kam es 1962 zum Krieg.

Aber auch das Verhältnis Indiens zu den Flüchtlingen ist nicht ungetrübt. Die 100 000 Tibeter, die auf dem Subkontinent leben – davon 20 000 in Dharamsala – haben keine bürgerlichen Rechte und wenig Bewegungsfreiheit. Auch der Karmapa darf kaum sein Kloster verlassen. Einzig 2008 durfte er unter der Auflage, sich nicht politisch zu äussern, zu seinen Anhängern in die USA reisen. Ein Besuch in der Schweiz, der letzten September geplant war, wurde von den indischen Behörden verweigert.

Verfeindete Sekten

Unter den Tibetern in Dharamsala kommt es immer wieder zu religiösen Spannungen. Auch die Gelug-Sekte des Dalai Lama und die Kagyu-Sekte des Karmapa waren verfeindet. Ogyen Trinley Dorje wurde 1992 im Alter von sieben Jahren in Osttibet als Reinkarnation des 16. Karmapa entdeckt. Er wurde sowohl vom Dalai Lama als auch von Peking anerkannt. Doch 1999 floh der erst 14jährige Karmapa nach Indien. Schon damals gab es Gerüchte, Peking habe ihm bei der Flucht geholfen. Die Kagyu-Sekte kontrolliert wichtige Klöster entlang der indisch-tibetischen Grenze. Sie soll über Schätze im Wert von 1,5 Milliarden Dollar verfügen. Darum wird gestritten, denn es gibt noch eine zweite Inkarnation, Trinley Thaye Dorje aus Delhi, der beansprucht, 17. Karmapa zu sein.

Der Hoffnungsträger

Sollte der Karmapa Lama, der sich bisher politischer Aussagen enthielt und – anders als der Dalai Lama – auch von Peking nicht angefeindet wird, tatsächlich geheime Beziehungen zu China haben, wäre dies eine herbe Enttäuschung für die Tibeter. Der junge Mann gilt als Hoffnungsträger, wenn der bald 76jährige Dalai Lama nicht mehr die Interessen Tibets vertreten kann.

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