Armenien

Eriwan spricht von grösserem Angriff gegen Berg-Karabach

Bodentruppen Aserbaidschans haben am Samstag nach Darstellung der armenischen Führung in Eriwan einen grossangelegten Angriff in der Konfliktregion Berg-Karabach gestartet. Aserbaidschanische Truppen seien sowohl aus nördlicher als auch südlicher Richtung "mit starken Einheiten" vorgerückt, teilte Armeniens Verteidigungsministerium in der Hauptstadt Eriwan mit. Es sprach von "heftigen Kämpfen". Dabei seien drei Kampfflugzeuge der Aserbaidschaner abgeschossen worden. Diese Angaben konnten von unabhängiger Seite nicht bestätigt werden, Aserbaidschan dementierte den Abschuss der Flugzeuge.

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Eine unter Beschuss geraten Wohnung in Stepanakert. Foto: David Ghahramanyan/NKR InfoCenter PAN Photo/AP/dpa

Eine unter Beschuss geraten Wohnung in Stepanakert. Foto: David Ghahramanyan/NKR InfoCenter PAN Photo/AP/dpa

Keystone/NKR InfoCenter PAN Photo/AP/David Ghahramanyan

Seit fast einer Woche liefern sich die beiden verfeindeten Staaten schwere Gefechte in dem von Armenien kontrollierten Gebiet in Aserbaidschan. Diese gehen weit über die Scharmützel hinaus, die es zuletzt immer wieder in der Region gab. Bei den Kämpfen im Südkaukasus sind nach armenischen Angaben in Berg-Karabach deutlich mehr als 200 Menschen getötet worden. Es gab allerdings abweichende Informationen. Aserbaidschan zählte zuletzt nach eigenen Angaben 19 tote Zivilisten und 60 Verletzte.

Nach armenischer Darstellung hat Aserbaidschan weitere Kräfte in das Konfliktgebiet hinzugezogen. Baku bestätigte dies zunächst nicht. Der aserbaidschanische Präsident Ilham Aliyev teilte nach einem Telefonat mit seinem französischen Kollegen Emmanuel Macron mit, seine Armee habe besetzte Gebiete befreit. Zugleich warf er dem Nachbarland vor, die Verhandlungen über die Beilegung des Konflikts zu behindern.

Die beiden Ex-Sowjetrepubliken kämpfen seit Jahrzehnten um die bergige Region, in der rund 145 000 Menschen leben. Berg-Karabach wird von Armenien kontrolliert, gehört aber völkerrechtlich zum islamisch geprägten Aserbaidschan. In einem Krieg nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion vor rund 30 Jahren verlor Aserbaidschan die Kontrolle über das Gebiet. Es wird heute von christlichen Karabach-Armeniern bewohnt. Seit 1994 gilt eine brüchige Waffenruhe.

Der Präsident von Berg-Karabach, Araik Arutjunjan, traf sich nach eigenen Angaben in der vergangenen Nacht mit Soldaten. Dabei sei er auch an die Front gegangen, berichteten armenische Medien. Dort werde er mehr gebraucht als "hinten", meinte Arutjunjan demnach. "Wir werden unser Heimatland mit Ehre verteidigen."