Eritreas Honorarkonsul kritisiert «einseitigen Blick»

WETTINGEN. Die eritreische Diaspora in der Schweiz ist tief gespalten: Auf der einen Seite stehen die Regimetreuen, die während des 30jährigen Unabhängigkeitskriegs auf der Seite der Volksbefreiungsfront gekämpft hatten und damals vor der Verfolgung durch Äthiopien geflohen waren.

Denise Lachat
Merken
Drucken
Teilen

Auf der anderen steht die neue Flüchtlingsgeneration, welche vor der Repression durch die aktuelle eritreische Regierung flieht. Das Bild, das die beiden Seiten von Eritrea zeichnen, widerspricht sich teils diametral.

Reisen «aus Heimweh»

Am 27. Juli prangerte die Genfer Menschenrechtsaktivistin Veronica Almedom in einem Gespräch mit unserer Zeitung die Menschenrechtsverletzungen in der ehemaligen Heimat ihrer Eltern an und kritisierte die eritreische Botschaft in Genf wegen ihres Doppelspiels; die Botschaft organisiere Reisen für Flüchtlinge nach Eritrea und setze sie gleichzeitig unter Druck.

Heute erteilen wir dem eritreischen Honorarkonsul in der Schweiz, Toni Locher, das Wort. Locher bestätigt, dass die Botschaft Pässe ausstellt; er sagt, junge Eritreer reisten im Sommer aus Heimweh nach ihren Familien zurück. Der Wettinger Frauenarzt kennt Eritrea als Entwicklungshelfer; er bereist das Land seit 40 Jahren. Und er vertritt die Ansicht, Eritrea werde durch die Berichte der Opposition diffamiert. Den Bericht der UNO-Untersuchungskommission zu Eritrea bezeichnet Locher gar als «übles Machwerk».

Hinweis auf Fortschritte

Locher, der den eritreischen Präsidenten persönlich kennt, stellt vielmehr die Fortschritte Eritreas im Gesundheitsbereich in den Vordergrund. Und er würde es begrüssen, wenn Eritrea zum Schweizer Entwicklungsschwerpunkt gemacht würde.