Erfolgreiche Sozialhelfer der KPÖ

Die Kommunistische Partei Österreichs erobert in der steirischen Landeshauptstadt Graz am zweitmeisten Stimmen. In den Zentralen der grossen Partei in Wien läuten die Alarmglocken.

Rudolf Gruber
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Dank Elke Kahr feiern Österreichs Kommunisten einen Wahlerfolg. (Bild: epa/Georg Hochmuth)

Dank Elke Kahr feiern Österreichs Kommunisten einen Wahlerfolg. (Bild: epa/Georg Hochmuth)

WIEN. Kommunisten – gibt es die noch in Österreich? Ja, in Graz haben sie am Sonntag ein vitales Lebenszeichen gegeben. Bei der Kommunalwahl der Hauptstadt des Bundeslandes Steiermark eroberte die Kommunistische Partei mit über 20 Prozent der Stimmen vor den Sozialdemokraten den zweiten Platz in der Wählergunst.

Urheberin dieses EU-weit wohl einzigartigen Erfolgs ist eine Frau: Elke Kahr, Spitzenkandidatin der Grazer KPÖ und populäre Wohnungsreferendarin der Stadt.

Eine linkspopulistische Partei

Mit dem herkömmlichen Erscheinungsbild einer kommunistischen Partei hat die Grazer Sektion der KPÖ nichts zu tun. Sie ist schlicht eine linkspopulistische Partei. Und auch die 51jährige Ausnahmepolitikerin Elke Kahr ist keine graue Funktionärin, im Gegenteil: Sie hat sogar ein sonniges Gemüt und ist fest in ihrer Heimatstadt verwurzelt. Elke Kahr, die in einem Kinderheim aufwuchs, hatte sich in den vergangenen Jahren mit ihrer praktischen und unbürokratischen Art, Menschen bei Wohnungsproblemen zu helfen, viel Sympathie erworben.

Die war möglich, weil die KPÖ in Graz einen Hilfsfonds einrichtete, aus dem Menschen finanziell unterstützt werden, die sich die Miete oder die Heizung nicht mehr leisten können. Finanziert wird der Fonds von allen Parteifunktionären, die auf einen Teil ihres Gehalts verzichten. Dies alles kommt gut an bei den Wählern.

Alle ausser KP haben verloren

Erstmals in der Nachkriegsgeschichte hat die KPÖ, die bundesweit mit 0,5 Prozent weit unter der öffentlichen Wahrnehmungsschwelle liegt, in Graz die Sozialdemokraten (SPÖ) auf den dritten Platz verdrängt – eine geradezu historische Schlappe! Auch die in der steirischen Landeshauptstadt traditionell stärkste Partei, die konservative ÖVP, büsste 5 Prozent der Stimmen ein, stellt aber mit Siegfried Nagl weiterhin den Bürgermeister.

Selbst der rechtspopulistischen Freiheitlichen Partei (FPÖ) haben die Kommunisten in «die Suppe gespuckt». Wegen Elke Kahrs Popularität hat die FPÖ deutlich weniger dazugewonnen, als sie erwartet hatte, und die Grünen haben sogar Stimmen verloren.

Soziale Probleme ernst nehmen

Kahrs angewandter Sozialismus in Graz hat den etablierten Parteien in der steirischen Metropole Graz so schwer zugesetzt, dass auch in den Wiener Parteizentralen die Alarmglocken schrillen. Das lokale Wahlergebnis in der Steiermark gilt den grossen Parteien als Warnsignal für die Nationalratswahlen im kommenden Jahr, soziale Themen in Krisenzeiten nicht auf die leichte Schulter zu nehmen.

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