Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Erdogan, der Islam und der Völkermord

Für Sudans Präsidenten Omar al-Bashir ist Reisen eine heikle Angelegenheit. Er wird vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag als mutmasslicher Kriegsverbrecher gesucht. Gestern sagte Bashir einen Türkeibesuch in letzter Minute ab.

Istanbul. Die Türkei ist seit gestern Gastgeber eines Treffens der Organisation der islamischen Konferenz (OIC). Die angekündigte und später stornierte Teilnahme Omar al-Bashirs erlaubte unerwartete Einblicke in das Denken der islamisch-konservativen Regierung der Türkei .

Was mischt sich die EU ein?»

«Was mischt sich die EU in türkische Angelegenheiten ein?», fragte der sonst stets diplomatische türkische Präsident Abdullah Gül verärgert.

Zuvor hatten sowohl die Europäische Union als auch die USA gegen den geplanten Empfang Bashirs interveniert, nachdem Ankara erklärt hatte, die türkische Regierung werde den Haftbefehl gegen Bashir ignorieren, dem im Darfur-Konflikt Verbrechen gegen die Menschheit vorgeworfen werden.

Da aber auch türkische Menschenrechtsgruppen gegen den Besuch des sudanesischen Islamisten protestiert hatten, sah sich auch Premierminister Tayyip Erdogan zu einer erstaunlichen Verteidigung Bashirs gedrängt: «Ein Moslem kann gar keinen Völkermord begehen», erklärte er.

Dies veranlasste wiederum die linksgerichtete Zeitung «Bir Gün», Erdogan an die türkischen Massaker an Armeniern nach dem Ersten Weltkrieg zu erinnern: «One Minute Premier Erdogan – zweihunderttausend Menschen wurden getötet.»

Manche Türken erinnern sich zudem noch daran, wie Al Bashir bei einem früheren Besuch zwar das Mausoleum Kemal Atatürks besuchte, aber den Eintrag in das Kondolenzbuch für den säkularen Gründer der türkischen Republik verweigert hatte.

Sie dürften die triumphierende Schlagzeile des Massenblattes «Milliyet» mit Genugtuung gelesen haben: «Er ist nicht gekommen.»

Grosser Bahnhof Ahmadinejads

Das OIC-Komitee für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Handelsfragen muss also ohne den umstrittenen Gast aus Sudan tagen. Wie zur Kompensation fiel dafür der Empfang des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinejad in Istanbul besonders herzlich aus.

Einer pompösen Begrüssung auf dem Flughafen folgten lange Vier-Augen-Gespräche mit Präsident Gül und Premier Erdogan. Die Empfänge für den syrischen Präsidenten Bashir al-Assad und den Afghanen Hamid Karzai fielen deutlich bescheidener aus. Im Zusammenhang mit dem notorischen Holocaust-Leugner Ahmadinejad bekam Erdogans Wort «ein Moslem kann gar keinen Völkermord begehen», beabsichtigt oder nicht, noch mehr Gewicht.

So hinterliess der Start zum OIC-Treffen den Eindruck, der türkischen Regierung sei es vor allem darum gegangen, dem Westen zu zeigen, dass sich Ankara in seiner Aussenpolitik keine Vorschriften machen lässt. Dies scheint ohne Rücksicht auf die Beitrittsverhandlungen mit der EU zu gelten. (ket/W.Br.)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.