Er sollte die Brücke von Genua untersuchen – jetzt schmeisst ETH-Professor den Bettel hin

Ein Schweizer Sachverständiger der ETH wurde von den italienischen Behörden gebeten, Trägerteile der Morandi-Brücke zu untersuchen. Nun hat er seinen Rücktritt eingereicht.

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Sechs Monate nach dem Einsturz der Morandi-Brücke in Genua haben die Abrissarbeiten begonnen. Noch ist die sie nicht ansatzweise wieder repariert. (Bild: Stefania M. D'Alessandro/Getty )

Sechs Monate nach dem Einsturz der Morandi-Brücke in Genua haben die Abrissarbeiten begonnen. Noch ist die sie nicht ansatzweise wieder repariert. (Bild: Stefania M. D'Alessandro/Getty )

(sar/watson) Bei dem Kollaps der Morandi-Brücke in Genua im August 2018 verloren 43 Menschen ihr Leben. Über 500 mussten ihr Zuhause verlassen. Nach dem verheerenden Einsturz begann die Diskussion um die Schuldfrage. Wie konnte es so weit kommen?

Im Verlauf der Untersuchungen wandten sich die italienischen Behörden auch an einen Schweizer Sachverständigen. Bernhard Elsener ist ETH-Professor und Korrosionsexperte. Er wurde gebeten, Trägerteile der Brücke zu untersuchen, die bei dem Einsturz in die Tiefe fielen. Elsener freute sich auf diese Aufgabe und sagte gegenüber dem «Blick», der Auftrag sei eine grosse Ehre für ihn.

Kurz darauf machte er in einem Interview mit dem Radiosender RSI die Aussage, dass wenn alle Trägerteile verstärkt worden wären, die Brücke heute noch stehen würde.

Italienischer Kollege übernimmt Untersuchung

Zu viel Klartext, fanden nicht nur die Anwälte der Beschuldigten, sondern auch eine Staatsanwältin, die den Zürcher Professor ins Boot geholt hatte. Wie der «Blick» schreibt, wurde erwogen, Elsener aus der Untersuchung auszuschliessen.

Jetzt ist Elsener den italienischen Behörden zuvor gekommen. Er reichte seinen Rücktritt ein. Gegenüber der Zeitung sagte er, das Ganze sei ihm sowieso zu viel geworden. Wenn er weiter an dem Brückengutachten gearbeitet hätte, wäre gar nie mehr nach Hause gekommen. Die Untersuchung wird nun von einem italienischen Kollegen weitergeführt.

Morandi-Brücke war stark angerostet

Ingenieure warnten schon im vergangenen Februar, dass die Spannseile der eingestürzten Brücke in Genua zu bis zu 20 Prozent verrostet waren. Unternommen wurde nichts. Derweil leitet die Regierung die Rückkehr zur Verstaatlichung der Autobahnen ein.
Dominik Straub, Rom