Entsetzen in Dänemark

Nach dem gescheiterten Anschlag auf Kurt Westergaard, Zeichner der Mohammed-Karikaturen, befürchtet das Land weitere Anschläge.

André Anwar
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Kurt Westergaard (Bild: rtr)

Kurt Westergaard (Bild: rtr)

sTockholm. Als Kurt Westergaard im Herbst 2005 seine Mohammed-Karikaturen zeichnete, ahnte der inzwischen 74-Jährige nicht, in was für einen Albtraum sein Leben sich verwandeln würde. Einige Monate nach der Veröffentlichung seiner und der Karikaturen von elf weiteren Zeichnern wurde Dänemark von gewaltsamen Protesten aus der islamischen Welt erschüttert. Alle 12 Zeichner erhielten Morddrohungen; exponiert wurde vor allem Westergaard.

Schutz im Badezimmer

Am Freitagabend nun drang ein Attentäter in sein Haus in der Nähe der Stadt Arhus ein. Westergaard betätigte den Alarmknopf. Dann schloss er sich im Badezimmer ein. Die Polizei hatte es in einen mit Stahlverkleidung umhüllten Schutzraum umgebaut. Der Somalier, den Westergaard nicht zu Gesicht bekam, schlug mit einer Axt auf die Stahltür ein. «Ich hörte, wie er mich schreiend in gebrochenem Dänisch beschimpfte. Glücklicherweise hielt die Tür. Das rettete mein Leben», sagte er später.

Auch seiner fünfjährigen Enkelin, die schutzlos im Haus war, passierte nichts.

In drei Minuten war die Polizei da; sie überwältigte den Eindringling. Bei der Vernehmung bestritt der 28-Jährige, dass er Mordabsichten hatte. Laut Geheimdienst hat er Verbindungen zur radikal-islamischen Al-Shabaab in Somalia und zur Führung des Terrornetzwerkes Al Qaida in Ostafrika.

Der dänische Ministerpräsident Rasmussen verurteilte den Anschlagsversuch als verabscheuungswürdig. Weitere Anschläge auf sein Land seien sehr wahrscheinlich. Nur ein Ende der Al Qaida könne der Gewaltspirale ein Ende setzen.

Dänen sind entsetzt

Das Entsetzen ist gross in Dänemark. Viele hatten geglaubt, die Karikaturen-Krise sei überstanden, die das Land dem Hass von Islamisten aus der ganzen Welt aussetzte.

Auch die Vorstände aller moslemischen Gemeinden Dänemarks zeigten sich bestürzt und distanzierten sich vom Anschlag. Fanatiker hätten nichts mit dem moslemischen Glauben zu tun. Viele befürchten, dass die Stimmung zwischen Dänen und den überwiegend kaum gläubigen moslemischen Einwanderern noch schlechter werden könnte.

Die ausländerfeindliche Volkspartei, inzwischen schon in der zweiten Legislaturperiode indirekt an der liberalkonservativen Regierung beteiligt, dürfte von dem Attentatsversuch profitieren.

Westergaard selbst bleibt unnachgiebig. Hätte er die Wahl, die Karikaturen rückgängig zu machen, würde er sie nicht nutzen, sagte er. Die Meinungsfreiheit sei viel zu wichtig für diese Welt.

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