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Enthüllungen zeigen nur Spitze des Eisbergs

Die Zahlen sind beeindruckend: 11,5 Millionen E-Mails, Verträge und andere Dokumente über Briefkastenfirmen auf der ganzen Welt erhielt die «Süddeutsche Zeitung» zugespielt. Ein Netzwerk von insgesamt 109 Medien aus 76 Ländern wertete die Informationen aus.
Lukas Leuzinger

Die Zahlen sind beeindruckend: 11,5 Millionen E-Mails, Verträge und andere Dokumente über Briefkastenfirmen auf der ganzen Welt erhielt die «Süddeutsche Zeitung» zugespielt. Ein Netzwerk von insgesamt 109 Medien aus 76 Ländern wertete die Informationen aus. Beteiligt sind auch die Schweizer Zeitungen «Tages-Anzeiger» und «Sonntagszeitung». Das Material stammt von der Grosskanzlei Mossack Fonseca aus Panama. Die «Panama Papers» umfassen insgesamt rund 2,6 Terabyte an Daten, das entspricht der Kapazität von über 500 DVDs. Doch was steckt hinter der immensen Datenmenge?

Wer hat die Informationen herausgegeben?

Die Daten stammen aus einer anonymen Quelle. Möglicherweise handelt es sich um einen (ehemaligen) Angestellten von Mossack Fonseca oder um einen Hacker.

Worum geht es in den Dokumenten?

Die Dokumente geben Aufschluss über mehr als 200 000 Briefkastenfirmen und Stiftungen, die Mossack Fonseca im Auftrag von Kunden über einen Zeitraum von fast 40 Jahren eingerichtet hat – in Panama, aber auch in anderen Ländern. Die Gründung solcher Firmen und Stiftungen ist legal. Allerdings lassen sich verschachtelte und intransparente Firmenkonstrukte dazu missbrauchen, zweifelhafte oder gar illegale Machenschaften zu verdecken. «Wer eine solche Firma gründet, ist an Anonymität interessiert», sagt Jean-Pierre Méan. Der Lausanner Rechtsanwalt ist auf Korruptionsstrafrecht spezialisiert und Mitglied der Anti-Korruptions-Kommission der Internationalen Handelskammer. Laut Méan wünschen Leute aus verschiedenen Gründen Anonymität: Es könne sich um reiche Leute handeln, die ihren Reichtum verbergen wollten, etwa, um einer Entführung vorzubeugen. Die Anonymität könne aber auch illegalen Zwecken dienen, etwa Steuerhinterziehung oder Geldwäscherei.

Ähnlich äussert sich Andrea Opel, Assistenzprofessorin für Steuerrecht an der Universität Luzern: «Briefkastenfirmen können entweder der legalen Steuerplanung dienen oder aber illegalen Zwecken wie Steuerhinterziehung.» Sie geht davon aus, dass die Mehrheit der Offshore-Konten nicht versteuert wird.

Wer ist von der Veröffentlichung betroffen?

Unter den Personen, die Briefkastenfirmen gründen liessen, finden sich viele Prominente, auch hochrangige Politiker oder Leute mit engen Verbindungen zu solchen. So soll ein enger Freund des russischen Präsidenten Wladimir Putin ein Netz von Offshore-Firmen kontrollieren, von dem Vertraute des Staatschefs profitierten (siehe oben). Auch die Namen des isländischen Regierungschefs Sigundur Gunnlaugsson, des saudischen Königs Salman oder des Fussballers Lionel Messi tauchen in den Dokumenten auf. Welchen Zweck sie mit ihren Briefkastenfirmen verfolgten, ist nicht geklärt. Für alle Betroffenen gilt die Unschuldsvermutung.

Welche Bedeutung hat die Veröffentlichung?

Da erst ein Teil der Informationen publiziert wurde, ist dies schwierig einzuschätzen. Jean-Pierre Méan sagt, es sei zwar schon lange bekannt gewesen, dass es solche Briefkastenfirmen gebe. Nun seien aber erstmals Informationen darüber publik geworden, welche Personen hinter diesen Gesellschaften stünden. Méan weist zudem darauf hin, dass die Informationen nur von einer Firma aus einem Land stammen. «Das ist nur die Spitze des Eisbergs», sagt er.

Betreffen die Enthüllungen auch die Schweiz?

Ja. Zwar gründete Mossack Fonseca die meisten Briefkastenfirmen in Ländern wie den British Virgin Islands, Panama, Bahamas, Seychellen oder den USA. Jedoch traten viele Schweizer Firmen – vor allem Banken – als Intermediäre auf. Über 1200 von ihnen tauchen in den Dokumenten auf. Steuerrechtsexpertin Andrea Opel geht davon aus, dass aufgrund der verschärften Regeln kaum noch Schwarzgeld auf Konten in der Schweiz gelangt. Es sei aber nicht auszuschliessen, dass Schweizer Firmen nach wie vor im Offshore-Geschäft involviert seien.

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