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Enthüllung: Putin soll Salvinis Wahlkampf finanziert haben

Heimliche Tonaufnahmen scheinen den Verdacht zu bestätigen. Die Mailänder Staatsanwaltschaft hat den Innenminister ins Visier genommen.
Dominik Straub aus Rom
Matteo Salvini kommt unter Druck. Hat er Geld aus Russland angenommen? (Bild: Ivan Sekretarev/Keystone)

Matteo Salvini kommt unter Druck. Hat er Geld aus Russland angenommen? (Bild: Ivan Sekretarev/Keystone)

Das US-Medienportal BuzzFeed bringt Italiens starken Mann Matteo Salvini in arge Bedrängnis. Am Mittwoch hat die Plattform heimlich aufgenommene Tonaufnahmen eines Treffens von drei Russen und drei Italienern in Moskau veröffentlicht. Die Aufnahmen legen nahe, dass Salvinis Partei Lega über einen windigen Öl-Deal mit Russland Dutzende von Millionen Dollar an illegalen Wahlkampfspenden erhalten sollte.

Der Plan ging so: Russische Ölfirmen sollten für 1,5 Milliarden Dollar drei Millionen Tonnen Rohöl an den italienischen Energieversorger Eni liefern. Über Rabatte und zwischengeschaltete Banken sollten heimlich 65 Millionen Dollar auf Lega-Konten abgezweigt werden.

Einen Beweis, dass der Deal tatsächlich zustande gekommen und das Geld geflossen ist, lieferte BuzzFeed nicht. Salvini hat die Geschichte auch prompt dementiert: «Ich habe nie einen Rubel, einen Euro, einen Dollar oder einen Liter Wodka von Russland genommen», beteuerte der Innenminister.

Salvini schwärmt von "Putins Niveau"

Doch damit ist die Angelegenheit für Salvini wohl noch nicht ausgestanden: Das italienische Nachrichtenmagazin «L’Espresso» hatte schon im Februar über das Treffen vom vergangenen Oktober im Moskauer Hotel Metropol berichtet – und über die engen Verbindungen des Innenministers zum Umfeld von Vladimir Putin sind auch schon zwei Enthüllungsbücher erschienen. Die Tonaufnahmen von BuzzFeed liefern zu Salvinis Moskau-Connection den bisher fehlenden Soundtrack.

Schlüsselfigur dieser Connection und auch des Treffens in Moskau ist Salvinis Vertrauter Gianluca Savoini. Der 56-jährige Norditaliener war Journalist bei der Lega-Zeitung «La Padania». Nach der Wahl Salvinis zum Chef der Lega wurde er dessen Sprecher.

Savoini, der mit einer Russin verheiratet ist, ist Präsident der Vereinigung «Lombardia-Russia». Laut ehemaligen Kollegen der «Padania» sympathisiert der Salvini-Vertraute mit faschistischem und neonazistischem Gedankengut. Salvini hat an dem von Savoini eingefädelten Treffen selber nicht teilgenommen, befand sich aber in diesen Tagen ebenfalls in Moskau.

Auf den Tonaufnahmen preisen die drei Italiener Salvini als «Europas Trump» an, der die EU zusammen mit anderen europäischen Rechts-Parteien von Grund auf verändern wolle. «Dieses neue Europa muss viel enger sein mit Russland», hört man Savoini sagen.

Untersuchung läuft seit Februar

Salvinis Bewunderung für den russischen Präsidenten ist in Italien ein offenes Geheimnis. «Putin ist ein Leader mit klaren Ideen, der für eine geordnete, saubere und harmonische Gesellschaft steht. Ich wäre schon zufrieden, wenn ich nur einen Bruchteil seines Niveaus hätte», sagte Salvini, als er noch nicht Innenminister Italiens war. Die internationalen Sanktionen gegen Russland bezeichnete er als «idiotisch, verrückt, verantwortungslos, masochistisch».

Salvini betonte am Mittwoch, dass er gegen die Unterstellung klagen werde, aus dem Umfeld seines Idols Putin Geld entgegengenommen zu haben. «Ich habe schon Anzeige erstattet und werde das auch heute, morgen und übermorgen tun.»

So ganz stimmt dies laut dem Chef des «L’Espresso», Marco Damilano, freilich nicht: «Die Lega hat uns zwar wegen Diffamierung verklagt und dabei mehrere unserer Beiträge zitiert – aber nicht denjenigen über das Treffen vom 18. Oktober in Moskau», betont Damilano. Der Grund dafür sei klar: «Salvini sagt zwar, er habe nie einen Rubel entgegengenommen – aber er kann nicht bestreiten, dass es zumindest entsprechende Verhandlungen gegeben hat.»

Salvini ist unter enormem Druck: Wie gestern bekannt wurde, hat die Staatsanwaltschaft von Mailand schon im Februar eine Strafuntersuchung wegen möglicher internationaler Wirtschaftsdelikte eröffnet. Die Opposition fordert eine sofortige, lückenlose Klärung der Angelegenheit. «Entweder ist das eine Fake News oder aber eine unfassbare Enthüllungsgeschichte», erklärte der Senator und ehemalige Premier Matteo Renzi vom sozialdemokratischen Partito Democratico. «Russisches Öl, um die Lega zu finanzieren? Das wäre ja verrückt.»

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