Entfremdung statt weiterer Annäherung

Europa - Türkei

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1987 Die Türkei stellt einen formellen Antrag auf Beitritt zur damaligen Europäischen Gemeinschaft (EG). Sechs Jahre später wird die EU gegründet.

1997 Der EU-Gipfel in Luxemburg entscheidet, dass die Türkei für einen Beitritt in Frage kommt. Sie erhält aber noch keinen offiziellen Status als Beitrittskandidat.

1999 Die Türkei wird auf die gleiche Stufe wie andere Beitrittskandidaten gestellt. EU-Kommissionspräsident Prodi spricht von einem langen Prozess der Annäherung.

2004 Der im Vorjahr gewählte türkische Premierminister Recep Tayyip Erdogan stellt in einem Interview fest, die Türkei sei auf dem unumkehrbaren Weg zum EU-Mitglied. Das EU-Parlament und die Staats- und Regierungschefs der Mitgliedsländer sprechen sich für Beitrittsverhandlungen aus. Im Gegenzug soll die Türkei Zypern anerkennen.

2005 Die «ergebnisoffenen» Beitrittsverhandlungen zwischen der EU und der Türkei werden offiziell aufgenommen. Als frühestmöglicher Beitrittstermin wird 2015 genannt. Die neue deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht sich bei ihrem Amtsantritt gegen einen EU-Beitritt der Türkei aus.

2006 Die EU droht mit Abbruch der Beitrittsverhandlungen, wenn Ankara Zypern nicht anerkennt. In der Folge werden die Verhandlungen zeitweise ausgesetzt, aber nicht offiziell ab­gebrochen.

2009 Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy erklären offen, dass eine EU-Mitgliedschaft der Türkei nicht erwünscht ist. Entsprechend stocken die Verhandlungen weiter.

2016 Die Türkei fordert als Gegen­leistung für ihre Unterstützung in der Flüchtlingskrise schnellere Beitrittsverhandlungen und Visumsfreiheit für ihre Bürger. Im März tritt das Flüchtlings­abkommen in Kraft. Nach dem gescheiterten Putsch erwägt die Türkei die Wiedereinführung der Todesstrafe. Für die deutsche Regierung wäre das gleichbedeutend mit dem Ende der Verhandlungen.

Herbst 2016 Die Mehrheit der Europaabgeordneten fordert die Sistierung der Beitrittsverhandlungen, bis die Türkei den Ausnahmezustand aufhebt. Auch in der Türkei ist die EU-Begeisterung inzwischen stark abgeflaut.