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Linksterrorist Battisti ausgeliefert: Das Ende einer langen Flucht

Der frühere italienische Links-Terrorist Cesare Battisti ist nach jahrzehntelanger Flucht in Bolivien verhaftet worden. Die rechtspopulistische Regierung in Rom triumphiert.
Dominik Straub
Ein Polizist eskortiert Cesare Battisti bei seiner Ankunft im Flughafen in Rom. Bild: Ettore Ferrari/EPA (Rom, 14. Januar 2019)

Ein Polizist eskortiert Cesare Battisti bei seiner Ankunft im Flughafen in Rom. Bild: Ettore Ferrari/EPA (Rom, 14. Januar 2019)

In Begleitung mehrerer italie­nischer Sicherheitskräfte ist der 63-jährige Cesare Battisti am Montag kurz vor Mittag mit einem von der italienischen Regierung gecharterten Learjet auf dem Römer Flughafen Ciampino gelandet. Zuvor hatte die bolivianische ­Regierung einer Auslieferung des früheren Linksextremisten zu­gestimmt. Auf dem Flughafen wurde Battisti von Innenminister Matteo Salvini von der Lega und von Justizminister Alfonso Bonafede von der Protestbewegung Cinque Stelle in Empfang genommen. Battisti wird seine Strafe im Hochsicherheitsgefängnis von Oristano auf Sardinien verbüssen. «Er wird im Kerker vermodern», jubelte Salvini.

Battisti war in den «bleiernen Siebzigerjahren» Mitglied der linksextremen Splittergruppe «Proletari armati per il comunismo» («Bewaffnete Proletarier für den Kommunismus», PAC) gewesen. Die italienische Justiz wirft ihm vor, an insgesamt vier Morden beteiligt gewesen zu sein. Er wurde zweimal zu einer lebenslänglichen Zuchthausstrafe verurteilt. Battisti hat die Morde immer bestritten und will höchstens die «politische Verantwortung» dafür übernehmen. 1981 gelang ihm die Flucht aus einem italie­nischen Gefängnis. Er tauchte im Ausland unter – in Mexiko, in Frankreich und in Brasilien.

Gefeierter Krimiautor

Zunächst war Battisti Anfang der Achtzigerjahren in Frankreich in den Genuss der sogenannten «Mitterand-Doktrin» gekommen: Diese besagte, dass die «italienischen Aktivisten» in ihrer Heimat nicht mit einem fairen Prozess rechnen könnten, weshalb der sozialistische Staatspräsident François Mitterrand allen reumütigen Terroristen des Nachbarlands politisches Asyl anbot. Battisti wurde in Frankreich zum gefeierten Krimiautor und konnte unter linken Künstlern und Intellektuellen lange auf einen ansehnlichen Fanclub zählen. Unterstützt wurde er unter anderem von Carla Bruni, der späteren Madame Sarkozy, sowie vom Philosophen Bernard-Henri Lévy. Als der Wind in Frankreich unter der Rechtsregierung von Jacques Chirac drehte, floh Battisti nach Brasilien. Dort wurde er verhaftet und sollte an Italien ausgeliefert werden. In seiner letzten Amtshandlung hat Bra­siliens sozialistischer Präsident Lula da Silva mit einem Gnadenakt die Auslieferung Ende 2010 verhindert – und eine diplomatische Krise mit Italien heraufbeschworen. Von da an konnte sich Battisti in dem südamerikanischen Land wieder frei bewegen – bis 2018 Rechtspopulist Jair Bolsonaro zum Präsidenten gewählt wurde. Dieser versprach seinem Gesinnungsgenossen in Rom, Salvini, ihm Battisti «zum Geschenk» zu machen.

Battisti tauchte erneut unter – diesmal in Bolivien. Dort wurde er am Samstagabend von Interpol-Beamten verhaftet; er war unbewaffnet und leistete keinen Widerstand. Innenminister Salvini versuchte, die Verhaftung politisch auszuschlachten, und warf der Linken im In- und Ausland vor, den ehemaligen Terroristen immer «gehätschelt» zu haben. Das mag vielleicht für Frankreich zutreffen, in Italien ist der Vorwurf absurd. Exponenten des sozialdemokratischen Partito Democratico und auch dessen Vorgängerparteien hatten immer die Auslieferung des Ex-Terroristen verlangt. Der sozialdemokratische Ex-Premier Paolo Gentiloni twitterte schon am Sonntag: «Endlich erfahren die Opfer des Terrorismus Gerechtigkeit.»

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