Eine waffenstarrende Halbinsel

Nordkorea droht weiter, der Süden kündigt entschlossene Gegenwehr an. In welcher Stärke und mit welchen Mitteln stehen sich die Streitkräfte der beiden verfeindeten Staaten auf der Halbinsel gegenüber? Was sind die Wurzeln und die Risiken des aktuellen Konflikts?

Walter Brehm
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Die Kriegstrommel dröhnt weiter: «Die Manöver der amerikanischen Imperialisten und ihrer kriegstreiberischen Marionette bringen die koreanische Halbinsel an den Rand des Krieges.» Mit diesen Worten hat die kommunistische Führung Nordkoreas gestern Washington und Seoul noch einmal vor dem gemeinsamen Seemanöver gewarnt, das am Sonntag beginnen soll.

Doch auch der Süden trommelt. Präsident Lee Myung Bak liess erklären: «Die Bestände der Grenztruppen werden drastisch erhöht. Die 2006 beschlossene Truppenreduktion wird rückgängig gemacht.» Nur einen Tag nach-dem Kim Tae Young, der als «zu weich» kritisierte Verteidigungsminister Südkoreas zurückgetreten war, ernannte Lee Myung Bak den bisherigen Sicherheitsberater zu dessen Nachfolger.

Lee Hee Won wird in Südkoreas Medien als fähiger Militärstratege und erfahren in der Zusammenarbeit mit den verbündeten USA bezeichnet.

Die Risiken für den Süden

Nach dem Korea-Krieg (1950 bis 1953) war die südostasiatische Halbinsel am 38. Breitengrad geteilt worden. Hinter der von einer UNO-Mission mit Schweizer Beteiligung bewachten Demarkationslinie und einer 240 Kilometer langen und vier Kilometer breiten entmilitarisierten Zone stehen sich seither Hunderttausende Soldaten beider Seiten gegenüber.

Einen Friedensvertrag gibt es nicht. Dies ist unter anderem deshalb Quelle ständiger Konflikte, weil der Norden die 200 Kilometer lange Seegrenze an der Westküste beider Staaten im Gelben Meer nicht anerkennt. Diese «Northern Limit Line» war 1953 von einem General der UNO-Truppen einseitig festgelegt worden. Auf der zwischen Nord- und Südkorea umstrittenen Insel Yeonpyeong, die am Dienstag angegriffen wurde, unterhält die südkoreanische Armee einen Stützpunkt. Viel grösserer Gefahr ist jedoch Seoul ausgesetzt, die Hauptstadt des Südens.

Die Stadt, in deren Einzugsgebiet etwa 24 Millionen Menschen leben, ist nur 40 Kilometer von der innerkoreanischen Grenze entfernt.

Mit seinem Raketenarsenal könnte das nordkoreanische Regime Seoul in Schutt und Asche bomben. Militärexperten nennen Seoul auch «eine Geisel» des Diktators Kim Jong Il. Sicher aber ist die Gefährdung der südkoreanischen Metropole ein wichtiger Grund dafür, weshalb sich Südkorea jede Reaktion auf Provokationen des Nordens zweimal überlegen muss.

Wie stark ist der Norden?

Das Regime in Pjöngjang unterhält eine der grössten Armeen weltweit. Laut dem «International Institute für Strategic Studies» kann Nordkorea bis zu 1,1 Millionen Soldaten einsetzen. Ihre Ausrüstung dürfte aber zum Teil alt und schlecht gewartet sein. Die Kampfkraft der Nord-Truppen ist umstritten. Sind sie stark, weil nicht von westlichem Luxus «verweichlicht», oder durch die Hungersnöte in Nordkorea geschwächt. Sicher ist nur, Kim Jong Ils Politik heisst «Songung» – das Militär zuerst.

Über den wirklichen Stand seines Atomwaffenprogramms gibt es aber keine gesicherten Erkenntnisse.

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