Eine nüchterne Aussöhnung

Irans Präsident Hassan Rowhani hat sich bei seinem Besuch in Paris mit Frankreich ausgesöhnt – und über hundert Airbus-Flugzeuge bestellt.

Stefan Brändle
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PARIS. Hassan Rowhani wurde gestern in Paris mit allen Ehren empfangen. Am Rand eines Treffens mit seinem französischen Amtskollegen François Hollande unterzeichnete er mehrere Wirtschaftsabkommen. Das wichtigste betrifft den Kauf von 118 Airbus-Flugzeugen. Zur Absichtserklärung gehören laut Airbus-Angaben auch zwölf Doppelstöcker A380. Das gesamte Auftragsvolumen wird auf 25 Milliarden Dollar geschätzt. Der Autohersteller Peugeot schloss mit dem iranischen Partner Khodro ferner eine Übereinkunft, die ihm erlauben soll, binnen vier Jahren 400 000 Autos nach Iran zu liefern.

Diverse Menschenrechtsverbände protestierten in Paris gegen diesen ersten Paris-Besuch eines iranischen Präsidenten in diesem Jahrtausend.

Fast am Wein gescheitert

Vergessen war gestern, dass die Visite fast ins Wasser oder genauer in den Wein gefallen wäre. Die Gäste verlangten ein islamisch korrektes Halal-Menu ohne Schweinefleisch und Alkohol. Ein Dîner ohne Wein war aber für die Gastgeber unvorstellbar. Schon 1999 hatte Ex-Präsident Jacques Chirac ein Treffen mit dem damaligen iranischen Staatschef Mohammed Chatami lieber platzen lassen, als Abstriche am strikten Laizismus seines Landes zu machen: Auch das französische Savoir-vivre hat religionsneutral zu sein.

2016 stand aber für beide Seiten zu viel auf dem Spiel: Frankreichs Regierung wollte die einst «privilegierten Beziehungen» zu Teheran unbedingt neu lancieren, um im Syrien-Konflikt vorwärts zu kommen und Wirtschaftsaufträge zu ergattern; Iran wiederum sucht nach dem Ende der UNO-Sanktionen Pariser Grosskonzerne in den iranischen Markt zurückzulocken.

Eine Absage des Treffens wegen ein paar Flaschen Bordeaux kam für Hollande nicht in Frage. Er schlug deshalb im November als Notlösung ein Frühstück vor. Das war aber nicht nach dem Gusto der Gäste. Wegen der Pariser Attentate musste die Visite ohnehin verschoben werden, was Hollande Zeit gab, für gestern einen Termin zwischen den Essenszeiten zu finden: Das mehrstündige Treffen mit Rowhani begann um 15 Uhr. Vorher traf Hollande einen UNO-Flüchtlingskommissar, um 18 Uhr fand der Empfang einer Handwerker-Delegation statt.

Heikle Gefühlslage

So anekdotisch sie scheint, sagt die Getränkefrage doch einiges aus über die bilaterale Gefühlslage. Trotz aller Wirtschaftsinteressen bleibt das iranische Regime verschnupft wegen des harten Kurses des französischen Aussenministers Laurent Fabius in den Atomverhandlungen und über die neue Nähe der Franzosen zu Saudi-Arabien. Frankreich stört sich umgekehrt an der militärischen und finanziellen Hilfe Irans für den syrischen Präsidenten Bashar al-Assad.

Hinzu kommt eine kulturelle Differenz: Laut Pressemeldungen fordern die Iraner, dass aus dem Westen importierte Bücher und Publikationen gewisse Worte nicht mehr enthalten. Dazu gehören die Namen westlicher Präsidenten, ebensolcher Tiere – und der Begriff «Wein».

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