Eine Initiative für Trittbrettfahrer

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Ein Fitnessabo, bezahlt von der Krankenkasse in der obligatorischen Grundversicherung: So sollen Zivilisationskrankheiten wie Übergewicht und Diabetes vorgebeugt und die Gesundheitskosten gesenkt werden. Die Initiative des Schweizerischen Fitness- und Gesundheitscenterverbandes (SFGV) tönt beim ersten Hinhören sympathisch: Wäre es nicht besser, in die Prävention zu investieren, anstatt Krankheiten mit teuren Medikamenten zu behandeln?

Nun ist das Projekt vom Tisch, weil die Initianten die nötigen Unterschriften nicht sammeln konnten. Das Scheitern ist keine Katastrophe. Die Pläne des SFGV weisen Mängel auf. Zum einen ist der Kreis der Nutzniesser offensichtlich. Zum andern darf man auf die Eigenverantwortung der Bevölkerung zählen. Und schliesslich: Wer hat Anrecht auf ein von der Allgemeinheit berapptes Fitnessabo? Bloss notorische Bewegungsmuffel mit Übergewicht, die ohne Coaching nicht vom Sofa wegzubringen sind? Ebenso normal sport­liche Mitbürger, die sich auch ohne externen Anstoss die Trainingskleider anziehen und ­vielleicht froh über einen Zustupf wären?

Aufgegeben hat der SFGV nicht. Er backt kleinere Brötchen und hat beim Bund ein Gesuch gestellt, die Krankenkasse solle Bewegungsprogramme für Diabetes-Patienten übernehmen. Dieser Ansatz ist besser als die Initiative, weil er die Trittbrettfahrer-Problematik ausschliesst. Ein professionelles Bewegungsprogramm absolvieren, statt das Diabetes-Problem nur mit medizinischer Behandlung in den Griff zu bekommen: Es lohnt sich, diese Möglichkeit genauer zu analysieren. Seite 19