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Eine Gnadenfrist gab es nicht

Die britische Premierministerin ist seit 100 Tagen im Amt. Bereits werfen Kritiker ihr vor, eine Zauderin zu sein.
Gabriel Felder
British Prime Minister Theresa May leaves 10 Downing Street in London, to attend Prime Minister's Questions at the Houses of Parliament, Wednesday, Oct. 19, 2016. (AP Photo/Matt Dunham) (Bild: Matt Dunham (AP))

British Prime Minister Theresa May leaves 10 Downing Street in London, to attend Prime Minister's Questions at the Houses of Parliament, Wednesday, Oct. 19, 2016. (AP Photo/Matt Dunham) (Bild: Matt Dunham (AP))

Auf der Türschwelle zum Regierungsamt Number 10 Downing Street gab sich Theresa May als Verfechterin liberal-progressiver Werte: «Die Regierung, die ich leite, wird nicht angetrieben sein von den Interessen einer dünnen privilegierten Schicht», sagte sie. Sofort wurden Parallelen gezogen zur ersten Rede von Margaret Thatcher vor 37 Jahren, in welcher sie den Heiligen Franz von Assisi zitierte und Einheit versprach. In Thatchers Fall blieb es bei Rhetorik: Ihre Regierung riss Gräben auf, von denen sich das Sozialgefüge Grossbritanniens immer noch zu erholen versucht. Von Theresa Mays Ruf nach Einheit erhofft man sich mehr Authentizität: Das Brexit-Referendum hat nicht nur die Gesellschaft, sondern auch Mays eigene Partei gespalten. May zeigt Züge einer eisernen Hand – Thatcher lässt grüssen – und spielt mit der Idee, das Parlament zu umgehen wenn es um die Brexit-Eckpfeiler geht. «Haarsträubend», wettert der ehemalige stellvertretende Premierminister Nick Clegg: «Zuerst wurde uns vermehrte Parlaments-Souveränität versprochen nach dem Brexit und jetzt soll das Parlament umgangen werden.» May braucht offensichtlich einen breiten Rücken als Umsetzerin des EU-Ausstiegs, und ihr Slogan «Brexit bedeutet Brexit» wird schon bald nicht mehr ausreichen, die lauter immer werdenden Stimmen nach Fleisch am Knochen zu befriedigen. Theresa May gilt als «unshowy», ein neu-englisches Adjektiv, das wie angegossen zu ihr passt. Grosses Aufsehen liegt ihr nicht: Den 60. Geburtstag liess sie kommentarlos vorübergehen. Sie gilt als gewissenhafte Denkerin, die oft Mühe bekundet, schnelle Entscheide zu treffen. Diesen Sommer bremste sie eine Entscheidung, China an einem milliardenschweren Kernkraftprojekt zu beteiligen. May verfocht die «Interessen des Vereinigten Königreichs», die es sorgsam abzuwägen gelte. Damit zeigte sie auf der einen Seite Rückgrat und Mumm, handelte sich auf der anderen Seite die Kritik ein, eine ewige Zauderin zu sein. Die Chinesen erhielten Wochen später grünes Licht.

Auch in Sachen Ideologie lässt sich die neue britische Premierministerin ungern in die Karten blicken. Ihre Antrittsrede liess eine Figur vermuten, die sich mit cleverem politischem Kalkül auf die politische Mitte und damit ein enormes Wählerpotenzial zubewegt. Die Bemühungen ihres Vorgängers David Cameron, die steif wirkende politische Rechte Grossbritanniens zu modernisieren, versprach sie weiterzuverfolgen. Im Widerspruch dazu steht die Absicht, ein Relikt der Fünfzigerjahre wiederzubeleben und die elitären «Grammar Schools», eine Art Lateinschule, zurückzubringen. 100 Tage reichen nicht um festzumachen, ob Theresa May eine Politikerin der Widersprüche ist oder einfach länger braucht, um ihren Führungsstil zu finden. Viel Zeit zum Nachdenken bleibt allerdings nicht.

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