Ein undurchsichtiges Imperium: Wer ist der Konzern, mit dem die Migros da geschäftet?

Der Öl- und Gasriese Socar umwirbt gern die Welt. Auch in der Schweiz macht das aserbaidschanische Staatsunternehmen Geschäfte, mit Tankstellen und im Handel. Wer es lenkt, bleibt unklar.

Inna Hartwich aus Moskau
Drucken
Teilen
Gläserne Flammen: Die Firmenzentrale von Socar in Baku, Aserbaidschan.

Gläserne Flammen: Die Firmenzentrale von Socar in Baku, Aserbaidschan.

Shutterstock

Socar – die fünf Buchstaben sind eine schlichte Abkürzung für State Oil Company of Azerbaijan Republic. Das aserbaidschanische Petrochemie-Staatsunternehmen hat seinen Hauptsitz in Baku, der Hauptstadt von Aserbaidschan, einem 9,5 Millionen-Einwohner-Land im Südkaukasus.

Von den Glastürmen in Form von Gasflammen lenkt das Unternehmen, das nach eigenen Angaben 57 eigene Öl- und Gasfelder besitzt, 18 davon offshore, seine weltweiten Geschäfte. Auch in der Schweiz, wo es 2010 alle etwa 170 Esso-Tankstellen aufgekauft hatte. Dafür gründeten die Aseri in Zug die Socar Energy Switzerland, in Genf geschäftet der offizielle Handels- und Marketingarm von Socar. Mit mehr als 50000 Mitarbeitern weltweit und 65,4 Milliarden Dollar Umsatz im Jahr ist es eines der grössten Energieunternehmen der Welt.

Fussballverbands-Boss im Nebenjob

An der Spitze des Konzerns steht der Bauingenieur Rovnag Abdullajew, er macht den Job seit 2005. Nebenher ist er auch Präsident des aserbaidschanischen Fussballverbandes. Das Sagen aber hat faktisch der aserbaidschanische Präsident Ilham Alijew. Quasi als Erbe seines Vaters Hejdar, der das Unternehmen 1992 aufgrund eines Dekrets gründete.

Hejdar Alijew hat nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion die sogenannte Tribokratie etabliert, die Herrschaft der Stämme. Der Alijew-Clan ist der mächtigste und der reichste im Land. Auch die Frau und die Töchter des Despoten Ilham Alijew, letztlich jedes Regierungsmitglieds im Land, hat wirtschaftliche Interessen. Die Charme-Offensive der Aseri ist zwar rund um den Globus gross, die Anrüchigkeit der Verschmelzung zwischen wirtschaftlicher und politischer Macht werden sie allerdings nicht los.

Ganz weit hinten auf dem Korruptionsindex

Auf dem Korruptionsindex von Transparency International steht Aserbaidschan auf Platz 126 von 180. Bestechung von aserbaidschanischen Geschäftsleuten beschäftigten mehrfach die internationale Justiz.

Socar ist der wichtigste Devisenbringer Aserbaidschans. Auch wenn der fallende Ölpreis seit 2014 die Landeswährung Manat immer wieder unter Druck setzt, lebt das Land – vor allem aber der Alijew-Clan – von seinem schwarzen Gold. Bereits im 19. Jahrhundert hatte die schwedische Familie Nobel die später als weltweit bedeutendst geltende Ölgesellschaft Nobel Brothers Petroleum Producing Company gegründet. Ausgeschöpft sind die Felder nicht.