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Ein Stück Holz als Lebensretter

Im Mittelmeer wurde eine Kamerunerin kurz vor dem Ertrinken aus dem Wasser geborgen. Anscheinend hat die libysche Küstenwache das Boot, in dem sie sich befand, vorsätzlich versenkt.
Ralph Schulze, Madrid
Rettungskräfte des Schiffs Open Arms ziehen die 40-jährige Josefa aus dem Wasser. (Bild: Pau Barrena/AFP (17. Juli 2018))

Rettungskräfte des Schiffs Open Arms ziehen die 40-jährige Josefa aus dem Wasser. (Bild: Pau Barrena/AFP (17. Juli 2018))

Ende einer dramatischen Rettung, die grosse Wellen schlägt: Josefa, die am vergangenen Dienstag von spanischen Helfern aus dem Meer gezogen worden war, kam am Wochenende mit dem humanitären Schiff Open Arms auf Mallorca an. Die 40-Jährige hatte stundenlang im Wasser getrieben und nur überlebt, weil sie sich an ein Stück Holz geklammert hatte. Die Frau aus Kamerun war auch bei der Ankunft auf der Insel immer noch so schwach, dass sie zu einem Krankenwagen getragen werden musste. Die Bilder von der im letzten Moment geretteten Frau waren die letzten Tage um die Welt gegangen.

Während Josefa in einem Krankenhaus in Palma versorgt wurde, erneuerten ihre Retter auf einer Pressekonferenz die schweren Vorwürfe gegen Libyen. Demzufolge soll die libysche Küstenwache das Flüchtlingsschiff versenkt haben, obwohl sich in dem Schlauchboot Josefa und einige weitere Migranten befanden. Eine Anschuldigung, die von einem Sprecher der libyschen Küstenwache zurückgewiesen wurde.

Strafanzeige wegen unterlassener Hilfeleistung

Òscar Camps, der Gründer der spanischen Hilfsorganisation Proactiva Open Arms, teilte mit, dass seine Organisation Strafanzeige gegen Libyens Küstenwache wegen unterlassener Hilfeleistung und fahrlässiger Tötung gestellt habe. Auch Italien trage eine Mitverantwortung, weil das Land seinen internationalen Verpflichtungen bei der Rettung Schiffbrüchiger nicht nachkomme und die Bergung der Migrantenschiffe der libyschen Küstenwache überlasse.

Was genau geschehen ist, scheint freilich bisher noch nicht völlig geklärt. Aus den Aussagen Josefas und ihren spanischen Rettern ergibt sich bisher folgendes Bild: Offenbar geriet das Schlauchboot mit mehr als 100 Menschen an Bord auf halber Strecke zwischen Libyen und der italienischen Insel Lampedusa in Seenot. Ein Frachter informierte Libyens Küstenwache, die ein ­Patrouillenschiff schickte.

Die Libyer holten die meisten Flüchtlinge an Bord des Patrouillenschiffes, um die Menschen wie gewöhnlich zurück nach Libyen zu transportieren. Nur Josefa und weitere Migranten wollten das Schiff nicht besteigen. Offenbar aus Angst, wieder in das Bürgerkriegsland Libyen und dort in eines der berüchtigten Flüchtlingscamps gebracht zu werden. Daraufhin, so der Vorwurf, hätten die Libyer das Flüchtlingsschiff zerstört und die dort verbliebenen Migranten ihrem Schicksal überlassen.

Zusammen mit Josefa waren in diesem Moment noch mindestens zwei weitere Menschen an Bord des Gummiboots: eine Frau und ein kleiner Junge, vermutlich Mutter und Kind, deren Leichen ebenfalls von der «Open Arms» geborgen und nach Mallorca gebracht wurden. Beim Rettungseinsatz dabei war der spanische Basketball-Weltstar Marc Gasol. Dieser nannte das Vorgehen der Libyer «unmenschlich» und «kriminell». Und er ist sich sicher: «Wenn wir 15 oder 20 Minuten später gekommen wären, dann wäre Josefa jetzt tot.»

Fast 1000 Migranten allein am Wochenende

Über Josefa, die unter Schock steht und ihren Rettern bisher nur Bruchstücke erzählen konnte, weiss man bisher wenig: Die Frau war offenbar mit dem Flüchtlingsschiff, das von Libyen ablegte, zwei Tage unterwegs ¬– bevor der Kahn in Seenot geriet. «Ich bin aus meinem Land geflohen, weil mich mein Ehemann schlug. Er schlug mich, weil ich keine Kinder haben konnte», erzählte Josefa einer italienischen Journalistin, die an Bord der «Open Arms» mitreiste.

Am Wochenende kamen in Spanien, das mittlerweile Italien als Hauptzielland der Migrantenboote abgelöst hat, erneut annähernd 1000 Menschen an. Seit Jahresanfang wurden an der südspanischen Küste bereits ­nahezu 20000 Migranten und Flüchtlinge registriert – drei Mal so viel wie im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

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