Ein Papst, der auch mal Regeln biegt

Elmar Mäder lebte als Kommandant der Schweizergarde nahe bei Papst Benedikt XVI. Der Pontifex taufte gar den Sohn des St. Gallers.

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Spezieller Moment: Der Sohn von Elmar Mäder wird 2007 vom Papst getauft. (Bild: Servizio Fotografico dell' Osservatore Romano)

Spezieller Moment: Der Sohn von Elmar Mäder wird 2007 vom Papst getauft. (Bild: Servizio Fotografico dell' Osservatore Romano)

Als «bescheidenen Menschen» und «hochintelligent» bezeichnet Elmar Mäder Papst Benedikt XVI. Er muss es wissen. Kaum jemand kam dem Papst so nahe wie der ehemalige Kommandant der Schweizergarde. Elmar Mäder, 1963 in Henau geboren und in Zuzwil aufgewachsen, trat 1998 in den Dienst des Vatikans. Der damalige Papst Johannes Paul II. ernannte ihn zum Vizekommandanten der Schweizergarde. Vier Jahre später wurde er Kommandant. Ab 2005 diente er drei Jahre unter Papst Benedikt XVI.

Trotz dieser zwischenzeitlichen Nähe zum Papst wurde auch Mäder vom Rücktritt überrascht: «Ich staune, aber es ist ein Entscheid, der zu ihm passt. Er ist kaum dazu gezwungen worden.» Für Mäder ist Benedikts Schritt auch ein «gutes Zeichen in unserer Zeit». «In unserer Gesellschaft kann man nur schwer verstehen, wenn ein Mensch noch mit über 80 Jahren in so einem Amt bleiben muss.»

Keine Berührungsängste

Papst Benedikt XVI. war für Mäder nach dem Tod von Johannes Paul II. kein Unbekannter. «Schon früher hatten wir in der Schweizergarde regelmässig Kontakt mit Kardinal Joseph Ratzinger. Er hatte sein Büro in der Nähe des Postens der Garde. Und viele neue Gardisten waren froh, wenn sie zwischendurch mit jemandem ein paar Worte auf Deutsch wechseln konnten», sagt Mäder. Ratzinger habe nie Berührungsängste gehabt.

Nach dem Tod Johannes Pauls II. stand für Mäder nie zur Diskussion, unter dem nächsten Papst nicht mehr weiterzudienen. «Das wäre ein eher schlechter Zeitpunkt für einen Rücktritt gewesen. Und natürlich will man sich beim neuen Papst wieder einbringen», sagt der ehemalige Kommandant der Schweizergarde.

Theologischer Dogmatiker

Mit Papst Benedikt XVI. wehte ab 2005 ein neuer Wind im Vatikan. Mäder spricht von zwei unterschiedlichen Charismen: «Johannes Paul war in erster Linie ein Philosoph. Er hatte nie Mühe, eine Brücke zu Andersdenkenden zu schlagen. Benedikt ist ein anderer Typ Papst. Er ist ein theologischer Dogmatiker. Das hat auch sein Bild in der Öffentlichkeit geprägt. Privat überzeugt er aber durch tiefe Themenkenntnisse und geht keiner Diskussion aus dem Weg.»

Mäder erinnert sich gerne an den Januar 2007 zurück. Damals wurde sein viertes Kind in der Sixtinischen Kapelle von Papst Benedikt XVI. getauft. «Normalerweise lässt man ein Kind in den ersten drei Monaten taufen. Auf Wunsch des Papstes haben wir diese Regel ein bisschen gebogen, und so konnte mein Sohn Damian das Sakrament der Taufe direkt von ihm empfangen», sagt Mäder.

Der Übergang von Kardinal Ratzinger zu Papst Benedikt war laut Mäder fliessend – zumindest als Mensch. «Er hatte keine Allüren, war ein zugänglicher Mensch», sagt der St. Galler. Allerdings zeigte er auch kaum Bewegung: «Ich hätte mir gewünscht, dass er bei der Auswahl seiner Berater mehr gewagt hätte.» Alles sei «in einem engen Kreis geblieben». Dadurch, dass er in einem hohen Alter Papst geworden sei, habe er verständlicherweise Berater aus dem angestammten Umfeld gewählt.

Kein Hardliner

Dennoch gibt es auch Unterschiede zwischen der Person Ratzinger und Papst Benedikt XVI. «Als er bereits Papst war, veröffentlichte er ein Buch als Joseph Ratzinger. Gewisse Leute waren dadurch irritiert», sagt Mäder. Für ihn ist es jedoch ein klares Zeichen, dass es neben der Person, die das Amt des Papstes füllt, auch eine private Person gibt, die Ansichten vertritt, die nicht Lehrmeinung sind. «Seine Positionen sind nie in Stein gemeisselt. Sobald es aber um seine Funktion als Papst geht, steht er strikt für die Ansichten der Kirche», sagt er.

Als Hardliner würde Mäder Papst Benedikt nicht bezeichnen: «Er ist ein Anwalt des Glaubens. Das ist schliesslich seine Aufgabe.» René Rödiger