Ein Milliardär gründet in Österreich eine neue Partei

Ein 80jähriger Milliardär präsentiert sich als Österreichs neue Zukunftshoffnung: Gestern stellte Frank Stronach in Wien seine neue Partei mit der Botschaft vor: «Ich will Österreich verändern.»

Rudolf Gruber
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Frank Stronach (Bild: epa)

Frank Stronach (Bild: epa)

WIEN. «Team Stronach» heisst die neue Partei des vor 15 Jahren heimgekehrten Austro-Kanadiers und Gründers des weltweit aktiven Autozulieferer-Konzerns Magna International. Stronach will bei der Parlamentswahl 2013 kandidieren, Umfragen trauen ihm mehr als zehn Prozent der Stimmen zu. Namentlich den Rechtsparteien FPÖ und BZÖ sowie der konservativen ÖVP könnte er Stimmen wegnehmen.

Auch hat Stronach das Boulevardblatt «Kronen Zeitung» hinter sich, das ihm einen «Senkrechtstart» bescheinigt und ihm bis zu 17 Prozent verspricht. Laut Medienberichten will sich der Multimilliardär den Wahlkampf bis zu 100 Millionen Euro kosten lassen. 2010 hatte er sich aus dem Konzern zurückgezogen, seine Nachfolger im Magna-Vorstand wollen aber die politischen Pläne ihres Patriarchen nicht kommentieren.

Das Team ist Stronach selbst

Von einem Team sahen gestern die 150 Journalisten in der Orangerie des Schlosses Schönbrunn, der Sommerresidenz der Habsburger Kaiser, aber nichts. Stattdessen einen Selbstdarsteller mit der Aura eines Konzern-Patriarchen, dem man trotz demonstrativer Sanftheit ansieht, dass er allein das Team ist. Das bestätigt er selbst – «Wer das Gold hat, bestimmt die Regeln» –, das bestätigen auch die Parteistatuten: «Die Partei wird nach aussen vom Obmann alleine vertreten.» Und in innerparteilichen Pattsituationen hat Stronach das letzte Wort.

Er führte den Medienleuten ein Kampagnenvideo vor, das seinen Lebensweg nachzeichnet und auch zeigt, welch illustre Freunde er hat. Dazu zählen vor allem Ex-US-Präsident Bill Clinton und die CNN-Legende Larry King, die beide den gebürtigen Steirer hymnisch loben, weil er es in Amerika vom Werkzeugmacherlehrling zu einem «der besten Manager der Welt» gebracht habe.

Doch bekam der Glorienschein schon erste Kratzer. In einem TV-Interview konnte Stronach auf die Frage, ob er schon genügend parlamentarische Überläufer für eine Fraktion beisammen habe, nicht einmal deren Namen nennen. Es sind aber auch Hinterbänkler. Prominentere Persönlichkeiten, die er gerne an seiner Seite gehabt hätte, blieben wegen seiner gebieterischen Art und seinen krausen Reformideen auf Distanz.

Noch kein Programm

Auch ist Stronach nicht gerade ein zündender Wahlkampfredner: Die Medienleute quälte er gestern mit einer fast einstündigen, konfus vorgetragenen Stegreifpredigt. Mal präsentierte er sich als eine Art Grossvater der Nation, der sich mit 80 Jahren das politische Geschäft nur deshalb antue, weil er sich «grosse Sorgen um Österreich» mache; mal wie ein Guru, der Sinnsuchenden den Weg weist: «Ich gehe gern in den Wald, setze mich auf einen Baumstumpf und denke über eine ideale Gesellschaft nach.» Dazwischen sagte er politische Plattheiten auf. Ein Programm hat Stronach nicht, das will er gemeinsam mit seinem «Team» erst im April präsentieren. Vorerst besteht es aus drei Worten: «Wirtschaft, Wirtschaft, Wirtschaft.» Die «ökonomische Freiheit des Einzelnen» stelle er über alles.

Ob seine Voraussage wahr werden wird? Der 27. September, der Gründungstag seiner Partei, «wird in die Geschichte Österreichs eingehen und er wird auch in die Geschichte der Welt eingehen».