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Ein Hauch von Mandela

Wirtschaftskrise, Korruption, Arbeitslosigkeit: In Südafrika drohen viele Brandherde in einen Flächenbrand auszuarten. Präsident Cyril Ramaphosa spielt den Feuerwehrmann. Doch er scheint weitgehend allein bei der Mission.
Markus Schönherr, Kapstadt
Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa ist seit 100 Tagen im Amt. (Bild: EPA (Johannesburg, 2. April 2018))

Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa ist seit 100 Tagen im Amt. (Bild: EPA (Johannesburg, 2. April 2018))

Cyril Ramaphosa lacht von der ­Titelseite des «Mail & Guardian». Hinter ihm geht die Sonne auf, dort wachsen Blumen, Herzen und süsse Küchlein, und ja, weiter vorne galoppiert sogar ein ­Regenbogeneinhorn durchs Bild. Geradezu märchenhaft porträtierte die politische Wochenzeitschrift Südafrikas neuen Präsidenten kurz nach dessen Amtsantritt vergangenen Februar. Das Wort der Stunde lautete «Ramaphoria», ein Hybrid aus Ramaphosas Namen und Euphorie.

Südafrika sei von einem «fröhlichen Virus infiziert», diagnostizierten einige Beobachter nach der Abwahl des korrupten Ex-Staatschefs Jacob Zuma. 100 Tage im Amt, weicht die «Ramaphoria» aber allmählich der Realität. Ramaphosas Bilanz fällt ­bisher gemischt aus. Südafrikas grösstes Entwicklungshindernis ist eine Mischung aus Arbeitslosigkeit, Ungleichheit und Armut. Jeder Vierte hat keinen Job. Die Hälfte der 53 Millionen Südafrikaner lebt unter der Armutsgrenze. Ramaphosa hat diesem wirtschaftlichen Giftcocktail den Kampf angesagt, unter anderem durch die Gründung des «Youth Employment Service» (Y. E. S.): Eine Million Jugendliche sollen durch das Programm in den nächsten drei Jahren bezahlte Praktika erhalten. Darüber hinaus will der Präsident demnächst Gastgeber eines «Jobgipfels» sein, der Politik, Geschäftswelt und mittellose Südafrikaner an einen Tisch bringt.

Imagepflege für den Mann des Volkes

Der Grossteil der Südafrikaner liebt den neuen Präsidenten. Viele sehen ihn als Man des Volkes, und Ramaphosa setzt einiges ­daran, dieses Image zu pflegen: ob er zwischen Johannesburg und Kapstadt in der Economy-Klasse fliegt oder morgens an Kapstadts Uferpromenade entlang joggt. Die Hälfte seines Gehalts will ­Ramaphosa dieses Jahr für wohltätige Zwecke spenden, wie er diese Woche verkündete.

Sein grösster Triumph bleibt allerdings die Tatsache, dass er nicht zu jener korrupten Polit­elite gehörte, die sich unter den Augen von Skandalpräsident Zuma auf Staatskosten selbst bereicherte. Von ihnen muss Ramaphosa sich distanzieren. Das gelang ihm zumindest teilweise: Staatsbetriebe, die zuletzt nur durch Korruptionsfälle und Pleiten für Schlagzeilen sorgten, wie die nationale Fluglinie SAA oder der Energieriese Eskom, haben neue Vorstände erhalten.

Die eigene Partei macht Ramaphosa zu schaffen

Vorsichtiger ist Ramaphosa jedoch, was seinen unmittelbaren Kreis betrifft: Den umstrittenen Politiker David Mabuza bekam er vom regierenden ANC als Vize vorgesetzt, und auch Zumas Ex-Frau Nkosazana Dlamini-Zuma erhielt nach ihrer gescheiterten Präsidentschaftskandidatur einen Ministerposten. Ramaphosa muss Kompromisse eingehen: Er ist nicht nur Staatschef, sondern auch Präsident einer zerstrittenen Partei, die 24 Jahre nach Nelson Mandelas Angelobung zu zerreissen droht. Mit Blick auf die Wahlen 2019 versucht Ramaphosa, Ewiggestrige und Progressive im ANC zu vereinen. Doch Organisationen wie Corruption Watch kritisieren, dass korrupte Politiker dadurch heute in höchsten Ämtern der Regierungspartei sitzen.

In Ramaphosas ersten 100 Amtstagen wurde deutlich, warum Nobelpreisträger Mandela ihn als seinen politischen Ziehsohn wählte. Er galt schon während seiner Vizepräsidentschaft als «Mr. Fix-it», der die Krisen des Landes selbst anpackt. Den Commonwealth-Gipfel verliess Ramaphosa überstürzt, um eine plündernde Wutmenge bei Protesten in der Provinz Nordwest zu beschwichtigen. Jetzt wäre es an der Zeit für ihn, auch in der eigenen Partei die Oberhand zu gewinnen. Dort ist die «Ramaphoria» offenbar noch nicht angekommen.

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