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Wahl in Kolumbien: Ein aalglatter Technokrat als Präsident

Iván Duque gewinnt die Stichwahl zum höchsten Amt seines Landes. Mit dem erst 41-Jährigen kommt ein Mann an die Macht, der vielerorts als neoliberale Marionette des erzkonservativen Ex-Präsidenten Alvaro Uribe gilt.
Sandra Weiss, Puebla
Iván Duque präsentiert sich am Sonntagabend seinen Anhängern in Bogotá. (Bild: Fernando Vergara/AP (17. Juni 2018)

Iván Duque präsentiert sich am Sonntagabend seinen Anhängern in Bogotá. (Bild: Fernando Vergara/AP (17. Juni 2018)

Sein jungenhaftes Gesicht und sein grauer Haarschopf stehen bei Iván Duque in krassem Kontrast. Kolumbiens neuer und mit 41 Jahren bislang jüngster Präsident färbe sich die Haare, um reifer zu wirken, sagen seine Gegner. Was Duques Friseur öffentlich bestritt. In der Tat braucht der neue Staatschef nach seiner Wahl am Sonntag nun viel Besonnenheit, um das polarisierte, südamerikanische Land in den kommenden Jahren durch die Wirren der Nachkriegszeit zu manövrieren.

Welchen Kurs Duque, ein konservativer Anwalt und Ex-Senator, dabei genau segeln wird, beliess er bisher im Dunkeln. Doch sein politischer Mentor, der erzkonservative Ex-Präsident Alvaro Uribe, ist ein bekennender Saboteur des Friedensvertrags, der ihm zufolge viel zu nachsichtig ist mit der linken Guerilla Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens (Farc). Weshalb er zentrale Punkte wie deren politisches Mitwirkungsrecht und die Spezialbehandlung vor Sondergerichten wieder abschaffen will.

Der vorgeschobene Sonnyboy

«Iván Duque ist aalglatt, jemand ohne Ausrutscher, nie hat ihn das Leben wirklich auf die Probe gestellt», sagt ein Journalistenkollege über ihn. Uribe der Wadenbeisser, Duque der vorgeschobene Sunnyboy ohne eigenes Profil, so interpretieren andere die Konstellation. So ähnlich war es schon mit dem aktuellen Präsidenten Juan Manuel Santos geplant, der einst Verteidigungsminister unter Uribe war, mit dessen Segen antrat und einmal im höchsten Amt seinem Mentor den Rücken kehrte und den Frieden mit den Farc aushandelte. Dass mit Duque so etwas noch einmal passiert, ist wenig wahrscheinlich.

Der etwas untersetzte Duque gilt als umgänglich und entstammt einer alteingesessenen, gutsituierten Familie. Sein Vater war Bergbauminister und Gouverneur und hatte immer schon eine politische Karriere für seinen Lieblingssohn im Blick. Der Sprössling besuchte eine Eliteschule in Bogotá, spielte aber lieber Bassgitarre in einer Rockband und wollte Fussballer werden. Das Abitur war mittelmässig, es reichte nur zum Jurastudium an der Uni eines Freundes seines Vaters. Danach ging er ins Ausland, um an einer US-Provinzuni einen Master-Abschluss draufzusatteln.

Als neoliberaler Scharfmacher profiliert

Er begann als Berater in der Stiftung des scheidenden Präsidenten Santos, um dann jedoch das Land in Richtung Washington zu verlassen und als Berater für die UNO und für die Interamerikanische Entwicklungsbank (BID) zu arbeiten. Bei der BID stieg der joviale Musikfan und Hobbyzauberer auf zum Chef der Kulturabteilung. Bis heute verficht er Kultur und Kreativität als wichtige Grundlagen für Wirtschaft und Gesellschaft eines Landes. Er gilt ausserdem als pragmatischer Wirtschaftsliberaler und Bewunderer der USA.

Als Uribe ihn vor vier Jahren auf die Senatsliste setzte, kehrte Duque in die Heimat zurück und profilierte sich im Senat als neoliberaler Scharfmacher und Kritiker von Santos, und gewann so Uribes Anerkennung. Seine Kollegen schätzen ihn als intelligent und diszipliniert.

Hälfte der Regierung sollen Frauen sein

Vier Gesetze tragen seine Handschrift, darunter so populäre wie die Ausweitung des Mutterschaftsurlaubs. Trotzdem war er nur die dritte Wahl für die Präsidentschaft, doch weil alle anderen Bewerber Korruptionsprozesse am Hals hatten oder unpopulär waren, fiel die Wahl schliesslich auf ihn. Vor allem seine Brandreden gegen Bürokratie und Korruption im Staatsapparat fielen in der Bevölkerung auf fruchtbaren Boden. Sein jugendliches Image mit Jeans und legeren Sakkos kommt ebenfalls gut an, kontrastiert aber mit den sehr konservativen Ansichten des dreifachen Familienvaters zu Abtreibung, Homo-Ehe und Drogenlegalisierung.

Besonders bei der weiblichen Wählerschaft punktet Duque mit seiner galanten Art und seinen improvisierten Gesangseinlagen. Die Hälfte seiner Regierung werden Frauen sein, hat er versprochen, und der Grossteil sogar unter 45 Jahre. Viele Kolumbianer sehen ihn als unreife Marionette Alvaro Uribes, der als Fraktionsführer im Senat die Fäden ziehen wird. Iván Duque behauptet, er habe einen eigenen Kopf und sei Kolumbiens Emmanuel Macron. Für den Kolumnisten Francisco Miranda ist er hingegen die Idealbesetzung für eine geliftete Neuauflage des Uribismus.

Duque gewinnt mit knapp 54 Prozent der Stimmen

Der konservative Kandidat Iván Duque hat die Präsidentenwahl mit 53,95 Prozent der Stimmen gewonnen. Er setzte sich gegen seinen Konkurrenten Gustavo Petro von der linken Bewegung Colombia Humana durch, der 41,83 Prozent erhielt. Rund 4 Prozent haben einen unausgefüllten Wahlzettel in die Urne gelegt. Die Wahlbeteiligung lag bei 52,18 Prozent.

Duque folgt damit auf Staatschef Juan Manuel Santos. Bei der Abstimmung ging es nicht nur um die Wahl eines neuen Präsidenten, sondern auch um die Zukunft des Friedensabkommens mit der linken Guerillabewegung Farc. Vor eineinhalb Jahren legten Regierung und Rebellen den seit Jahrzehnten andauernden Bürgerkrieg mit über 220000 Toten bei. Duque will das Abkommen abändern und könnte die Ex-Rebellen damit zurück in den Untergrund treiben. Petro räumte seine Niederlage ein und kündigte an, sich gegen grundlegende Änderungen am Friedensabkommen zu stellen. (sda)

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