EIER-SKANDAL: Ermittlungen auch gegen deutsche Landwirte im Fipronil-Skandal

Im Skandal um mit dem Insektizid Fipronil belastete Eier wird nun auch die deutsche Justiz aktiv. Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Oldenburg erklärte am Montag, dass Ermittlungsverfahren gegen niedersächsische Landwirte eingeleitet worden seien. Es gehe um den Verdacht, gegen das Lebensmittel- und Futtermittelgesetz verstossen zu haben.

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Die Suche nach mit dem Insektengift Fipronil belasteten Eiern läuft auch in Nordrhein-Westfalen weiter auf Hochtouren. (Bild: A4691/_MARCEL KUSCH (DPA dpa))

Die Suche nach mit dem Insektengift Fipronil belasteten Eiern läuft auch in Nordrhein-Westfalen weiter auf Hochtouren. (Bild: A4691/_MARCEL KUSCH (DPA dpa))

Die Ermittlungen befänden sich noch «im Anfangsstadium», erklärte die Sprecherin. Sie richteten sich gegen Verantwortliche derjenigen Betriebe, die positiv auf das Insektizid getestet worden seien. Medienberichten zufolge sollen drei Betriebe in der Grafschaft Bentheim sowie ein Legehennenbetrieb im Landkreis Leer im Visier der Ermittler sein.

Auch bei in die Schweiz gelieferten Eiern sind Rückstände von Fipronil gefunden worden, wie das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) schon am Freitag mitgeteilt hatte. Gefunden wurden die Belastungen in Importeiern, die der Grossverteiler Migros in seiner M-Budget-Linie verkauft.

Vorsorglich zog die Migros betroffene Eier mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum bis 26. August sofort zurück. Auch Coop hat vorsorglich importierte Eier, die unter der Marke Prix-Garantie angeboten werden, für den Verkauf gesperrt. Der Discounter Aldi nahm ebenfalls vorsorglich alle Importeier aus den Regalen.

Am Montag teilte der Discounter Denner mit, im Zusammenhang mit möglichen Belastungen durch Fipronil verkaufte Importeier vorsorglich zurückzunehmen. Betroffen seien Zehner- und 15-er-Packungen mit Eiern mit einem Gewicht von 52 respektive 53 Gramm, aus Freiland- und aus Bodenhaltung.

Ermittlungen in Belgien und Niederlanden

Das Schädlingsbekämpfungsmittel Fipronil war zuerst in Eiern aus Belgien und den Niederlanden nachgewiesen worden. Die dortigen Behörden nahmen bereits Ermittlungen auf. Mindestens zehn Millionen kontaminierte Eier aus den Niederlanden wurden nach Angaben des deutsche Landwirtschaftsministeriums nach Deutschland geliefert, ein Teil davon gelangte in den Handel.

Auch in einigen deutschen Legehennen-Betrieben wurde Fipronil festgestellt. Die in der Nutztierhaltung verbotene Chemikalie gelangte offenbar als Zusatz in einem Desinfektionsmittel in die Betriebe. Eine belgische Firma steht im Verdacht, dem Mittel zur Stallreinigung unerlaubt Fipronil beigemischt zu haben.

Die belgische Lebensmittelsicherheitsbehörde wusste schon im Juni von den Fipronil-Funden, ohne andere EU-Länder zu informieren. Belgiens Landwirtschaftsminister Denis Ducarme forderte bei der Behörde am Montag einen Bericht über ihr Vorgehen an, um für «vollständige Transparenz» zu sorgen.

Geringe Gefahr

Beim Menschen kann Fipronil in höheren Dosen zu Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen führen. Die von den belasteten Eiern ausgehenden Gefahren für Konsumenten sind laut dem deutschen Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) allerdings gering.

Gemessen am bislang höchsten in Belgien festgestellten Wert von 1,2 Milligramm Fipronil pro Kilogramm Ei könnte dem BfR zufolge ein Erwachsener mit 65 Kilogramm Körpergewicht sieben Eier innert 24 Stunden essen, ohne dass der gesundheitliche Richtwert überschritten wird.

Der Verein für kontrollierte alternative Tierhaltungsformen KAT, dem europaweit 2200 Legehennenbetriebe angehören, gab im Fipronil-Skandal unterdessen Entwarnung. «Das Ventil ist zu. Es gelangen keine belasteten Eier mehr frisch in den Handel», sagte der KAT-Vorsitzende Friedrich-Otto Ripke der «Neuen Osnabrücker Zeitung».

Tierschützer in den Niederlanden haben unterdessen gegen die Tötung von mit Fipronil belasteten Hühnern protestiert. Es sei unnötig, die Hühner zu töten, weil das Insektizid innerhalb von vier bis sechs Wochen abgebaut werde.