Ehrung für Antisemiten «aus Versehen»

Ungarns Regierung überhäuft ausgewiesene Antisemiten und Roma-Hasser mit offiziellen Ehren. Jetzt hat sie sich mit einer Preisverleihung blamiert.

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WIEN. Selbst der böseste Satiriker hätte diese Geschichte nicht erfinden können. Am 15. März verlieh die ungarische Regierung dem für seine antisemitischen und rassistischen Ausfälle berüchtigten TV-Moderator Ferenc Szaniszló den Titel «Journalist des Jahres». Eine Woche später wurde der Geehrte vom zuständigen Minister Zoltan Balog brieflich gebeten, den ihm dazu verliehenen Orden wieder zurückzugeben, er sei ihm «aus Versehen» umgehängt worden.

Der wahre Grund: Die Preisverleihung hatte massive Kritik im In- und Ausland ausgelöst. Zwischen Ungarn und Israel kam es einmal mehr zu tiefer Verstimmung. Szaniszlós Moderationen bestehen auch aus antisemitischen Pöbeleien – «Wer will Juden schon in seiner Nähe haben?» Romas bezeichnet er als «Menschenaffen». Zehn Preisträger gaben aus Protest ihre Auszeichnungen zurück.

Wegen Hetze gebüsst

Der für Kulturpolitik zuständige Minister Balog rechtfertigte sich, er habe «wirklich nicht gewusst», wen er da ausgezeichnet habe. Szaniszló ist in Ungarn wegen seiner Auftritte im rechtslastigen «Echo TV» bekannt wie ein Star. Der Minister hätte zumindest wissen müssen, dass der Moderator sogar von der regierungsnahen Medienaufsicht zu einer Busse wegen einer seiner Hetzkommentare verdonnert worden war. Szaniszló sieht sich nun als Opfer «einer Verleumdungskampagne von globalen Kräften, die im Hintergrund gegen mich und ganz Ungarn wirken». Seine Anhänger verstanden die versteckten Anspielungen auf die «jüdische Weltverschwörung».

Kein Einzelfall

Die Groteske um Szaniszló ist kein Einzelfall: Juden- und Roma-Hasser aller Art kommen regelmässig zu öffentlichen Ehren. So zeichnete Minister Balog auch János Petrás, den Sänger der rechtsextremen Rockband «Karpatia», mit dem Goldenen Verdienstkreuz des Landes aus. Die Hauskapelle der faschistischen Partei Jobbik schmäht Zigeuner als «genetischen Abfall». Rudolf Gruber

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