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Interview

Ehemaliger Chefverhandler: «Die Apartheid war ein unwirkliches Regime»

Das Ende der Apartheid verdankt Südafrika zu einem entscheidenden Teil zwei Männern: Gemeinsam verhandelten Cyril Ramaphosa vom Afrikanischen Nationalkongress (ANC) und Roelf ­Meyer von der Nationalen Partei (NP) den Übergang zur Demokratie. Der eine ist heute Präsident, der andere wurde Minister unter Nelson Mandela und berät heute Staaten. Roelf Meyer über die Hintergründe zum Ende der Apartheid. Sie waren Teil des Regimes, das die schwarze Bevölkerung unterdrückte
Markus Schönherr, Kapstadt
Roelf Meyer (71). (Bild: PD)

Roelf Meyer (71). (Bild: PD)

Sie waren Teil des Regimes, das die schwarze Bevölkerung unterdrückte. Was brachte für Sie den Sinneswandel?

Roelf Meyer: Viele in meiner Altersgruppe begannen schon in den 1970er-Jahren zu hinterfragen, wo wir als Land in Sachen Rechtsstaatlichkeit, Rassenpolitik et cetera stehen. Als junger Anwalt in Pretoria erkannte ich zum ersten Mal, dass wir eine Veränderung brauchten. Was damals im Gesetz stand, öffnete mir die Augen, dass wir so nicht leben können, dass es ungerecht ist. Dass der Wandel erst so spät kam, lag daran, dass die Apartheid tief in die Gesellschaft eingebrannt war. Ich war Teil der Reformer in der Nationalen Partei und freute mich, dass wir den Wandel in den 1990er-Jahren endlich umsetzen konnten.

Was war die grösste Hürde?

Unsere grösste Herausforderung war es, die Denkweise der Nation zu verändern. Auch bei heutigen Konflikten sehen wir ganz klar, dass ohne fundamentalen ­Sinneswandel kein anhaltender Frieden möglich ist. Mehrere Faktoren beschleunigten dies damals. Ronald Reagan und Margaret Thatcher waren die letzten Unterstützer des Apartheid-Regimes. Als sie ihre Haltung änderten, wuchs der Druck so sehr an, dass allen klar wurde, ein Umbruch ist unvermeidbar.

Gemeinsam mit Südafrikas heutigem Präsidenten, Cyril Ramaphosa, handelten sie den Fahrplan zu einer demokratischen Regierung aus und schrieben damit Geschichte. Was verbindet Sie miteinander?

Wir haben es als Stellvertreter unserer jeweiligen Partei geschafft, Vertrauen zwischen uns aufzubauen. Das war der springende Punkt, der zum Erfolg der Verhandlungen beitrug. Wir waren direkt involviert und hatten keinen Vermittler zwischen uns, sodass unsere Beziehung zum Schlüssel in dem ganzen Prozess wurde. Wir konnten uns aufeinander ­verlassen. Daraus entwickelte sich später eine Freundschaft, die bis heute hält.

Gibt es aufgrund dieser Freundschaft Demokratie in Südafrika?

Das wäre eine Übertreibung. Aber unsere Beziehung trug dazu bei, dass es zu einer friedlichen Einigung kam.

Wie reagierten Sie, als Ramaphosa 2018 Präsident wurde?

Ich habe gesagt, das ist das Beste, das Südafrika passieren konnte. Schon Nelson Mandela hätte ihn gerne als seinen Nachfolger eingesetzt. Jetzt trat Cyril Ramaphosa sein Amt zu einer Zeit an, zu der wir jemanden wie ihn dringend brauchen. Am Ende der Ära von Ex-Präsident Jacob Zuma war Südafrika praktisch zerstört. Wir brauchten jemanden, der uns an unser anfängliches Streben zurückerinnert.

Jeder zweite Südafrikaner gilt als arm, jeder vierte hat keinen Job. ­ Gibt es da wirklich etwas zu feiern?

Der Jahrestag der ersten demokratischen Wahl wird immer ein Feiertag sein, denn an diesem Tag im Jahr 1994 wurden wir ausnahmslos alle frei. Nicht nur diejenigen, die gegen die Apartheid ankämpften, sondern auch alle, die in diesem System lebten. Die Apartheid war ein unwirkliches System, und an diesem Tag holten wir Südafrika in die Realität zurück. Was Regierungen dann letztendlich mit Staaten anstellen – dafür kann man weder die Verfassung noch die Demokratie an sich verantwortlich machen.

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