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DUBLIN: Abtreiben bis zur zwölften Woche

In Irland dürfen Frauen ihre Schwangerschaft nur bei Lebensgefahr abbrechen. Jetzt will die Regierung die strengen Regeln lockern. Das letzte Wort im katholischen Land hat das Volk.
Jochen Wittmann, London
Schon die erste Lockerung des Abtreibungsgesetzes mobilisierte die Iren für Kundgebungen. (Bild: Michael Debets/Alamy (Dublin, 6. Juli 2013))

Schon die erste Lockerung des Abtreibungsgesetzes mobilisierte die Iren für Kundgebungen. (Bild: Michael Debets/Alamy (Dublin, 6. Juli 2013))

Jochen Wittmann, London

Nach einer vierstündigen Sitzung hat sich die Regierung schliesslich einigen können. Die Iren werden die Chance erhalten, erklärte der Premierminister Leo Varadkar am späten Montagabend, über die Liberalisierung der Abtreibung an der Urne zu entscheiden. «Wir wissen, dass viele Frauen Abtreibungspillen per Post erhalten, um ihre Schwangerschaften zu beenden», schrieb Varadkar auf Twitter. «Es gibt Abtreibung in Irland, aber sie ist nicht sicher, nicht geregelt und ­illegal.» Der Termin für die Volksabstimmung soll in den nächsten Wochen festgelegt werden. In Frage kommt der Monat Mai, noch rechtzeitig vor dem Staatsbesuch von Papst Franziskus, der im August erwartet wird.

Das derzeit geltende weitgehende Abtreibungsverbot steht im traditionell zutiefst katholischen Land in der Verfassung. Der Schutz des ungeborenen Lebens ist garantiert. Erst im Jahre 2013 kam es zu einer teilweisen Lockerung. Seither darf bei Lebensgefahr der Mutter ein Schwangerschaftsabbruch stattfinden. Unter allen anderen Umständen blieb eine Abtreibung weiterhin illegal, auch in Vergewaltigungsfällen oder bei einer tödlichen Missbildung des Fötus.

Am Ursprung der ersten Lockerung steht der tragische Tod von Savita Halappanavar. Die ­indische Zahnärztin war in der 17. Woche schwanger, als sie Ende Oktober 2012 ins Universitäts­spital der Stadt Galway eingeliefert wurde. Die Ärzte diagnostizierten eine beginnende Fehl­geburt. Der Muttermund war voll geöffnet, das Baby nicht mehr zu retten. Savita bat um einen Schwangerschaftsabbruch. Das sei nicht möglich, sagte man ihr, solange der Fötus noch am Leben sei. Drei Tage lang dauerte es, bevor das Herz des Babys aufhörte zu schlagen. Erst dann starteten die Ärzte eine Operation – als die Mutter schon an einer Blutvergiftung litt. Savita Halappanavar verstarb aufgrund mehrfachen Organversagens. «Dies ist ein katholisches Land», hatte man ihr gesagt. Der öffentliche Aufschrei über ihr Schicksal zwang die Politiker zum Handeln.

Mehrheit ist für eine Lockerung

Der nächste Liberalisierungsschritt soll weitergehen. In der Abstimmung werden die Iren ­darüber entscheiden, ob ein Schwangerschaftsabbruch bis zur zwölften Woche erlaubt sein soll. Laut einer aktuellen Umfrage sprechen sich 56 Prozent der Iren für diese Lösung aus, 29 Prozent lehnen sie ab.

Trotz des klaren Umfrageergebnisses dürfte im Abstimmungskampf leidenschaftlich gestritten werden. Bei der Gesetzesänderung 2013 protestierten Befürworter und Gegner auf der Strasse. Premierminister Leo Varadkar will für die Liberalisierung kämpfen. «Ich weiss», sagte er, «dass dies eine schwierige Entscheidung für das irische Volk sein wird. Für die meisten von uns ist es keine Frage von Schwarz und Weiss, sondern von Grau. Wenn die Liberalisierung bewilligt wird, und ich gehe davon aus, bedeutet das, dass unser Land erwachsen geworden ist.»

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