DSCHIBUTI: Chinas Militär setzt einen Fuss auf Afrika

Westlichen Militärmächten gilt der ostafrikanische Kleinstaat längst als ein unverzichtbarer Aussenposten für ihre globalen Sicherheitsinteressen. Nun wird das Land auch den ersten chinesischen Militärstützpunkt in Afrika beherbergen.

Walter Brehm
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Walter Brehm

Ein Kleinstaat in Ostafrika. Etwas grösser als die halbe Schweiz, ist Dschibuti die Heimat von etwa 900 000 Einwohnern. Nutzfläche ist rar. Die 23 200 Quadratkilometer sind primär Wüstensand. Doch das Territorium ist international gefragt. Tim Walker vom «Institut for Security Studies» in Johannesburg erklärt, warum: «Dschibuti bietet internationalen Armeen einen dauerhaften Standort, um ihre Macht auf dem afrikanischen Kontinent zu demonstrieren und ihre Sicherheits- und Wirtschaftsinteressen zu wahren.» Dazu gehört auch der Kampf gegen den Dschihad-Terrorismus in der Sahelzone, am Horn von Afrika und im kaum 30 Kilometer über Meer entfernten Jemen. Dschibuti liegt dafür günstig: am Schnittpunkt zwischen Europa, Afrika, dem Nahen Osten und Asien.

Bedenken der USA ignoriert

Vier westliche Staaten – die USA, Frankreich, Italien und Spanien – haben zum Teil seit Jahrzehnten feste Militärstützpunkte in Dschibuti. Im Rahmen des internationalen Kampfes gegen die Piraterie ist Japan dazugekommen. Nun richtet sich der Kleinstaat darauf ein, dass zwei neue Pachtverträge seine Staatskasse weiter füllen. Auch China errichtet seinen ersten Militärstützpunkt in Afrika. Saudi-Arabien tut Selbiges. Insgesamt sind dann über 20 000 Quadratkilometer Dschibuti – etwa die Fläche von Israel – an ausländische Mächte verpachtet. Die chinesische Basis in unmittelbarer Nachbarschaft zum «Camp Lemonnier», einem der wichtigsten und grössten ausländischen Militärstützpunkte der USA, befindet sich nun im Aufbau. Im Spätsommer soll der neue Nachbar keine fünf Kilometer vom Afrikakommando Washingtons in Betrieb gehen. Dessen Kommandant, Marinegeneral Thomas Waldhauser, hat sich vor kurzem mit Ismail Omar Guelle getroffen, dem Präsidenten Dschibutis, um ihm Bedenken der USA bezüglich Chinas vorzutragen: «Ich habe mit dem Präsidenten über Dinge, die uns wichtig sind und darüber, was die Chinesen an diesem Ort nicht tun sollten, gesprochen», so Waldhauser nach dem Treffen.

Der Grossinvestor China und sein politischer Preis

Guelle dürfte dem US-General freundlich zugehört, aber auch an den Nutzen gedacht haben, den er aus dem chinesischen Engagement ziehen kann. Pekings Stützpunkt soll demnach Teil eines grossen chinesischen Hafenprojekts in Dschibuti sein. Zudem soll die «Chinese Merchants Group», ein in Hongkong ansässiger Mischkonzern, bereits im vergangenen November eine 400-Millionen-Investition für die Entwicklung einer Freihandelszone angekündigt haben. Ein weiteres von China realisiertes Entwicklungsprojekt ist im Oktober vergangenen Jahres realisiert worden: die neue Eisenbahnstrecke zwischen Dschibuti und der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba. Mit der Bahn legt man die 750 Kilometer lange Strecke in zehn Stunden zurück. Auf der schlecht gewarteten Strasse voller Schlaglöcher dauert es mindestens zwei Tage. Finanziert hat die etwa drei Milliarden Dollar teure Bahn die chinesische Exim-Bank, gebaut haben sie «China Railway» und eine chinesische Ingenieurfirma. Für die nächsten fünf Jahre warten chinesische Techniker die Strecke, chinesische Kontrolleure prüfen die Tickets.

Das ist mehr als westliche Militärmächte bieten, und dafür fordert China einen politischen Preis. Russland hatte in Dschibuti ebenfalls die Möglichkeit eines Stützpunktes ausgelotet. Dagegen hatten US-Bedenken bei Guelle wohl ein offenes Ohr gefunden. Es fehlten wohl von Moskau in Aussicht gestellte Boni.