Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

DROHUNGEN: «Ein Krieg bedeutete für Kim das Ende»

Politikwissenschafter Oliver Thränert über die aktuelle Eskalationsgefahr.
Urs Bader

Urs Bader

Oliver Thränert, wie gefährlich ist die Lage gerade im Konflikt mit Nordkorea? Muss nächstens mit einem Angriff von den USA oder von Nordkorea gerechnet werden?

Nein, beide Seiten wollen keinen Krieg. Nordkoreas Kim Jong Un weiss, dass er eine militärische Konfrontation mit den USA meiden muss, weil sein Regime diese nicht überleben würde. Und auch US-Präsident Donald Trump weiss, dass er grosse Verluste hinnehmen müsste – wohl kaum auf dem amerikanischen Festland, aber bei seinen Alliierten Südkorea und möglicherweise auch Japan. Und man darf auch nicht vergessen, dass in Südkorea 30000 US-Soldaten stationiert sind. Grosse Verluste würden seine Reputation nochmals massiv schwächen. Aber wir haben in der Vergangenheit gesehen, dass sich Staatenlenker durch übertriebene Rhetorik in eine Krise hineingeritten haben, statt sie bewusst zu deeskalieren. Insofern besteht durchaus die Gefahr, dass der Konflikt aus dem Ruder laufen könnte.

Wieso eskaliert der Krieg der Worte gerade jetzt in furchterregender Weise? Was sind Trumps Motive, was jene vom Kim Jong Un?

Auf nordkoreanischer Seite dürfte dies damit zusammenhängen, dass sich das Land immer näher an die Fähigkeit heranarbeitet, Atomsprengköpfe Richtung USA transportieren zu können. Darauf weisen neue Erkenntnisse der US-Nachrichtendienste hin. Das ist natürlich für jeden amerikanischen Präsidenten eine grosse Herausforderung. Kommt hinzu, dass Kim Jong Un mit jeder Konfrontation mit den USA, die nicht in eine kriegerische Auseinandersetzung führt, Reputation gewinnen kann, weil er die USA blossstellt. Und er kann damit gewissermassen sein Land als gleichwertig gegenüber den USA aufwerten.

China hält immer noch zu Nordkorea, wenn es auch zunehmend entnervt ist über seinen Nachbarn. Wieso eigentlich?

Tatsächlich könnte China innert kürzester Zeit Nordkorea zwingen, sein Verhalten zu ändern, indem es die Lieferung von Energie, Nahrungsmitteln und anderem einstellt. Und China hat auch überhaupt kein Interesse, dass die Lage eskaliert. Es ist ungehalten darüber, dass Nordkorea das Raketen- und Atomprogramme ungerührt fortsetzt. Auf der anderen Seite hat China aber auch kein Interesse, dass das Kim-Regime zusammenbricht. Denn dann könnte die koreanische Wiedervereinigung folgen mit dem Resultat, dass eines Tages auch amerikanische Soldaten an der Grenze zu China stationiert werden könnten. China steckt also in einem Dilemma.

Was kann die Staatengemeinschaft unternehmen, um den Konflikt mit Nordkorea zu deeskalieren? Das Regime wird sich das Atomprogramm ja kaum verbieten lassen.

Auf Ebene des UNO-Sicherheitsrates bestehen zurzeit kaum mehr grosse Möglichkeiten, durch weitere Sanktionen oder andere Schritte Nordkorea zum Einlenken zu bewegen. Vielmehr müssten die USA und China an einem Strang ziehen und versuchen, mit Nordkorea Verhandlungen zu führen, die zunächst aber nicht öffentlich stattfinden sollten. Die Ausgangslage könnte sein: Nordkorea verzichtet zunächst einmal auf weitere Atom- und Raketentests, im Gegenzug würden Südkorea und die USA von den jährlich stattfindenden gemeinsamen grossen Militärmanövern absehen, die Nordkorea wohl als ziemliche Bedrohung wahrnimmt. Das könnte vielleicht ein Einstieg sein. Eines scheint mir aber ziemlich klar zu sein: Kim Jong Un wird sich sein Atom- und Raketenprogramm nicht wieder komplett wegverhandeln lassen. Das Regime erachtet es als seine Lebensversicherung. Es bleibt also vorläufig nur die Hoffnung, dass es nach und nach gelingen kann, das Regime international etwas einzubinden.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.