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Südafrika: Schweizer Hilfe im Kampf gegen Wilderer

Ob Nashorn, Gürteltier oder Elefant: Wilderer machen im Krüger-Nationalpark Jagd auf alles, was sich später für teures Geld verkaufen lässt. Südafrika hat im Kampf gegen die illegalen Machenschaften aufgerüstet – auch dank Schweizer Hilfe.
Dominik Buholzer
Stramm gestanden: Mit militärischen Methoden werden die Wildhüter auf ihre Aufgaben im Busch vorbereitet. (Bild: Dominik Buholzer)

Stramm gestanden: Mit militärischen Methoden werden die Wildhüter auf ihre Aufgaben im Busch vorbereitet. (Bild: Dominik Buholzer)

Lydia hat grosse Pläne: Sie will Wildhüterin werden. Ihr Herz schlage für die Natur, versichert sie. Das tönt schön und gut. Als Wildhüterin bekommt sie es aber in Südafrika nicht nur mit der ­Natur und den Tieren zu tun, sondern auch mit Wilderern. Ob ihr dies keine Angst bereite, will die Gruppe von Schweizer Journalisten von ihr wissen. «Angst vor Wilderern? Die Wilderer müssen Angst vor mir haben», kontert sie.

An Selbstbewusstsein mangelt es der jungen Frau ganz offensichtlich nicht. Doch ihr steht noch ein beschwerlicher Weg bevor. Zuerst muss sie vor allem einmal das Auswahlverfahren bestehen. Dieses erstreckt sich über fünf Tage, beinhaltet unter anderem tägliche Joggingeinheiten von mehr als zehn Kilometern, Fussmärsche mit Sandsäcken auf dem Rücken sowie wenig Schlaf: Mehr als zwei Stunden am Stück lässt man niemanden ausruhen. Zudem wird den Teilnehmern zu Beginn das Smartphone abgenommen. Das sei schon happig, meint Lydia, betont dann aber: «Ich bin mental stark.»

Mental stark zu sein – das behaupten sie hier alle am Southern African Wildlife College im Kempiana Naturschutzreservat in ­Hoedspruit am Rande des Krüger-Nationalparks. Sie wiederholen die vier Worte schon fast mantramässig. Und wie Lydia streben die meisten Studenten eine Laufbahn als Wildhüter an. Insbesondere bei Frauen ist der Wunsch derzeit besonders gross, wie die Schulleitung versichert. Wer es ans Southern African Wildlife College geschafft hat, darf auch träumen. Die Hochschule im Busch gilt als eine Art Kaderschmiede. Wer hier aufgenommen wird, der verfügt über glänzende berufliche Aussichten, ein besserer Lohn inklusive. Allerdings: Ohne Stipendium können sich nur die wenigsten die Ausbildung leisten.

Schweizer Stiftung spielt wichtige Rolle

An Wohltätern fehlt es indes nicht. Zu den Gönnern gehören Firmen wie die Deutsche Bank, VW, Nestlé, Shell oder Hotelplan Suisse. Letzterer lässt seine Unterstützung über die Stiftung Friends of African Wildlife vom Schweizer Ehepaar Christoph und Bettina Weber zukommen. Die Schweizer Stiftung zählt mittlerweile zu den grössten privaten Gönnern.

Einen Namen gemacht hat sich das College mit seiner Wildhüterausbildung. Diese beinhaltet viel militärischen Drill. Für Rouben de Kock, der den Lehrgang zusammen mit seiner Frau leitet, eine unabdingbare Voraussetzung, um in der Wildnis überhaupt überleben zu können. «Im Busch gibt es keinen Zaun, der dich schützt», sagt der ehemalige Armee-Instruktor. Im Busch müsse man sich auf­einander verlassen können. Das macht auch vor den persönlichen Bedürfnissen nicht halt. Aufs WC geht es konsequent zu zweit – aus Sicherheitsgründen.

««Wenn es nicht das Nashorn ist,
dann steht halt der Elefant auf der Shoppingliste der Wilderer.»

Gefährlich ist es im Busch aber nicht nur wegen der Tiere. Eines der grössten Probleme Südafrikas ist die Wilderei. Angefangen hatte alles vor gut zehn Jahren. 2007 stiessen Wildhüter auf die ersten illegal getöteten Nashörner. 13 Stück waren das. Dann nahmen die Zahlen sprunghaft zu: 2010 waren es 333 getötete Tiere, ein Jahr später bereits 448 und 2012 mehr als 600. 2017 fielen offiziellen Angaben zu Folge 1028 Nashörner den Wilderern zum Opfer. Das sind weniger als im Vorjahr – von einer Trendwende kann aber keine Rede sein. «Wir müssen den Tatsachen ins Auge sehen: Die Zahlen gehen ­zurück, weil es auch weniger Tiere gibt», sagt Pieter Nel, Senior-Instruktor am Southern African Wildlife College. Er hoffe, seine Tochter könne Nashörner noch in der freien Wildnis sehen, wenn sie mal gross sei, erzählt er. Aber gross ist seine Hoffnung nicht: «Ich befürchte, die Nashörner sind verloren.» Zu lukrativ sei der Verkauf des Horns.

Dabei ist die Jagd für die Nationalparks an und für sich nicht schlecht. So widersprüchlich dies sein mag: Wo Löwen, Elefanten und Impalas kontrolliert geschossen werden, hat dies positiven Einfluss auf den Tierbestand. Und den Parks beschert es erst noch wertvolle Einnahmen. Denn Fotosafaris sind kein einträgliches Geschäft für die Parks. Die Lodges müssen in der Regel keine nennenswerten Abgaben entrichten.

Es ist kein Zufall, dass das Problem der Wilderei gerade in Südafrika grassiert. Nirgendwo gibt es mehr Nashörner als am südlichen Zipfel Afrikas. Zwar istder Handel von Nashornprodukten illegal. Aber auf dem Schwarzmarkt blüht das Geschäft. Weil Chinesen, Vietnamesen und Taiwanesen dem Rhinohorn heilsame Wirkung nachsagen, wird für ein Kilogramm aktuell bis zu 80 000 Dollar geboten; die Hörner eines erwachsenen Tieres können je nach Art bis zu sieben Kilogramm wiegen. Hinter der Wilderei stehen asiatische Syndikate, die sich die Orts- und Tierkenntnisse der Bewohner rund um die Naturreservate zu Nutze machen. Zahlreiche Einheimische schlagen sich nur zu gerne auf ihre Seite. Der Grund sind ihre trüben Jobaussichten.

Die Wilderer schrecken vor nichts zurück. Werden sie entdeckt, greifen sie zur Waffe. Martiens Maleba kennt dies nur zu gut. Wenn auf ihn geschossen werde, schiesse er zurück, sagt er. Für drei Wilderer endete dies neulich mit dem Tod. Für Martiens ist dies Teil des Jobs: «Ich mache mir keine Vorwürfe.» Der 25-jährige Martiens hat im Southern African College seine Ausbildung absolviert und ist stolz darauf. Auch er behauptet von sich, mental stark zu sein: «Ich bin ein Soldat der Natur.»

Wildhüter lernen, wie sie sich unsichtbar machen

Aber vor allem ist er auch verschwiegen. Nicht einmal seine Frau darf wissen, wenn er im Busch Jagd auf Wilderer macht. Er hat gelernt abzutauchen. Auch in der Wildnis. «Im Busch sieht mich niemand. Ich gehe unter dem Gras durch», behauptet der junge Mann.

So müssen Wildhüter wohl sein. Denn die Wilderei hat sich wie ein Krebsgeschwür ausgebreitet. Überall hätten die asiatischen Syndikate ihre Leute, sagen sie beim Southern African Wildlife College. Neulich sei am Flughafen von Johannesburg ein Mann aufgeflogen, der 43 Kilogramm Rhinohorn bei sich im Gepäck hatte. Entdeckt wurde dies erst, als er den Flieger betreten wollte. Wie er vorher sämtliche Kontrollen unbehelligt passieren konnte, ist den Behörden ein Rätsel.

Precious (links) und Pleasure mit zwei Spürhunden, welche immer öfters beim Aufstöbern der Wilderer im südafrikanischen Dschungel eingesetzt werden.

Precious (links) und Pleasure mit zwei Spürhunden, welche immer öfters beim Aufstöbern der Wilderer im südafrikanischen Dschungel eingesetzt werden.

Die Wilderer gehen immer raffinierter vor. Letzteres tun aber auch die Wildhüter. Sie setzen bei ihrer Arbeit vermehrt Spürhunde ein. Der Geruchssinn der Hunde ist ein effiziente Waffe im Kampf gegen die illegalen Machenschaften. Zudem kommen die Tiere im Busch schneller vorwärts als Menschen. Der Einsatz von Hunden macht den Wildhütern neuen Mut. Die Erfolgsquote liegt bei weit über 50 Prozent. Gefährlich ist aber auch diese Methode. «Du weisst nicht mehr, wem du trauen kannst», sagt Tina de Flamingh. Die gebürtige Aargauerin, die mit einem Südafrikaner verheiratet ist, hat sich auf die Hundeausbildung spezialisiert. Rund eineinhalb Jahre dauert es, bis ein Tier bereit für den Ernsteinsatz ist. Spätestens mit acht Jahren scheiden die Tiere aus dem Dienst aus. Dann sucht Tina für sie eine private Unterbringung.

Die Wildhüter werden im Kampf gegen die Wilderer immer erfolgreicher. Wird es ihnen gelingen, dem ganzen Treiben ein Ende zu setzen? Was Instruktor Pieter Nel sagt, tönt wenig verheissungsvoll. «Wenn es nicht das Nashorn ist, dann steht halt der Elefant auf der Shoppingliste der Wilderer. Oder dann werden Kinder entführt. Das fängt zum Teil bereits jetzt an», sagt er und fügt an: «Das eigentliche Problem ist das Syndikat. Solange sie Leute finden, die für sie arbeiten, werden wir sie bekämpfen müssen.» Nel wird nicht aufgeben. Ob es nun um den Schutz von Nashörnern, Elefanten oder Kindern geht. Nel und seine Kollegen werden weiterkämpfen.

Hinweis

Die Reise wurde unterstützt von Travelhouse zusammen mit dem Verein Friends of African Wildlife.

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