Drahtzieher bleiben verschont

Neuneinhalb Jahre nach den Massakern an Moslems im indischen Bundesstaat Gujarat sind die ersten Hindus wegen Mords zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

Willi Germund
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DELHI. Es war eines der furchtbarsten Massaker der Unruhen in Gujarat, bei denen im Frühling 2002 rund 3000 Menschen – überwiegend Moslems – getötet wurden: Mitglieder der hinduistischen Landbesitzer-Kaste der Patels hatten im kleinen Dorf Sardarpura 33 ihrer moslemischen Tagelöhner in einem Haus eingesperrt und es angezündet. 17 Frauen, elf Kinder und fünf Männer verbrannten bei lebendigem Leib.

Nun, neuneinhalb Jahre später, verurteilte ein Gericht 31 Angeklagte zu lebenslanger Haft. «Gerechtigkeit», jubelte gestern die indische Boulevardzeitung «Mail Today». Doch der lange Weg zum Schuldspruch war alles andere als einfach.

Persilschein für Regierungschef

Der stellvertretende Dorfvorsteher von Sardarpura bezahlte die lange Wartezeit mit dem Verlust seines Augenlichts. Er war attackiert worden, weil er Opfern geholfen hatte, den Prozess gegen die Mörder in Gang zu bringen. Indiens Supreme Court, die höchste Instanz des Landes, musste 2003, zwölf Monate nach dem blutigen Massaker, eine Sonderkommission ins Leben rufen.

Aber im Urteil gegen die 31 Hindus erteilen die Richter allen Vermutungen eine Absage, bei den Zusammenstössen habe es irgendeine Form von «Verschwörung» hinter den Kulissen gegeben. Die Richter stellten damit dem Ministerpräsidenten von Gujarat, dem rabiaten Hindu-Nationalisten Narendra Modi, einen Persilschein aus, obwohl alle Untersuchungen von unabhängigen Organisationen das Gegenteil nahe legen.

Polizei durfte nicht eingreifen

Danach spielte Modi eine aktive Rolle und hinderte die Polizei am Eingreifen. So konnte der hindu-nationalistische Mob tagelang Jagd auf die moslemische Minderheit des Bundesstaats machen. Zudem behinderten in seinem Auftrag die Behörden von Gujarat die Gerichte an den Ermittlungen.

Die überlebenden Moslems von Sardarpura wagen bis heute nicht, zurückzukehren.