USA

Donald Trump: «Wenn ich übertreibe, habe ich Erfolg»

Der schwerreiche Immobilien-Tycoon Donald Trump unterhält die Amerikaner mit seinem Grossmaul, Frauengeschichten und seinem Reichtum. Nun scheint er ins Weisse Haus zu wollen.

Renzo Ruf, Washington
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«Ich bin eben ein Genie»: Donald Trump über sich selbst. HO

«Ich bin eben ein Genie»: Donald Trump über sich selbst. HO

Komplimente klingen anders. Fällt dieser Tage der Name von Donald Trump, dann kommt die Rede rasch auf P.T. Barnum. Eine «moderne Ausgabe» des berühmten Schaustellers aus dem 19.Jahrhundert sei Trump, sagt David Cadden, ein Managementprofessor an der Quinnipiac University in Connecticut. Barnum wie Trump hätten erkannt, dass ihre Landsleute sich nach Brot und Spielen sehnten.

Barnum soll einst gesagt haben soll: «Die Idioten sterben nicht aus.» Ein solcher Spruch könnte auch Trump über die Lippen kommen. «Ich glaube nicht, dass ich mehr übertreibe als andere Menschen. Wenn ich aber übertreibe, dann habe ich Erfolg», pflegt der mittlerweile 64-jährige Immobilienmagnat, in dritter Ehe mit einem slowenischen Top-Model verheiratet, zu sagen. Und hier noch ein «Trumpismus»: «Ich bin eben ein Genie.»

Konventionen? Trump pfeift auf sie

Selbst seine Kritiker – und solche gibt es wahrlich genug – gestehen ihm dies zu: «The Donald» sei ein Genie. Kein lebender Amerikaner spielt derart gut auf der Klaviatur der Medien. Und niemand hat besser erkannt, dass sich Amerikaner gerne mit den Insignien des Erfolgs schmücken.

Trump begann seine Karriere in den späten Sechzigerjahren in New York als Immobilienhändler, als er
in die Fussstapfen seines Vaters trat. Um Konventionen kümmerte er sich schon damals nicht, er war laut und grell. Und rasch begriff er, dass nicht nur der Verkauf einer Geschäftsliegenschaft umsatzsteigernde Schlagzeilen nach sich zieht, sondern auch der Besuch eines trendigen Restaurants mit einer jungen Frau am Arm.

Heute sei er 7 Milliarden Dollar schwer, behauptet Trump. Das Magazin «Forbes» kam bei seinen Berechnungen auf ein Vermögen von 2,7 Milliarden Dollar, andere Quellen sprechen von einigen hundert Millionen Dollar. Aber so genau weiss das eigentlich niemand. Da Trumps Firmenkonglomerat nicht an der Börse kotiert ist, bleiben die Bücher für Aussenstehende geschlossen.

Bekannt ist nur, dass er sich anfänglich mit hochriskanten Deals in Manhattan oder im Spielerparadies Atlantic City eine goldene Nase verdiente, sich aber immer wieder verschuldete. Die Finanzkrise 2008 schüttelte sein Imperium arg durch: Projekte in Tampa, Dubai und New Orleans mussten schubladisiert wurden. Und Trump Entertainment Resorts, Besitzerin dreier Kasinos in Atlantic City, meldete im Frühjahr 2009 Konkurs an – zum dritten Mal seit der Gründung der Firma.

Heute scheffelt er Geld mit Lizenzgebühren

Darben muss Trump aber trotz solchen Rückschlägen nicht, wie Branchenkenner sagen. Mittlerweile scheffelt er sein Geld vor allem mit Lizenzgebühren, die andere findige Unternehmer mit Trump-Produkten erzielen: Hotels, Geschäftshäusern, Eigentumswohnungen, Golfplätzen, Büchern, Wirtschaftsschulen, Fernsehsendungen, Krawatten und feine Hemden.

Trump wäre nicht Trump, wüsste er nicht, wie man den Profit mit einfachsten Mitteln maximiert. Derzeit liebäugelt er mit einer Kandidatur für das Weisse Haus, zum dritten Mal. Folge: steigende Einnahmen aus dem Lizenzgeschäft und Zuwächse bei den Einschaltquoten seiner Sendung «Celebrity Apprentice». (In der Schweiz wurde ein ähnliches For-
mat vor sechs Jahren unter dem Ti-tel «Traumjob» ausgestrahlt.) Trump sagt, er meine es ernst mit seinen politischen Aspirationen. Und falls er sich im Juni wirklich entscheide, für die amerikanische Präsidentschaft zu kandidieren, werde er seine Bücher öffnen.

P.T. Barnum übrigens starb im Jahr 1891 hoch angesehen – er galt als bekanntester Amerikaner seiner Zeit. Der Sprung in die nationale Politik blieb ihm allerdings versagt.