Donald Trump spielt mit der Atombombe

Wofür Nuklearwaffen besitzen, wenn sie nicht eingesetzt werden? Danach soll sich Donald Trump bei einem Briefing erkundigt haben. Der republikanische Präsidentschaftskandidat bereitet nicht nur amerikanischen Sicherheitsexperten schlaflose Nächte.

Thomas Spang
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Donald Trump US-Präsidentschaftskandidat (Bild: ap)

Donald Trump US-Präsidentschaftskandidat (Bild: ap)

WASHINGTON. Die Frage tauchte bei einem Hintergrund-Briefing für den republikanischen Spitzenkandidaten mit einem international angesehenen Sicherheitsberater auf. Das berichtet der angesehene Fernsehmoderator Joe Scarborough unter Berufung auf den namentlich nicht genannten Experten.

«Frei erfunden» oder wahr?

Während Trumps Wahlkampfteam den Bericht als «frei erfunden» zurückweist, bleibt Scarborough, der früher für die US-Konservativen im Kongress sass, bei seiner Version. Trump habe dreimal hintereinander danach gefragt, «warum können wir die Waffen nicht einsetzen, wenn wir sie schon haben»? Schon in einem Interview vom März dieses Jahres hatte Trump ganz offen zu erkennen gegeben, dass er das Undenkbare für gar nicht so unmöglich hält. Er stellte die rhetorische Frage, warum er auf einen Terroranschlag des IS nicht mit dem Einsatz einer Atombombe reagieren sollte. «Ich würde niemals irgendeine Option vom Tisch nehmen.»

Hillary Clinton brachte die Sorge vieler Experten und Bürger beim Parteitag der Demokraten auf den Punkt, als sie ihre Zuhörer aufforderte, sich Trump während einer echten Krise im «Oval Office» vorzustellen. «Ein Mann, den sie mit einer Twitter-Nachricht provozieren können, ist niemand, dem sie Atomwaffen anvertrauen wollen.»

Kein Veto gegen Präsidenten

Tatsächlich gibt es zwischen dem Präsidenten und dem Einsatz einer Atombombe keine legale Instanz, die ihn daran hindern könnte. «Es gibt kein Veto gegen die Entscheidung eines Präsidenten, wenn dieser den Befehl erteilt hat», erläutert Franklin C. Miller, der bis 2005 über drei Jahrzehnte lang im Weissen Haus und Pentagon an dem Thema gearbeitet hat.

Die genaue Prozedur für den Einsatz des Atomarsenals der USA unterliegt der strikten Geheimhaltung. Mit Gewissheit lässt sich aber sagen, dass der Präsident entgegen verbreiteter Vorstellung nicht einfach einen «roten Knopf» drücken kann. Vielmehr handelt es sich um einen Aktenkoffer, der die genauen Anweisungen, Sicherheitscodes und Identifikationen enthält, die der «Commander-in-Chief» befolgen muss.

Ein mit dem Umgang speziell ausgebildeter Offizier begleitet den Präsidenten auf Schritt und Tritt mit dem «the football» genannten Atom-Koffer, damit der Präsident im Zweifelsfall auch auf Reisen handeln kann. Nach Schätzungen des Atomexperten Hans M. Kristensen von der unabhängigen «Federation of American Scientists» kann ein US-Präsident binnen Minuten 925 Nuklearsprengköpfe auf den Weg schicken, die zusammen die Zerstörungskraft von mehr als 17 000 Hiroshima-Bomben haben. Impulsive Entscheidungen könnten katastrophale Konsequenzen im globalen Massstab haben.

Immer mehr Zweifel

Der ehemalige Nationale Sicherheitsberater Jimmy Carters, Zbigniew Brzezinski, hatte ein Szenario erlebt, das einen kühlen Kopf verlangte. Ein Computerfehler hatte eine Reihe an falschen Alarmmeldungen über einen Atomangriff auf die USA angezeigt. Statt den Präsidenten zu informieren, ging Brzezinski den Informationen mit einer Reihe gezielter Nachfragen auf den Grund und legte den Fehlalarm offen. Dass Trump das richtige Temperament für diese enorme Verantwortung hat, steht mehr denn je in Frage. Von den Ausfällen gegen die Eltern eines gefallenen Kriegshelden, über den Rausschmiss eines Babies aus einer Kundgebung bis hin zu dem öffentlichen Schlagabtausch mit führenden Konservativen hat der Spitzenkandidat seine Partei in Panik versetzt.

Gerüchteküche brodelt

Angesichts eines derzeit zweistelligen Umfrage-Rückstands auf Hillary Clinton werden nun Gerüchte gestreut. Sie reichen von einer bevorstehenden Intervention wohlmeinender Berater, über einen Massenexodus republikanischer Mandatsträger und Funktionäre bis hin zur Ablösung Trumps als Spitzenkandidat. Nach dem Parteistatut können die 168 Mitglieder des «Republican National Committee» aufgrund von Tod, Ablehnung oder «anderen Umständen» entscheiden. Ein unwahrscheinliches Szenario, aber eines, das zeigt, wie blank die Nerven der Republikaner liegen.

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