Donald Trump lässt sich krönen – und keiner geht hin

WASHINGTON. Die beiden noch lebenden Präsidenten der US-Republikaner, George H. W. Bush und Sohn George W., nehmen an der Nominierung Donald Trumps zum Spitzenkandidaten der «Grand Old Party» (GOP) nicht teil.

Thomas Spang
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WASHINGTON. Die beiden noch lebenden Präsidenten der US-Republikaner, George H. W. Bush und Sohn George W., nehmen an der Nominierung Donald Trumps zum Spitzenkandidaten der «Grand Old Party» (GOP) nicht teil. Auch die beiden Bannerträger der Republikaner 2008 und 2012, John McCain und Mitt Romney, bleiben daheim. Ganz zu schweigen von den unterlegenen Konkurrenten um die Nominierung. Besonders peinlich ist dabei die Absage John Kasichs, dem Gouverneur des gastgebenden Bundesstaats Ohio. Er werde nach Cleveland kommen, aber gewiss keinen Fuss in das «Quicken Loan Center» setzen, wo ab Montag der Parteitag der Republikaner stattfindet.

Einen Korb holte sich Trump auch von den wenigen Grössen in der Partei, die nicht weiss und männlich sind. Auf Distanz ging auch eine ungewöhnlich grosse Zahl an Kongressabgeordneten, die um ihre Wiederwahl bangen.

Viel Unterhaltung

Dass Trump vier Tage vor Beginn des Parteitags noch immer keine Rednerliste präsentieren konnte, obwohl er eine angekündigt hatte, werten Analysten als weiteres Indiz der Zerrissenheit einer Partei, die eine feindliche Übernahme erlebt hat. Der Generalsekretär der GOP, Reince Priebus, mahnte zur Einheit: «Wenn wir nicht zusammenhalten und sie stoppen, sollten wir uns schon mal an die Worte <Präsidentin Hillary Clinton> gewöhnen.»

Der Spitzenkandidat spielt die Absagen herunter. Das Fehlen der Parteiprominenz gibt Trump die Chance, den Parteitag zu einem «Infomercial» umzufunktionieren. Im April hatte er sich in einem Interview beklagt, die letzte «Convention» sei so langweilig gewesen, dass die Leute eingeschlafen seien. Für Cleveland verspricht Trump «Showbiz», das nach allem, was bisher durchgesickert ist, von Familienangehörigen, Geschäftsfreunden, Sportlern und einer B-Liste an Politikern und Unterhaltungskünstlern bestritten wird. Grösse Attraktion ist der Auftritt des Football-Quarterbacks Tim Tewbow. Ein bisschen Bekanntheit bringt auch Paypal-Gründer Peter Thiel mit. Der «Speaker» im Kongress, Paul Ryan, wird nur auftreten, weil er schon vor den Vorwahlen als Präsident des Parteitages gesetzt war.

Ob Ted Cruz und Scott Walker, die beide auch zu den Vorwahlen angetreten waren, in ihren Reden das Hohelied auf Trump anstimmen werden, bleibt abzuwarten. New Gingrich, Chris Christie und Mike Pence werden es gewiss tun. Die drei waren Anwärter für die Vizepräsidentschaft.

Grosses Sicherheitsaufgebot

Trump plant die einzelnen Tage Themen zu widmen. Der Bogen reicht von Hillary Clintons Rolle beim Terroranschlag von Benghasi über die sexuellen Fehltritte ihres Ehemanns Bill bis hin zur geplanten Mauer an der Grenze zu Mexiko.

Selten zuvor gab es so viele Unwägbarkeiten wie vor diesem Parteitag, zu dem sich von religiösen Fundamentalisten über weisse Rassisten bis hin zur neuen «Black Panther»-Bewegung zahlreiche Gruppen angesagt haben, die protestieren wollen. Insgesamt versuchen über 70 lokale, regionale und nationale Sicherheitsbehörden die Ordnung aufrechtzuerhalten. Besondere Sorge bereitet ihnen das Waffenrecht des Bundesstaats, das es Personen erlaubt, Gewehre und Pistolen offen zu tragen.

Spitäler haben eine Feriensperre verhängt und zusätzliche Notärzte angefordert. Auch die lokalen Gerichte sind auf alles vorbereitet. Der Vorsitzende Richter am Cleveland Municipal Court, Ronald Adrine, meint, auf diesem Parteitag kämen sehr komplexe Emotionen zusammen. Das Aufeinandertreffen von Tausenden begeisterter Trump-Anhänger und genauso vehementer Gegner schaffe eine brisante Stimmung.