DNA-Spuren von NSU-Terrorist Böhnhardt stellt die Ermittler vor neue Rätsel

Nach dem spektakulären Fund von DNA-Spuren des mutmasslichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt am Fundort der getöteten Schülerin Peggy stehen die Ermittler in Deutschland vor einer Vielzahl ungelöster Rätsel. Ungeklärte Straftaten sollen neu untersucht werden.

Drucken
Teilen
Peggy
4 Bilder
In einem Wald hat ein Pilzsammler im Sommer 2016 ein Skelett gefunden. Es handelte sich um die seit 15 Jahren vermisste Peggy.
Polizisten durchsuchten den Wald zwischen Rodacherbrunn und Nordhaben in Deutschland.
Polizisten durchsuchen den Wald zwischen Rodacherbrunn und Nordhaben in Deutschland.

Peggy

Keystone

Anwälte von Angehörigen der NSU-Opfer im Münchner NSU-Prozess um die rechtsextreme Mordserie und Mitglieder diverser Untersuchungsausschüsse kündigten Fragen oder Beweisanträge an. Geklärt werden muss auch, ob möglicherweise eine Verunreinigung den brisanten DNA-Treffer ausgelöst haben könnte.

"Dass jetzt der Verdacht besteht, dass einer der NSU-Terroristen auch noch der Mörder der kleinen Peggy sein könnte, ist unfassbar", sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière am Freitag in Wiesbaden.

Peggys Mutter zeigte sich "tief erschüttert" über den brisanten Fund. "Meine Mandantin benötigt Zeit, diese neuen Entwicklungen zu verarbeiten", teilte ihre Anwältin Ramona Hoyer in einer Erklärung mit.

Der Vorsitzende des NSU-Untersuchungsausschusses im Bundestag, Clemens Binninger, forderte eine "Generalrevision" der DNA-Spuren im NSU-Komplex. "Der Generalbundesanwalt und das Bundeskriminalamt müssen sich noch mal den vielen anonymen Spuren an den NSU-Tatorten widmen", sagte er der Nachrichtenagentur dpa.

Ungeklärter Kindsmord überprüfen

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow kündigte an, die Akten zu einem ungeklärten Kindsmord aus den 1990er Jahren komplett neu überprüfen lassen zu wollen. Damals seien "Herr Böhnhardt und sein Name schon einmal im Visier" gewesen, sagte der Linken-Politiker in Berlin. "Das müssen wir alles viel, viel gründlicher betrachten."

Am Donnerstag war bekanntgeworden, dass am Fundort der Skelettteile des 2001 verschollenen Mädchens aus Oberfranken Genmaterial von Böhnhardt entdeckt worden war. Dieses habe sich an einem Gegenstand befunden. Details zm Spurenträger wollten die Ermittler nicht mitteilen.

Der Spurenträger sei im Juli "in direktem Zusammenhang" mit der Entdeckung der Skeletteile aufgefunden worden, berichtete der Leitende Oberstaatsanwalt Herbert Potzel in Bayreuth. Der brisante DNA-Treffer sei aber erst im Laufe dieser Woche bekannt geworden, teilte Polizeisprecher Jürgen Stadter mit. Die Ermittler rechnen nun mit langwierigen Ermittlungen.

Leiche nach 15 Jahren gefunden

Am 2. Juli war ein Pilzsammler in einem Waldstück in Thüringen unweit der Grenze zu Bayern auf Teile von Peggys Skelett gestossen - nur rund 15 Kilometer vom Heimatort des Mädchens entfernt. Nach dem Fund der sterblichen Überreste hatten Ermittler das Gebiet wiederholt durchkämmt. Erst Ende September wurde das Waldstück erneut durchsucht.

Der Rechtsextremist Böhnhardt gehörte dem "Nationalsozialistischen Untergrund" (NSU) an. Mit seinem mutmasslichen Komplizen Uwe Mundlos soll er jahrelang unerkannt gemordet haben - hauptsächlich aus fremdenfeindlichen Motiven. Mundlos und Böhnhardt töteten sich den Ermittlern zufolge im Herbst 2011 nach einem Banküberfall, um einer drohenden Festnahme zu entgehen.

Die mutmassliche Mittäterin Beate Zschäpe stellte sich der Polizei. Seit fast dreieinhalb Jahren muss sie sich vor dem Münchner Oberlandesgericht verantworten. Der Prozess wird erst einmal wie geplant fortgesetzt.