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DISKRIMINIERUNG: Saudische Armee umzingelt Kleinstadt

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch kritisiert das Vorgehen der saudischen Sicherheitskräfte in der schiitischen Stadt Awamija. Die religiöse Minderheit werde systematisch schikaniert.

Seit drei Monaten wird die im Osten von Saudi-Arabien liegende Kleinstadt Awamija von saudischen Sicherheitskräften belagert. Da in dem von sunnitischen Wahabiten regierten Königreich sämtliche Medienberichte kontrolliert und zensiert werden, kam über die Ereignisse nur wenig ans Tageslicht. Dies hat sich mit der am Wochenende erfolgten Veröffentlichung eines umfassenden Berichts von Human Rights Watch (HRW) geändert.

Die Menschenrechtsorganisation wirft darin der saudischen Armee vor, weite Teile der zivilen Infrastruktur in der umzingelten Stadt «erheblich zerstört» zu haben. Die durch massiven Artilleriebeschuss verursachten Verwüstungen seien auf Satellitenbildern deutlich zu erkennen. Ein Reuters-Reporter, der von einigen Tagen Awamija besuchen konnte, beschreibt die schiitische Kleinstadt als «ein Kriegsgebiet». Betroffen ist vor allem der 400 Jahre alte Stadtteil al-Musawara, der komplett abgerissen wurde, um den Bau eines modernen Einkaufszentrums zu ermöglichen.

Tausende aus der Stadt vertrieben

«Die schiitischen Einwohner von Awamija sind täglicher Diskriminierung ausgesetzt und müssen seit drei Monaten in den Schusslinien ausharren», erklärt Sarah Leah Withson. Tausende seien geflohen oder aus der Stadt vertrieben worden. Die für den Nahen Osten verantwortliche Direktorin von Human Rights Watch fordert die saudischen Behörden auf, «sofortige Schritte einzuleiten, um den Menschen eine sichere Rückkehr und eine Wiedereröffnung von Geschäften und Krankenhäusern zu ermöglichen». Zudem müssten die Bewohner für Zerstörungen entschädigt werden.

Die saudische Regierung macht für ihr rücksichtsloses Vorgehen in Awamija «schiitische Terroristen und Drogenhändler» verantwortlich. Diese hätten sich in Wohnvierteln verschanzt. Um sich gegen die «Terroristen» durchsetzen zu können, setzten die saudischen Sicherheitskräfte auch gepanzerte kanadische Patrouillenfahrzeuge ein, was zu Protesten aus Ottawa führte. Nach unbestätigten Berichten kamen im Verlauf der Belagerung über 30 Menschen ums Leben, unter ihnen auch einige saudische Polizisten.

Schiiten sind Bürger zweiter Klasse

Die Bewohner von Awamija betonen dagegen, gewaltfreien Widerstand zu leisten, zu dem auch der aus Awamija stammende schiitische Geistliche Nimr Bakr al Nimr bis zu seinem Tod im letzten Jahr aufgerufen habe.

Der berühmte saudische Ayatollah wurde zusammen mit 46 weiteren Personen am 2. Januar 2016 enthauptet. Seine Hinrichtung verschärfte die Dauerkrise mit dem Iran und führte zum Abbruch der Beziehungen zwischen den beiden Regionalmächten.

Zwischen 15 und 20 Prozent der saudischen Bevölkerung sind Schiiten. Behandelt werden sie als Bürger zweiter Klasse. In den Augen der wahabitischen Geistlichkeit gelten Schiiten als Häretiker und somit vom «wahrem Glauben abgefallen». Der Koran sieht dafür die Todesstrafe vor.

Terrororganisationen wie der IS und Al-Kaida haben Zehntausende von Schiiten wegen ihrer Religionszugehörigkeit ermordet. Erst im September letzten Jahres hatte der saudische Obermufti Abdel Aziz al Scheich Scheikh Schiiten zu Ungläubigen erklärt. Derzeit warten 14 saudische Schiiten in den Gefängnissen des Wüstenkönigreiches auf ihre Hinrichtung.

Michael Wrase, Limassol

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