Diktatorengattin Asma al-Assad will die syrische Wirtschaft reformieren – wer ist die «Lady Di» des Orients?

Asma al-Assad wuchs in London auf und arbeitete als Finanzanalystin, bevor sie ihren heutigen Mann Baschar heiratete. Zu den Verbrechen des Diktators schweigt sie.

Michael Wrase aus Limassol
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Asma al-Assad (l) mit ihrem Ehemann Baschar, Syriens Diktator.

Asma al-Assad (l) mit ihrem Ehemann Baschar, Syriens Diktator.

Bild: Dukas (Damaskus, 20. September 2017)

Es war der falsche Zeitpunkt und die Macher des US-Magazins «Vogue» hätten es wissen müssen. Als sie Mitte März 2011 ein von Lobhudeleien nur so strotzendes Porträt der syrischen Präsidentengattin Asma al-Assad veröffentlichten, gährte es in Syrien bereits. Wenig später schossen Soldaten Hunderte von Demonstranten in Homs und Derra nieder.

Die von «Vogue» als «emanzipiert und freiheitsliebend» gefeierte «Wüstenrose» hatte damals geschwiegen. Und das tut sie, wenn es um die Verbrechen des Assad-Regimes geht, auch heute noch. Stattdessen kritisierte die von «Paris Match» einst als «Lady Diana des Orients» gepriesene Mutter dreier Kinder in einem Interview mit dem russischen Fernsehen die westlichen Medien für ihre «einseitige Syrien-Berichterstattung».

Derartige Vorurteile sollten der 1975 in London geborenen und aufgewachsenen Tochter eines bekannten syrischen Kardiologen eigentlich fremd sein. Asma nannte sich damals noch Emma. «Sie wollte Britin sein, sich assimilieren», erzählen ehemalige Kommilitonen, mit denen die charismatische Araberin an der renommierten «London School of Economics» Informatik und Wirtschaftswissenschaften studierte.

Von der Hochfinanz in den Palast des Diktators

Bis heute können viele ihrer früheren Bekannten nicht begreifen, warum «diese elegante Frau» ihre spätere Karriere als Finanzanalystin bei J.P.Morgan aufgab und «einen solchen Müllsack heiratete», empörte sich der britische PR-Berater Timothy Bell in einem Zeitungsinterview. Gemeint war Baschar al-Assad, der um die Jahrtausendwende am Western Eye Hospital in London zum Augenarzt ausgebildet wurde.

Von Anfang an wollte sich «das schöne Gesicht der Diktatur», so die Zeitung «Guardian», einmischen, mitreden. Konflikte waren damit vorprogrammiert. Zu ihren Widersachern gehörte Assads Cousin Rami al Makhlouf, der mit dem Segen ihres Mannes ein milliardenschweres Wirtschaftsimperium aufbauen konnte. Je länger der Bürgerkrieg in Syrien dauerte, desto massloser gebärdete sich der Assad-Cousin.

Vermögen des Cousins beschlagnahmt

Zum Vorgehen gegen seinen Verwandten sah sich Baschar al-Assad allerdings erst nach unmissverständlichen Aufforderungen seiner russischen Verbündeten genötigt. Die hatten dem Assad-Clan signalisiert, dass in Zeiten sinkender Ölpreise keine finanzielle Hilfe zu erwarten sei. Also musste man sich selber helfen.

Zur Begleichung von Steuerschulden von umgerechnet 120 Millionen Dollar war zu Wochenbeginn das gesamte Vermögen des Assad-Cousins beschlagnahmt worden. Ramis Platz wird Asma al-Assad übernehmen.

Laut der saudischen Tageszeitung «Al Schark al Aussat» soll sich Asma, die im letzten Jahr eine Brustkrebserkrankung überstanden hatte, auch entschlossen haben, die «syrische Wirtschaft zu reformieren». Das hatte auch schon ihr Mann Baschar versucht, nachdem er am 17.Juli 2000 zum Präsidenten seines Landes vereidigt wurde.

Uns steht das Wasser bis zum Hals

Baschar scheiterte damals am Widerstand der alten Garden, zu denen auch der Makhlouf-Clan gehört. Allerdings haben sich die Zeiten inzwischen geändert. Das Bürgerkriegsland steht vor dem Bankrott und kämpft damit auch ums politische Überleben. «Uns steht das Wasser bis zum Hals», soll die ehemalige Finanzanalystin engen Freunden anvertraut haben.

Ihr Engagement, betonen gut unterrichtete Kreise im benachbarten Libanon, sei «von allerhöchster Stelle» abgesegnet und «von langer Hand vorbereitet» worden. Abzuwarten bleibt, ob Asmas in London erworbene Fähigkeiten zur Reformierung der syrischen Wirtschaft ausreichen werden. «Mit einem Studium allein» käme man im von Korruption zerfressenen Syrien nicht weit.