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«Dieses Manöver ist nicht defensiv, sondern aggressiv»

Paul Flückiger, Warschau

Nachbarländer «Sie wollen uns Angst einjagen und unseren Verteidigungswillen brechen», sagt Dalia Grybauskaite. Die litauische Staatspräsidentin spricht von dem russisch-weissrussischen Manöver «Sapad», das heute beginnt. Noch nie haben russische Militärübungen den Balten und Osteuropäern so viel Furcht eingejagt. «Dieses Manöver ist nicht defensiv, sondern aggressiv», warnt der polnische Verteidigungsminister Antoni Macierewicz. Auch Warschau will das Manöver deshalb genau beobachten.

Schuld daran ist die Besetzung der ukrainischen Halbinsel Krim durch «grüne Männchen» aus Russland im März 2014 sowie Putins verbales Säbelrasseln gegen das Baltikum und widersprüchliche Angaben zum «Sapad»-Manöver. Dazu kommt eine Versuchsanordnung, die von einem fiktiven Angriff auf den Unionsstaat Russland-Weissrussland durch drei Länder ausgeht, die sich auf den Manöverkarten mit Polen, Litauen und Lettland decken. Ausgehen soll diese von Diversanten in den katholischen Gebieten Weissrusslands. Auch diese gibt es in Wirklichkeit, sie liegen an der Grenze zu Polen und haben vor dem Zweiten Weltkrieg zu ebendiesem gehört.

Ukraine verstärkt Grenze zu Weissrussland

Auch die Ukraine ist besorgt. Kiew warnt vor einer möglichen Invasion russischer Truppen von Norden her über weissrussisches Territorium. Die Ukraine hat deshalb ihre rund 1000 Kilometer lange Grenze zu Weissrussland verstärkt. Zudem wird im Trainingslager Jaworiw an der polnischen Grenze eine Art Gegenübungen im kleinen Massstab von acht Nato-Mitgliedern, der Ukraine, Moldawien und Georgien durchgeführt. Für zusätzliche Spannung sorgt die ­Entführung eines ukrainischen Jugendlichen in Weissrussland durch den russischen Geheimdienst FSB. Dem 19-Jährigen wird die Vorbereitung von Terror­akten vorgeworfen.

Sorge vor dauerhafter Stationierung

Besorgt ist auch die weissrussische Opposition. Sie vermutet, dass die offiziell rund 3000 in Weissrussland erwarteten russischen Soldaten das Land danach nicht mehr verlassen werden. Diese Sorge haben auch eine Reihe von baltischen Politikern geäussert. Litauen und Lettland grenzen direkt an Weissrussland, mit dem sie bisher trotz der Diktatur ­einen regen Austausch pflegten. Der Autokrat Aleksander Lukaschenko selbst hatte sich bisher russischen Militärbasen widersetzt. Nun macht der wirtschaftlich von Russland hochgradig abhängige Staatsmann gute Miene zu den Manövern; immerhin hatte Lukaschenko vor 20 Jahren einen Unionsstaat mit Russland gefördert, der bisher vor allem auf dem Papier besteht.

Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts SKD war im letzten Juli die Angst vor einem Krieg mit Russland in Litauen mit 68 Prozent der Befragten am grössten. 62 Prozent der Letten teilten diese Ängste, aber nur 45 Prozent der Esten.

Paul Flückiger, Warschau

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