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Diese zwei Schweizerinnen sitzen im EU-Parlament

Kira Peter-Hansen und Anna Deparnay-Grunenberg politisieren für die Grünen in Strassburg und Brüssel - und besitzen den Schweizer Pass.-
Remo Hess aus Brüssel
Kira Peter-Hansen ist die jüngste EU-Abgeordnete aller Zeiten. (Bild: PD)

Kira Peter-Hansen ist die jüngste EU-Abgeordnete aller Zeiten. (Bild: PD)

Noch muss sich Kira Peter-Hansen an alles gewöhnen. Seit sie Ende Mai ins EU-Parlament gewählt wurde, hat sich viel verändert. «Ich lebe ein Doppelleben», sagt die Dänin im Gespräch. Zu Hause in Kopenhagen treffe sie weiterhin ihre Freunde und Studienkollegen. Vor vier Wochen schrieb sie die letzte Uni-Prüfung – kurz darauf stimmte sie über die Ernennung der neuen EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ab. Die 21-jährige Wirtschaftsstudentin ist die jüngste EU-Abgeordnete aller Zeiten. Sie sitzt für die dänischen Volkssozialisten (SF) im EU-Parlament, die in der grünen Fraktion angehören. «Es ist eine komplett andere Welt», sagt sie. Was sie in der fünfjährigen Legislaturperiode erreichen will? Grüne Klimapolitik vorantreiben und ihrer jungen Wählerschaft eine Stimme geben.

Derzeit kann sie sich vor Journalistenanfragen kaum retten. Alle wollen von ihr wissen, wie es ist, in einem Alter ins EU-Parlament einzuziehen, in dem andere ihr erstes Praktikum absolvieren. Sie hat damit kein Problem. Im Gegenteil: «Ich denke mein Alter ist wichtig und es spielt eine Rolle». Viele Menschen würden ihr schreiben, dass ihre Wahl sie inspiriert habe. Insofern sei es ihre Aufgabe, jungen Menschen und vor allem auch jungen Frauen zu zeigen, dass sie sich einbringen können. Das Ziel müsse sein, dass die Gesellschaft als Ganzes besser abgebildet werde. «Nur so können wir eine bessere Politik für alle machen», so Peter-Hansen.

In Sörenberg geboren

Zur Vielfältigkeit im EU-Parlament trägt Peter-Hansen noch in einem weiteren Sinne bei: Sie ist Schweizerin. Im Jahr 1998 wurde sie Sörenberg geboren. Nach der Trennung ihrer Eltern fuhr sie jeweils ein- bis zweimal pro Jahr ihren Vater besuchen, der im Zentralschweizer Wintersportort in der Hotellerie tätig ist. Obwohl sie durchaus Sympathien für das System der direkten Demokratie hat, geht der Bezug zum Geburtsland kaum über Kindheitserinnerungen hinaus. Die Abstimmungs- und Wahlunterlagen landeten bis jetzt stets unausgefüllt im Papierkorb.

Anna Deparnay-Grunenberg versteht sogar Berndeutsch. (Bild: PD)

Anna Deparnay-Grunenberg versteht sogar Berndeutsch. (Bild: PD)

Das kann Anna Deparnay-Grunenberg von sich nicht behaupten. Die Deutsch-französisch-schweizerische Mehrfachbürgerin sitzt ebenfalls für die Grünen im EU-Parlament und hat wann immer möglich an den Abstimmungen in der Schweiz teilgenommen. Auch bei ihr ist es der Vater, der ihr einen Schweizer Pass beschert hat. Tatsächlich ist es der einzige Pass, den die ausgebildete Forst- und Umweltwissenschaftlerin besitzt: In Deutschland und Frankreich hat sie nur eine Identitätskarte.

Die 43-jährige beschreibt sich selbst als «europäisches Multi-Kulti-Produkt». Vater Deutschschweizer, Mutter Französin, geboren in Berlin, aufgewachsen in Frankreich, in den Pyrenäen und im Alpenraum um Chambery. Ihr Heimatort ist die Uhrenstadt Le Locle im Kanton Neuenburg, wobei sich die Familie väterlicherseits im Berner Seeland niedergelassen hat. Berndeutsch versteht sie, aber nur, wenn es ihr Vater spricht.

Schweizer Anliegen im Blick

Für Deparnay-Grunenberg ist es logisch, sich als EU-Parlamentarierin für Schweizer Anliegen zu interessieren. Im EU-Parlament sitzt sie als Stellvertreterin in der Efta-Gruppe, die sich neben der Schweiz mit der Beziehung zu den EWR-Staaten Norwegen, Island und Liechtenstein befasst. Ihre Haupttätigkeit liegt im Verkehrsausschuss. Hier legt sie besonderes Augenmerk auf den Ausbau der transeuropäischen Verkehrsnetze vor allem im Bereich Eisenbahn. Es sei unmöglich, dass Deutschland und Italien ihre Zusagen im mittlerweile Jahrzehnte alten Vertrag von Lugano nicht einhalten und die Zubringerstrecken zur Neat nicht rechtzeitig fertiggestellt haben.

In Stuttgart amtete die Mutter von drei Kindern zehn Jahre lang als Stadträtin, zuletzt als Fraktionsvorsitzende. Zu den festgefahrenen Verhandlungen beim Rahmenabkommen hat sie eine pragmatische Haltung: «Die EU würde gut daran tun, jetzt nicht mit der Brechstange vorzugehen». Als Baden-Württembergerin sei ihr bewusst, dass gerade Süddeutschland wirtschaftlich sehr eng mit der Schweiz verflochten ist. Die europäischen Grünen seien bereit, beim Lohnschutz einen Schritt auf die Schweiz zuzugehen. «Im Gegenzug könnte sich die Schweiz bei der Bekämpfung der Steuerflucht etwas kooperativer zeigen», findet Deparnay-Grunenberg.

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