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Diese Auktionshäuser machen Kasse mit Hitler-Gemälden

Zwei Auktionshäuser lockten kürzlich mit angeblichen Gemälden Adolf Hitlers – die meisten sind gefälscht. Der Markt mit den öden Bildern Hitlers und Nazi-Devotionalien wirft jährlich Millionen ab.
Christoph Reichmuth, Berlin
Ein Auktionator hält ein mutmassliches Aquarell von Adolf Hitler in die Kamera. (Gregor Fischer/AP, Berlin, 24. Januar 2019)

Ein Auktionator hält ein mutmassliches Aquarell von Adolf Hitler in die Kamera. (Gregor Fischer/AP, Berlin, 24. Januar 2019)

Öde Landschaften, schlichte Zeichnungen, unscheinbare Bilder mit Namen wie «Alpenlandschaft», «Rheinlandschaft» oder «Niederthal, Vent», versehen mit der Signatur Adolf Hitlers. Derartige Werke wurden Ende Januar in einem Berliner Auktionshaus versteigert. Mindestgebot pro Bild: 4000 Euro. Das Landeskriminalamt ist wegen Fälschungsverdachts noch vor der Auktion eingeschritten und hat die Gemälde beschlagnahmt.

«In diesen Gegenständen liegt für manche Menschen die Faszination am Bösen.» Axel Drecoll, Historiker

Zwei Wochen später trug sich Ähnliches zu, dieses Mal in Nürnberg. Ursprünglich sollten in dem Nürnberger Auktionshaus 31 Zeichnungen und Aquarelle Adolf Hitlers zur Auktion freigegeben werden. Nach Intervention der Behörden gingen noch fünf Zeichnungen sowie Mobiliar in den Verkauf, das angeblich aus dem Nachlass Hitlers stammt – darunter ein Korbsessel und eine Vase. Bei den restlichen Arbeiten bestand der Verdacht der Fälschung.

98 Prozent der Werke sind gefälscht

Hitler betätigte sich in seinen frühen Jahren in Wien und München als Zeichner und Maler, oftmals kopierte er Postkartenmotive. Einen höheren künstlerischen Wert hatten die Werke nie, dennoch erzielen Hitler-Werke heute bei Auktionen stattliche Summen. Bei einer früheren Auktion in Nürnberg erwarb ein anonymer Käufer das Hitler-Werk «Standesamt München» für 130000 Euro. Ein Bild Hitlers vom Schloss Neuschwanstein ging 2015 für 100000 Euro zu einem Sammler nach China.

Verboten ist der Handel mit den Aquarellen des Diktators nicht, so lange keine Nazi-Symbole wie Hakenkreuze oder SS-Runen auf den Werken zu sehen sind. Schätzungen zufolge soll Hitler in seinem Leben 2000 bis 3000 Bilder angefertigt haben. Nach Einschätzung von Kunst­experten ist diese Zahl allerdings «eindeutig zu hoch», wie auch Marc-Oliver Boger sagt. Boger führt bei Stuttgart ein Museum mit den Werken des bekannten Fälschers Konrad Kujau, der Anfang der 80er-Jahre dem deutschen Magazin «Stern» 62 angebliche Tagebücher Adolf Hitlers angedreht hatte und Kunstwerke mit der von ihm gefälschten Hitler-Signatur versehen hatte. «Seine produktivste Phase als Zeichner hatte Hitler vor dem 1. Weltkrieg. Später hatte er kaum mehr Zeit, sich seinen Aquarellen zu widmen», sagt Boger.

Andere Experten gehen davon aus, dass 98 Prozent der im Handel befindlichen Bilder mit Hitler-Signaturen unecht sind. Bereits nach Hitlers Machtergreifung wurden Hitler-Werke gefälscht, um mit angeblichen «Führer»-Gemälden Geld zu machen. Im Umlauf sind auch Hunderte Bilder von Landschaften und Altstadtplätzen aus der Zeit zwischen 1900 und 1930 von unbekannten Malern, die nachträglich mit einer Hitler-Signatur versehen worden sind.

18000 Euro für Hitlers Socken

Echte und nicht selten gefälschte Hitler-Bilder gehen bei Auktionen nach Asien, in den Nahen Osten, die USA oder bleiben in Europa. Die Käufer treten meist anonym auf. Kunstsammler seien die Käufer nicht, meint Marc-Oliver Boger. Den meisten Käufern gehe es darum, «sich sozusagen die Aura Hitlers» ins Wohnzimmer zu holen, vermutet er. Der Historiker Axel Drecoll sagte vor einiger Zeit, dass eine «merkwürdige Anziehungskraft» ausgehe von Dingen, die Menschen wie Hitler besessen oder eben gemalt haben. «In diesen Gegenständen liegt für manche Menschen die Faszination am Bösen.»

Das gilt auch für den Handel mit Gegenständen aus der Nazi-Zeit. Das Münchner Auktionshaus Hermann Historica bringt immer mal wieder Hinterlassenschaften aus dieser Zeitepoche in den Verkauf. Eine Auktion von Nazi-Devotionalien sorgte im Sommer 2016 international für Schlagzeilen. Angeboten wurden etwa Hitlers Socken oder Unterhosen von Hermann Göring, dem Oberbefehlshaber der deutschen Luftwaffe. 3000 Euro brachten Görings Unterhosen an der Versteigerung ein, Hitlers Socken gar 18000 Euro. Des Führers Hose und «feldgraue Feldbluse» wechselten für über 300000 Euro den Besitzer. Für 2800 Euro erhielt jemand den Zuschlag für ein Segment des Stricks, mit dem der antisemitische Hetzer Julius Streicher nach dem Krieg an den Galgen gehängt wurde.

Verklärung und Verherrlichung

Jan K. Kube ist Auktionator in München. Seine Sammlungen konzentrieren sich auf die Jahre bis 1918. Mit der Zeit des Dritten Reiches befasst sich sein Auktionshaus «nur am Rande», wie er sagt. Auch Kube bekommt gelegentlich aus privaten Familiennachlässen Utensilien der NS-Epoche angeboten, etwa Uniformen der Wehrmacht, der Kriegsmarine oder der Luftwaffe oder Blankwaffen aus dieser Zeit. Gut erhaltene Uniformen ohne verbotene Nazi-Symbole seien laut dem Auktionator «einwandfreie historische Objekte», gegen deren Versteigerung nichts einzuwenden sei. «Gerade Uniformen oder Ausrüstungen sind Zeitzeugnisse und daher sammelwürdig.»

Der Direktor des Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft in Jena, Matthias Quent, ist hingegen skeptisch, was den Handel mit solchen Objekten betrifft. «Devotionalien des Nationalsozialismus gehören im Allgemeinen in Museen, Erinnerungs- und Gedenkstätten, wo sie historisch analysiert, eingeordnet und erklärt werden können», so Quent. In «lückenhaften privaten Sammler- und Handelsstuben – zum Teil rechtsradikaler Personen – dienen solche Objekte mitunter nicht der historischen Aufarbeitung, sondern der Verklärung und Verherrlichung der Nazizeit.» Quent hält den Handel mit Nazi-Gegenständen für heikel. «Mit dem Nationalsozialismus Geld zu machen, ist zynisch.»

Das Berliner Auktionshaus, bei dem das Landeskriminalamt angebliche Hitler-Gemälde beschlagnahmen liess, würde mit den Bildern jederzeit wieder handeln, sagte Heinz-Joachim Maeder, Sprecher des Auktionshauses, der «Berliner Zeitung». Es sei nicht verboten, Bilder eines Massenmörders zu verkaufen. «Jedes Auktionshaus würde diese Versteigerung durchführen.»

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