Die Zahlen steigen wieder: Deutschland fürchtet eine zweite Coronawelle, doch es gibt auch gute Nachrichten

Die Politik reagiert spät auf steigende Fallzahlen – und will nun umfassend testen lassen.

Cornelie Barthelme aus Berlin
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Reisende warten auf einen Coronatest am Flughafen Köln: In Deutschland steigen die Coronazahlen wieder.

Reisende warten auf einen Coronatest am Flughafen Köln: In Deutschland steigen die Coronazahlen wieder.

Marius Becker / AP

Doch, es gibt auch gute Nachrichten. Da ist die Eisbach Bio GmbH, ein Start-up aus der Nähe von München, das seit gut einem Jahr nach der Achillesferse von Krebszellen forscht und nun versucht, mit demselben Prinzip Sars-CoV-2 zu Leibe zu rücken. Indem es mit einem Medikament ein für das Coronavirus lebenswichtiges Eiweiss blockiert. Die beiden Gründer glauben, eine so wirkende Anti-Covid-19-Arznei schneller als andere einen Impfstoff auf den Markt bringen zu können. Aber sie sagen dazu: Sicher ist nichts.

Auch nicht, ob die viel gefürchtete zweite Infektionswelle nun kommt, ob sie überhaupt rollt – oder vielleicht sogar Deutschland schon erreicht hat. Letzteres glaubt Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). Sein Parteifreund, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, hält das für falsch; er warnt in einem fort, dass die zweite Welle kommen werde, wenn die Menschen sich nicht vernünftig verhielten.

Über die Definition von Vernunft in Coronazeiten gehen die Meinungen ebenfalls auseinander. «Nachlässig» nennt am Dienstagmorgen der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, die Einstellung vieler Menschen in Deutschland, ganz allgemein. Anlass sind die wieder ansteigenden Infektionsraten. Und die Meldungen über Partys, die in der Ferienzeit sowohl Daheimgebliebene wie Fernreisende feiern – unter Missachtung sämtlicher Hygieneregeln.

«Mitten in einer sich rasant entwickelnden Pandemie»

RKI-Präsient Wieler mahnt: «Wir sind mitten in einer sich rasant entwickelnden Pandemie.» Offenbar findet er, Deutschland müsse daran dringend erinnert werden. Und Wieler wirbt auch für eine zielgenauere Markierung von Risikogebieten durch das Auswärtige Amt.

Es gibt Gründe: Aktuell ist in der EU allein Luxemburg vom deutschen Aussenministerium so markiert; wie es aussieht, weil das Land sehr viel mehr testet als andere. Aber da ist Osteuropa, wo die Infektionszahlen steigen. Und Österreich, wo am Wolfgangsee ein erwiesener Hotspot ist – und viele Deutsche Ferien machen. Auf sie aber wartet kein Pflichttest bei der Rückkehr. Und auch keine Pflichtquarantäne.

Söder will Pflichttests

Eine der nicht wenigen Ungereimtheiten. Zu ihnen gehört auch, dass Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) Pflichttests auch für mit dem Zug oder dem Auto zurückkehrende Urlauber will – und seine Kolleginnen und Kollegen nicht.

Weshalb der Politik das alles erst jetzt einfällt – als hätte niemand ahnen können, dass Ferien- auch Reisezeit ist und Auslandsurlauber auch wieder nach Deutschland zurückkommen – erklärt der Republik nicht einmal Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU); der Mann, der als Adlatus von Bundeskanzlerin Merkel verhindern soll, dass jedes Bundesland eigene Regeln verfügt.

Aber es gibt einen Streit darüber, wer die Pflichttests bezahlen soll: Unter anderen ist FDP-Chef Christian Lindner fürs Individualisieren, Bayerns Landesvater Söder dagegen will die Kosten selbst für Nichtbayern übernehmen. Unterdessen warnen immer mehr Infektiologen vor trügerischer Sicherheit: Wer sich erst beim Rückflug infiziere – bleibe unentdeckt.

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