Die Türkei will Syriens Regime umstimmen

Die Beziehungen zwischen Ankara und Damaskus sind durch die gewaltsame Niederschlagung der Proteste in Syrien getrübt. Der türkische Aussenminister ist nun nach Damaskus gereist, um Assad zum Einlenken zu bewegen.

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Istanbul. Die Gewalteskalation in Syrien bringt die türkische Regierung zunehmend unter Druck. Ein guter Teil der eigenen Anhängerschaft sympathisiert mit den Demonstranten in Syrien. Hinzu kommt, dass die Eskalation ausgerechnet im islamischen Fastenmonat Ramadan stattfindet, in dem die Waffen ruhen sollten. Der türkische Ministerpräsident Tayyip Erdogan wurde am Wochenende deutlich; er erklärte, dass seine Geduld nun am Ende sei und warf dem Regime in Damaskus Grausamkeit vor.

Begleiter von Sarkozy

Die Beziehungen zwischen der Türkei und Syrien sind vielfältig, ein völliger Abbruch ist eher unwahrscheinlich. Neben der wirtschaftlichen Verflechtung gibt es auch gemeinsame Sicherheitsinteressen; die beiden Ländern haben eine gemeinsame Grenze von 800 Kilometern. Wenn aber jemand etwas in Damaskus erreichen kann, dann am ehesten der türkische Aussenminister Ahmet Davutoglu, der als Diplomat über Jahre bei der Regierung in Damaskus ein und aus gegangen ist. Der französische Präsident Sarkozy hatte sich Davutoglu bei einem Damaskus-Besuch schon als Begleiter ausgeliehen. Gestern versuchte Davutoglu, die Führung in Damaskus umzustimmen.

Gespräch unter vier Augen

Assad schien vom Besuch aus Ankara nicht beeindruckt. In der Nacht zum Dienstag ging das Regime 30 Kilometer von der türkischen Grenze entfernt mit Panzern gegen Demonstranten vor, die sich zu einem Gebet versammelt hatten. Nach einem zweistündigen Gespräch unter vier Augen mit Assad gab Davutoglu gestern keine Erklärung ab. (ket)

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