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Irak: Viele Sunniten sehnen sich nach einer Führung wie unter Saddam Hussein

Der als historisch gepriesene Besuch des iranischen Präsidenten Hassan Rohani in Bagdad wird von den USA und vielen Exil-Irakern in Jordanien mit Argwohn verfolgt. Staatsoberhaupt Salih bezeichnet die Nachbarn wiederum als Freunde.
Michael Wrase, Amman
Iraks Präsident Barham Salih (links) beim montäglichen Staatsempfang seines iranischen Amtskollegen Hassan Rohani. (Bild: Ahmed Jalil/EPA (Bagdad)

Iraks Präsident Barham Salih (links) beim montäglichen Staatsempfang seines iranischen Amtskollegen Hassan Rohani. (Bild: Ahmed Jalil/EPA (Bagdad)

«Das ist der Beweis», flucht Yousif Agoub, als im Fernsehen der iranische Staatspräsident Hassan Rohani beim Abschreiten der Ehrengarde vor dem Bagdader Präsidentenpalast gezeigt wird. Der Irak sei nun endgültig eine «iranische Kolonie» geworden. Der irakische Christ führt in Amman ein Restaurant, in dem sich Iraker treffen, die nach dem Sturz von Saddam Hussein im Frühjahr 2003 nach Jordanien geflüchtet waren. Von den 500000 Landsleuten, die damals nach Amman gekommen seien, würden noch 150000 in der jordanischen Hauptstadt leben.

Die anderen, erzählt Agoub, hätten sich in Istanbul oder in den USA niedergelassen. Fast alle Flüchtlinge sind Sunniten oder Christen, die unter dem Sunniten Saddam Hussein ein gutes Auskommen hatten sich mit dem ­Regime arrangierten. «Saddams Sturz, der nachfolgende Bürgerkrieg sowie die Machtergreifung der Schiiten war für uns eine ­Katastrophe», unterstreicht der Restaurantbesitzer im Kreise seiner Freunde. Seit seinem Tod würde es mit dem Irak «nur noch bergab gehen».

Abhängigkeit von iranischem Gas

Für die meisten Exil-Iraker in Amman sowie auch für viele Jordanier ist der am 30. Dezember 2006 hingerichtete Ex-Diktator noch immer ein Held. Zehntausende hatten sich zu Jubelkundgebungen auf den Strassen von Amman versammelt, als der Iraker im Frühjahr 1991 Israel mit Scud-Raketen bombardieren liess. Noch heute werden in den Basaren der jordanischen Hauptstadt Saddam-Banknoten und Miniaturnachbildungen der Lenkwaffen verkauft. Auch das in China nachgedruckte Kartenspiel der US-Armee mit den Konterfeis von 52 gesuchten Mitgliedern der irakischen Führungsspitze – mit Saddam als Pik-As – erfreut sich weiterhin grosser Beliebtheit.

«Nur einer wie Saddam», will uns Khaled al Jubburi, ein aus Mosul stammender Elektroingenieur, vermitteln, «kann ein Land wie den Irak zusammenhalten». Die «Invasion der Perser» werde dagegen zur «dauerhaften Abhängigkeit» von dem schiitischen Nachbarstaat führen. Tatsächlich benötigt der Irak bereits seit mehreren Jahren iranische Erdgaslieferungen zur Erzeugung von Elektrizität. Als die USA den Import für kurze Zeit stoppten, war es im Süden des Irak zu gewalttätigen Massenprotesten gekommen.

Washington sah sich daraufhin gezwungen, die Gaslieferungen trotz Embargo wieder zu gestatten. Auch viele Lebensmittel, Baumaterialien und Medikamente kommen aus dem Iran. Schon jetzt beläuft sich das Handels­volumen auf zwölf Milliarden Dollar und soll nach den Vorstellungen der iranischen Regierung in den kommenden zwei Jahren ­verdoppelt werden. Mehr als 300 Wirtschafts- und Handelsdelegierte begleiteten daher am Montag Irans Staatspräsident Hassan Rohani bei seinem als historisch gepriesenen Besuch der irakischen Hauptstadt.

Drei Tage blieb Rohani mit seinen Leuten in Bagdad. Die Islamische Republik wolle die gegenseitige Abhängigkeit mit dem Irak weiter ausbauen und damit eine von den USA verlangte Änderung der irakischen Iran-Politik unmöglich machen, erklärt Hamidreza Azizi, ein Dozent für Regionalstudien an der Shahid-Beheshti-Universität von Teheran, die iranische Irak-Strategie.

Kontroverse um US-Truppen

Unfreiwillige Unterstützung erhält Iran dabei noch immer von den USA, die mit ihrer schlecht vorbereiteten Irak-Invasion vor 16 Jahren den Iranern letztendlich das Tor zum Zweistromland geöffnet hatten. Als US-Präsident Donald Trump Anfang des Jahres den Irak für ganze fünf Stunden besuchte, verzichtete er gänzlich auf Gespräche mit irakischen Politikern. Vordringlichste Aufgabe der 5000 amerikanischen Soldaten, die noch im Irak stationiert sind, sei die «Beobachtung des Iran» – was in Bagdad einen Sturm der Entrüstung ausgelöst hatte.

Die Aufgabe der im Irak stationierten US-Truppen bestünde allein darin, den IS zu bekämpfen und nicht ein Nachbarland zu bedrohen, kritisierte Iraks Staatspräsident Barham Salih seinen amerikanischen Amtskollegen. Der zwischen Washington und Bagdad vereinbarte Auftrag laute «Terroristenbekämpfung». Und die Iraner, stelle Salih klar, seien Freunde; auch wenn dies in den USA sowie im benachbarten Jordanien anders gesehen wird.

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