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Die Russland-Connection: Wie Trump sich auf Twitter ins Abseits beförderte

Mit einer Twitter-Salve versuchte Donald Trump, die Anhörung von FBI-Chef James Comey vor dem Kongress zu torpedieren. Der Schuss ging nach hinten los.

Peter Blunschi
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Donald Trump wurde am 20. Januar 2017 als 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika vereidigt. In seinem Leben erreichte der Unternehmer aber auch anderes. Hier einige Auszüge aus seinem Leben.
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Das Leben des Donald Trump
Donald Trump hat es allen gezeigt - aber wirklich allen.
Donald Trumps Frisur ist vielleicht kein Prunkstück der Friseurskunst, aber immerhin ist sein Haar echt; das hat Talkmaster Jimmy Fallon am Donnerstag empirisch bewiesen. (Screenshot Youtube)
Welche Rolle spielte Russland im Wahlkampf von Donald Trump? Dass es Kontakte gab, räumt die russische Regierung am Donnerstag, 10. November 2016, ein.
Gemeinsame Interessen: Russland Präsident Putin und der US-Präsidentschaftskandidat Trump haben etwa in der Aussenpolitik ähnliche Ansichten.
Ein Mischwesen genannt "Trumpusconi": Dieses Bild kursiert derzeit auf Twitter.
Eine schon fast gespenstisch: Im Jahr 2000 sahen die Simpsons-Macher die Wahl Trumps voraus.
Auftritt mit breiter Brust: Donald Trump im Jahr 1984 als Investor des USFL-Teams New Jersey Generals. Kurze Zeitspäter verabschiedete sich Trump mit einem Gerichtsentscheid vom Football-Business.Keystone
Summer Zervos (rechts) mit ihrer Anwältin ist eine der Frauen, die Donald Trump sexuelle Belästigung vorwerfen.
Was ist Realität, was Fiktion? Bei Trump sind die Übergänge fliessend.
Geboren wurde er 1946 in New York. Sein Vater war, wie Donald später auch, ein Immobilienunternehmer. Einer seiner Brüder, Fred, starb an Folgen einer Alkoholkrankheit, eine seiner Schwestern ist Bundesrichterin. Trump verzichtet nach eigenen Angaben vollständig auf Zigaretten und Alkohol.
Trump war drei Mal verheiratet. Hier eröffnen Vater und Tochter Ivanka einen Trump-Tower (2008).
Mit seiner aktuellen Frau, Melania Knauss, zeigte er sich schon 2004. Erst 2006 gaben sie sich das Ja-Wort. Der Partnerschaft entsprang Sohn Barron William.
Trump besitzt die Organisation der Miss Universe Wahlen. Hier im Bild: Der zukünftige Präsident mit Olivia Culpo.
Für die Frauen-Wahlen zog Trump auch kreative Kostüme an, wie hier 2012. Nebenbei trat Trump 2007 auch in den Wrestling-Ring um gegen den WWE-Besitzer Vince McMahon zu kämpfen. Bei seinem Einzug in den Ring liess er 100-Dollar-Scheine regnen.
Trump traf zahlreiche Prominente in seinem Leben: Hier Serena Williams, die bekannte Tennis-Spielerin. (2009)
Trump und die Stars: Mit Golf-Legende Tiger Woods (2013)
Den Boxern George Foreman (l.) und Shannon Biggs (r.) (1997)
Auch ein Stern auf dem bekannten Walk of Fame in Los Angeles wurde ihm verliehen. Der Stern wurde während des Wahlkampfs 2016 zerstört und wieder hergestellt. In mehreren Kinderfilmen hatte Trump einen Auftritt: So etwa in «Kevin – allein in New York», dem zweiten Teil des beliebten Kinderfilms «Kevin – allein zu Haus».
Im Juni 2015 trat Trump offiziell zu den Präsidentschaftswahlen an. Zuerst wurde er nur belächelt. Gerade auf Grund von rassistischen und beleidigenden Aussagen wurde er lange nicht als ernsthafter Anwärter angesehen.
Doch mit seinem Slogan «Make America great again» schlug er nicht nur jeden Republikaner, sondern am Ende die Demokratin Hillary Clinton im Rennen um das Präsidentenamt.
Trumps Büste im Wachsfigurenkabinett in Madrid.

Donald Trump wurde am 20. Januar 2017 als 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika vereidigt. In seinem Leben erreichte der Unternehmer aber auch anderes. Hier einige Auszüge aus seinem Leben.

EPA

Der Montag hätte ein guter Tag sein können für Donald Trump. Neil Gorsuch, sein Kandidat für den Obersten Gerichtshof, hatte seine erste Anhörung vor dem Senat und hinterliess dabei einen überzeugenden Eindruck. Am Ende aber erlebte der US-Präsident einen schwarzen Montag: Das FBI ermittelt wegen möglicher Kontakte seines Wahlkampfteams mit Russland.

Dies bestätigte FBI-Chef James Comey vor dem Geheimdienstausschuss des Repräsentantenhauses. Fast noch schlimmer für Trump: Comey und NSA-Direktor Mike Rogers erklärten in der gemeinsamen Anhörung im Kapitol, es gäbe keine Belege für die bizarre Anschuldigung des Präsidenten, sein Vorgänger Barack Obama habe ihn während des Wahlkampfs im New Yorker Trump Tower abhören lassen.

Donald Trump scheint das Unheil geahnt zu haben. Bereits vor Beginn des Hearings veröffentlichte er auf seinem privaten Account mehrere Tweets, in denen er die Russland-Vorwürfe als «Fake News» und als «Komplott» der Demokraten bezeichnete.

Pech für ihn, dass James Comey nicht mitspielte. Das FBI gehe der Frage nach, ob es «irgendwelche Koordination» zwischen Trump-Mitarbeitern und den versuchten russischen Einmischungen in den Wahlkampf 2016 gegeben habe, sagte er den Kongressabgeordneten. Worauf Trump mit einer weiteren Twitter-Salve reagierte, dieses Mal auf dem offiziellen Präsidenten-Account.

Die Behauptung, Russland habe das Wahlverfahren nicht beeinflusst, sei «nicht zutreffend oder zumindest irreführend», schreibt Politico. Zwar sagten Comey und Rogers aus, Russland habe die Stimmabgabe nicht verfälscht. Sie schlossen aber einen Einfluss der russischen Bemühungen das Verhalten der Wähler nicht aus.

Mit diesem Tweet schoss Trump definitiv den Vogel ab, hat er doch Comey damit faktisch das Wort im Mund umgedreht. Denn der FBI-Chef wollte sich explizit nicht zu bestimmten Personen wie Trumps früheren Sicherheitsberater Michael Flynn äussern. Als ihm Trumps Tweet vorgelesen wurde, reagierte Comey sauer: «Es war nicht unsere Absicht, dies heute zu sagen.»

Für den Rest des Tages war das Weisse Haus um Schadensbegrenzung bemüht, während der Chef sich nach Kentucky begab, um sich von seinen Fans feiern zu lassen. Pressesprecher Sean Spicer bemühte sich, die Rolle jener Mitglieder von Trumps Wahlkampfteam herunterzuspielen, die mit Russland oder Wikileaks in Verbindung standen.

Spicers Nebelpetarde

Dies betrifft etwa den ehemaligen Berater Carter Page, Trumps langjährigen Vertrauten Roger Stone oder den früheren Wahlkampfleiter Paul Manafort. Dieser habe nur «eine sehr beschränkte Rolle» gespielt und «eine sehr begrenzte Zeit» für Trump gearbeitet, sagte Spicer. Dabei hatte Manafort die Trump-Kampagne noch bis zum Parteikonvent der Republikaner im Juli geleitet. Im August musste er wegen dubioser Zahlungen aus der Ukraine zurücktreten.

Die Republikaner ärgern sich zunehmend über Trumps irres Verhalten auf Twitter. «Wir müssen ständig Fragen über diese Tweets beantworten. Das versetzt uns in die Defensive, wenn wir uns für den Präsidenten stark machen wollen», klagte der New Yorker Kongressabgeordnete Peter King gegenüber der New York Times.

Was hat Trump zu verbergen?

Darüber hinaus stellt sich eine grundsätzliche Frage, die durch die Ermittlungen des FBI an Dringlichkeit gewonnen hat: Was hat der Präsident zu verbergen? «Wenn sein Wahlkampfteam keine unzulässigen Kontakte mit Russland hatte, warum begrüsst er dann nicht die Untersuchung und sorgt für klare Verhältnisse?» fragte sich Hedrick Smith, ein ehemaliger Leiter des Hauptstadtbüros der «New York Times».

Es ist eine Frage, die sich immer mehr Leute in Washington stellen.