Die Riege der möglichen May-Nachfolger

Grossbritanniens Premierministerin Theresa May gibt ihr Amt als Parteichefin am 7. Juni ab. Eine Übersicht der Anwärter für den Parteivorsitz und das Amt des Premiers.

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(sda/afp) Nach ihrem Scheitern beim Brexit hat Grossbritanniens Premierministerin Theresa May am Freitag ihren Rücktritt bekanntgegeben. Als Parteichefin der Konservativen tritt May am 7. Juni ab, in der Folge gibt sie auch ihr Amt als Regierungschefin auf. Es gibt mehrere Anwärter für den Parteivorsitz und damit für das Amt des Premiers.

BORIS JOHNSON

Boris Johnson. (Bild: Christopher Furlong/Getty)

Boris Johnson. (Bild: Christopher Furlong/Getty)

Der frühere Bürgermeister von London war einer der Wortführer der Brexit-Kampagne vor dem Referendum im Jahr 2016. Johnson ist unkonventionell, oft undiplomatisch-polternd und verfügt über Charisma. May ernannte den polarisierenden Politiker nach dem Brexit-Referendum zum neuen Aussenminister. Er leistete sich allerdings diverse Ausrutscher und machte insgesamt keine gute Figur auf dem diplomatischen Parkett. Schon vor seinem Rücktritt im Juli 2018 war er ein heftiger Kritiker von Mays Brexit-Kurs.

Johnson bestätigte, dass er «natürlich» bei der Wahl um Mays Nachfolge antrete. Der 54-Jährige, der oft einfach nur «Boris» oder «BoJo» genannt wird, hat sich in den Reihen der Tories einige Feinde gemacht. Durch Unterstützung des einflussreichen Torys und Brexit-Hardliners Jacob Rees-Mogg sind Johnsons Chancen aber gestiegen. Bei den britischen Buchmachern gilt er als Favorit für Mays Nachfolge.

ANDREA LEADSOM

Andrea Leadsom. (Bild: Leon Neal/Getty)

Andrea Leadsom. (Bild: Leon Neal/Getty)

Die überzeugte Brexit-Befürworterin hat im Sommer 2016 schon einmal nach der Macht gegriffen - unterlag damals aber ihrer Konkurrentin May. Die 56-Jährige arbeitete drei Jahrzehnte als Bankerin in der City of London, ehe sie in die Politik wechselte. Leadsom ist eine Bewunderin der Tory-Ikone Margaret Thatcher. Aus Protest gegen Mays Brexit-Kurs warf Leadsom am Mittwoch als Ministerin für Parlamentsangelegenheiten das Handtuch. Nach Mays Rücktritt gilt Leadsom als Kompromisskandidatin, die in der Partei weithin konsensfähig ist.

MICHAEL GOVE

Michael Gove. (Bild: Leon Neal/Getty)

Michael Gove. (Bild: Leon Neal/Getty)

Der Brexit-Wortführer Gove wollte bereits in den Wirren nach dem Referendum im Jahr 2016 an die Parteispitze. Er schaffte es bei der Abstimmung in der Fraktion jedoch nicht in die Endrunde. May machte ihn im Juni 2017 zum Umweltminister, wo er mit einer Reihe umweltfreundlicher Ankündigungen in den Schlagzeilen blieb. Der 51-Jährige ist der führende Brexit-Hardliner in Mays Kabinett.

JEREMY HUNT

Jeremy Hunt. (Bild: Chris J Ratcliffe/Getty)

Jeremy Hunt. (Bild: Chris J Ratcliffe/Getty)

Der Nachfolger von Boris Johnson im Amt des Aussenministers war eigentlich für einen Verbleib Grossbritanniens in der EU. Allerdings kritisierte der 52-Jährige das Auftreten Brüssels in den Verhandlungen um den Austritt später als «arrogant». Der frühere Geschäftsmann, der fliessend Japanisch spricht, gilt als besonders belastbar. Der Einfluss des 52-Jährigen im Kabinett ist nach und nach gestiegen.

DOMINIC RAAB

Dominic Raab. (Bild: Leon Neal/Getty)

Dominic Raab. (Bild: Leon Neal/Getty)

Der 45-Jährige folgte im Juli als Brexit-Minister auf David Davis, der seinen Posten räumte, weil er die Linie von May gegenüber Brüssel als zu weich empfand. Doch auch Raab hielt es nicht lange auf dem Posten. Er trat im November zurück und bezeichnete das Brexit-Abkommen als «schlecht für unsere Wirtschaft und unsere Demokratie». Raab ist Boxer und zudem Träger eines schwarzen Karate-Gürtels.

SAJID JAVID

Sajid Javid. (Bild: Leon Neal/Getty)

Sajid Javid. (Bild: Leon Neal/Getty)

Der frühere Investmentbanker und Sohn eines pakistanischen Busfahrers gilt als das Gesicht des modernen, multikulturellen Grossbritanniens. Der 49-Jährige gehört dem wirtschaftsliberalen Flügel der Konservativen an und stimmte 2016 für einen Verbleib seines Landes in der EU. Nach dem Ausgang des Referendums unterstützte er aber den Brexit-Kurs.

Seit April 2018 ist Javid Innenminister. In liberalen Kreisen wurde er kürzlich kritisiert, weil er einer jungen britischen IS-Anhängerin, die nach Grossbritannien zurückkehren wollte, die Staatsangehörigkeit entzog.

AMBER RUDD

Amber Rudd. (Bild: Jack Taylor/Getty)

Amber Rudd. (Bild: Jack Taylor/Getty)

Nach einer Karriere in der Finanzbranche und als Wirtschaftsjournalistin wurde Rudd 2010 Abgeordnete. Anschliessend begleitete sie May bei deren politischem Aufstieg. Diese ernannte Rudd zunächst zur Innenministerin, später zur Arbeitsministerin. Allerdings könnte sich die europafreundliche Haltung der 55-Jährigen negativ für sie auswirken.

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Sebastian Borger, London

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