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Waldbrände im Amazonas: Die Lunge der Welt steht in Flammen

Der Regenwald im Amazonas brennt. Über 73 000 Feuer werden gezählt. Mehr als ein Viertel aller Bäume weltweit wachsen in tropischen Regenwäldern. Wir beantworten die acht drängendsten Fragen zum Umweltdrama.
Bruno Knellwolf
Tausende von riesigen Feuern zerstören den Regenwald im Amazonasgebiet, so beispielsweise im brasilianischen Boca do Acre. (Bilder: Reuters, Shutterstock/Montage: bgs)

Tausende von riesigen Feuern zerstören den Regenwald im Amazonasgebiet, so beispielsweise im brasilianischen Boca do Acre. (Bilder: Reuters, Shutterstock/Montage: bgs)

1. Wie kommt der Amazonas zum Übernamen «Lunge der Welt»?

Der Regenwald im Amazonas ist eines der grössten Gebiete tropischen Regenwalds und ein gigantischer Kohlendioxid-Speicher. «Im Amazonas sind grosse Mengen an Kohlenstoff in den Bäumen und im Boden gebunden. Er nimmt zusammen mit dem Ozean jedes Jahr einen Teil der menschgemachten Emissionen von CO2 auf», sagt Reto Knutti, Klimatologe an der ETH Zürich. Bei einer Zerstörung des Regenwalds im Amazonas verliert die Menschheit somit zum einen eine bedeutende CO2Senke. Zum anderen führt der Verlust längerfristig zu einem zusätzlichen Ausstoss von rund 250 Milliarden Tonnen Kohlenstoff. Das würde den Klimawandel zusätzlich beschleunigen. Die 250 Milliarden Tonnen CO2 sind etwa die Hälfte des gesamten Ausstosses der Menschheit seit vorindustrieller Zeit oder was wir heute während 20 Jahren ausstossen. Der Verlust des Amazonas-Regenwalds würde zu einer zusätzlichen Erwärmung von rund 0,5 Grad Celsius führen. Wälder haben bereits im lokalen eine grosse Relevanz als Klimapuffer, erklärt Marco Conedera von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Schnee, Wald und Landschaft (WSL). Wälder regulieren das Klima, was Temperatur, also den Ausgleich zwischen Tages- und Nachttemperaturen und die Feuchtigkeit betrifft.

2. Gibt es einen Zusammenhang zwischen der globalen Erwärmung und den Waldbränden?

Waldbrände sind im Prinzip ein natürlicher Vorgang in den Wald-Ökosystemen. Die Erderwärmung selbst führt nicht direkt zu Waldbränden, aber ihre Grösse und Häufigkeit kann davon abhängen. «Entscheidend dafür ist die Trockenheit und damit die Frage, ob die menschgemachte Erwärmung zu längeren andauernden oder generell trockeneren Phasen führt», erklärt der ETH-Klimatologe. Mit mehr Trockenheit ist zu rechnen. Genau in der Region des Amazonas sagen Klimamodelle eine Abnahme des Niederschlags voraus. Zudem führen wärmere Temperaturen zu mehr Verdunstung im Boden und zu grösseren Schwankungen des Niederschlags. Sprich: Es gibt längere Trockenphasen und viel Regen auf einmal. Die Gefahr von Waldbränden steigt also. Die Waldbrände im Amazonas wurden laut WWF grossenteils mit Absicht gelegt, um Platz für Weideflächen und Sojaanbau zu erhalten.

3. Sind die Waldbrände im Amazonas in diesem Jahr dramatischer als sonst?

Die Zahl der Waldbrände ist deutlich höher als in den letzten paar Jahren. Sie sind so gross, dass man sie selbst von den Satelliten aus klar sieht, wie Nasa-Bilder zeigen. Die Tatsache, dass man in Südamerika den Notstand ausgerufen hat, zeigt, dass es eine aussergewöhnliche Situation ist. Neben den Auswirkungen auf das Klima gibt es auch solche auf Biodiversität, Boden, Ökosysteme und die Bevölkerung vor Ort.

4. Wie viel Regenwald geht verloren?

Gemäss dem WWF wurden allein zwischen 1990 und 2015 Naturwälder in einer Fläche 58 Mal so gross wie die Schweiz vernichtet. Alle drei Sekunden verschwindet auf der Erde Wald in der Grösse eines Fussballfeldes, am meisten in den Tropen. In der Schweiz wächst die Waldfläche.

5. Was bedeutet ein Waldbrand für die Natur?

Im Allgemeinen ist ein Waldbrand für die Natur kein Problem. «Das gehört zur Dynamik des Waldes», sagt Marco Conedera. Der Wald baut durch sein Wachstum Biomasse auf und diese muss auf irgendeinem Weg wieder verschwinden. Der Waldbrand ist einer davon. «Wird durch einen Waldbrand Biomasse vernichtet, haben andere Pflanzenarten eine Chance», sagt Conedera. Pionierarten, schnell wachsende, lichtbedürftige Bäume mit leichten Samen, die vom Wind verweht werden, wie bei uns zum Beispiel die Birken, nutzen die Gelegenheit. Sie haben dann optimale Bedingungen, um zu wachsen, bis die schattenliebenden Bäume wieder die Herrschaft im Wald übernehmen. So entsteht auf den Waldflächen ein Mosaik von altem und neuem Wald. In der Schweiz wird es bei Waldbränden dann kritisch, wenn der Wald eine Schutzfunktion hat und Häuser und Dörfer vor Steinschlag, Murgängen und Lawinen schützt.

6. Wie produziert der Wald Sauerstoff?

Wenn Sauerstoff produziert wird mit Fotosynthese, bindet der Baum Kohlenstoff aus dem CO2 und scheidet Sauerstoff aus. Es ist im Prinzip die umgekehrte Atmung des Menschen, der Sauerstoff aufnimmt und CO2 ausstösst. Wenn später im Leben des Baums, Mikroorganismen oder beim Waldbrand Feuer das Holz zersetzen, wird das gebundene CO2 wieder frei. Das ergibt im Normalfall einen geschlossenen natürlichen CO2-neutralen Kreislauf.

7. Können sich die grösseren Tiere retten?

Bei einem normalen Waldbrand fliehen grössere Tiere in nicht brennende Waldgebiete. Bei verheerenden grossflächigen, umzingelnden Feuern können sie aber auch verbrennen, so wie die wirbellosen Tiere dann keine Chance haben. Bei einem Lauffeuer überleben diese in der Regel im isolierenden Humusboden.

8. Der Regenwald wird gerodet, um Landwirtschaftsboden zu gewinnen. Lohnt sich das?

Bei einem Waldbrand mineralisiert der Humus sofort und die Mineralien werden schnell wieder ausgewaschen und gehen verloren. Deshalb geht die Fruchtbarkeit in solchen gerodeten Regenwaldböden schnell wieder zurück.

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