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Die Lunge der Erde brennt: Diese Bilder zeigen, wie verheerend die Brände im Amazonas sind

Seit drei Wochen steht der Regenwald in Brasilien in Flammen. Und mit jeder Minute verbrennt ein weiteres Stück Wald in der Grösse eines Fussballfeldes. Für die Feuer sollen Hilfsorganisationen verantwortlich sein – behauptet der Präsident Brasiliens.
Kevin Capellini

Über 72'000 einzelne Feuer seit Beginn des Jahres. Und seit drei Wochen Dauerfeuer im Amazonas in Brasilien. Diese Zahlen sind erschreckend, die Bilder dazu tragisch.

Nur erreichen eben diese Bilder die Menschen ausserhalb Brasiliens kaum. Doch seit gestern Mittwoch ist dies anders. Die Menschen in Brasilien teilen die Bilder der verheerenden Feuer auf den Sozialen Netzwerken unter dem Hashtag #PrayforAmazonas – betet für den Amazonas.

Und so wurde das Ausmass der Katastrophe klar, als eine dicke Rauchwolke den Himmel über der Stadt Sao Paulo verdecke, die mehr als 2,000 Kilometer von den Waldbränden entfernt gelegen ist. Der Tage wurde plötzlich zur Nacht, der Himmel wurde schwarz.

Die Feuer sind besonders tragisch, da der Amazonas-Regenwald als Lunge der Welt gilt. Schätzungen zufolge binden die Pflanzen des Regenwalds jährlich mehr als zwei Milliarden Tonnen CO2. Je mehr Bäume niedergebrannt werden, desto weniger Kohlendioxid können sie aus der Atmosphäre abbauen. Und das könnte verheerende Auswirkungen auf das Weltklima haben.

Die Grafik der Zeitung The Guardian zeigt die Waldbrände in Brasilien. (Bild: The Guardian/Nasa)

Die Grafik der Zeitung The Guardian zeigt die Waldbrände in Brasilien. (Bild: The Guardian/Nasa)

Und die Waldbrände haben bereits jetzt Auswirkungen auf die Menschen in den Städten, viele Menschen klagten wegen des dichten Rauchs über Atembeschwerden. Am meisten betroffen jedoch sind die Bewohner der Wälder. Dies sind einerseits indigene Völker, von denen es in Brasiliens Regenwälder immer noch verschiedenste Gruppen und Stämme gibt. Ihnen wird mit den Feuern die Lebensgrundlage, ihre Dörfer, ihr Hab und Gut genommen.

In Brasilien wüten derzeit die schwersten Waldbrände seit Jahren. (Bild: Victor Moriyama / Greenpeace Bra)In Brasilien wüten derzeit die schwersten Waldbrände seit Jahren. (Bild: Victor Moriyama / Greenpeace Bra)
Seit Januar nahm die Zahl der Feuer und Brandrodungen im grössten Land Südamerikas im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nach Angaben der brasilianischen Weltraumagentur INPE vom Sonntag um 82 Prozent zu. (Bild: Joedson Alves)Seit Januar nahm die Zahl der Feuer und Brandrodungen im grössten Land Südamerikas im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nach Angaben der brasilianischen Weltraumagentur INPE vom Sonntag um 82 Prozent zu. (Bild: Joedson Alves)
Eine Schlange flüchtet vor dem Feuer. (Bild: Joedson Alves)Eine Schlange flüchtet vor dem Feuer. (Bild: Joedson Alves)
Andere Artgenossen waren nicht schnell genug. (Bild: Joedson Alves)Andere Artgenossen waren nicht schnell genug. (Bild: Joedson Alves)
Insgesamt wurden mehr als 79'000 Brände registriert. (Bild: Victor Moriyama / Greenpeace Bra)Insgesamt wurden mehr als 79'000 Brände registriert. (Bild: Victor Moriyama / Greenpeace Bra)
Proteste gegen die Brände und Präsident Bolsonaro: Die brasilianische Schauspielerin Sonia Braga hat sich ihre Hände blutrot angemalt. (Bild: Bruna Prado)Proteste gegen die Brände und Präsident Bolsonaro: Die brasilianische Schauspielerin Sonia Braga hat sich ihre Hände blutrot angemalt. (Bild: Bruna Prado)
Ein totes Rind inmitten der toten Erde. (Bild: Joedson Alves)Ein totes Rind inmitten der toten Erde. (Bild: Joedson Alves)
Wo einst prächtige Bäume standen, finden sich heute nur noch Ruinen. (Bild: Victor Moriyama / Greenpeace Bra)Wo einst prächtige Bäume standen, finden sich heute nur noch Ruinen. (Bild: Victor Moriyama / Greenpeace Bra)
Nun helfen auch Soldaten bei den Löscharbeiten: insgesamt mehr als 43'000 stehen im Einsatz. (Bild: ANTONIO CRUZ / HANDOUT)Nun helfen auch Soldaten bei den Löscharbeiten: insgesamt mehr als 43'000 stehen im Einsatz. (Bild: ANTONIO CRUZ / HANDOUT)
Von der blühenden Vegetation ist vielerorts nicht mehr viel übrig. (Bild: Leo Correa)Von der blühenden Vegetation ist vielerorts nicht mehr viel übrig. (Bild: Leo Correa)
Nach Einschätzung von Naturschützern werden die meisten Brände von Farmern gelegt, um neue Weideflächen für ihr Vieh zu schaffen. (Bild: Firefighters Acre HANDOUT)Nach Einschätzung von Naturschützern werden die meisten Brände von Farmern gelegt, um neue Weideflächen für ihr Vieh zu schaffen. (Bild: Firefighters Acre HANDOUT)
Da es momentan in der Region ungewöhnlich trocken ist, greifen die Brände immer wieder auch auf intakte Waldflächen über. (Bild: Eraldo Peres)Da es momentan in der Region ungewöhnlich trocken ist, greifen die Brände immer wieder auch auf intakte Waldflächen über. (Bild: Eraldo Peres)
SOS Amazonia: Eine Brasilianerin macht sich bei Protesten für den Amazonas stark. (Bild: Bruna Prado)SOS Amazonia: Eine Brasilianerin macht sich bei Protesten für den Amazonas stark. (Bild: Bruna Prado)
Feuerwehrleute bekämpfen die Flammen. (Bild: Rio Branco Firemen HANDOUT)Feuerwehrleute bekämpfen die Flammen. (Bild: Rio Branco Firemen HANDOUT)
Die Löscharbeiten gestalten sich schwierig. (Bild: Porto Velho Firefighters HANDOUT)Die Löscharbeiten gestalten sich schwierig. (Bild: Porto Velho Firefighters HANDOUT)
Feuerwehrleute im Kampf gegen das Feuer. (Bild: Keystone)Feuerwehrleute im Kampf gegen das Feuer. (Bild: Keystone)
Über 72'000 Waldbrände gab es dieses Jahr bereits. (Bild: Keystone/Twitter/Ibama)Über 72'000 Waldbrände gab es dieses Jahr bereits. (Bild: Keystone/Twitter/Ibama)
Immer wieder verursachen Rodungen Waldbrände. (Bild: Keystone/Twitter/Ibama)Immer wieder verursachen Rodungen Waldbrände. (Bild: Keystone/Twitter/Ibama)
Das Wasser kann nur wenig gegen die Brände ausrichten. (Bild: Keystone/Twitter/Ibama)Das Wasser kann nur wenig gegen die Brände ausrichten. (Bild: Keystone/Twitter/Ibama)
Mit jeder Minute verbrennt Wald in der grösse eines Fussballfeldes. (Bild: Keystone/Twitter/Ibama)Mit jeder Minute verbrennt Wald in der grösse eines Fussballfeldes. (Bild: Keystone/Twitter/Ibama)
Der Amazonas brennt. (Bild: Keystone/Twitter/Ibama)Der Amazonas brennt. (Bild: Keystone/Twitter/Ibama)
Vom Urwald ist hier nichts mehr übrig. (Bild: Keystone)Vom Urwald ist hier nichts mehr übrig. (Bild: Keystone)
Wo einst prächtige Bäume standen, finden sich heute nur noch Ruinen. (Bild: Keystone)Wo einst prächtige Bäume standen, finden sich heute nur noch Ruinen. (Bild: Keystone)
Auch vom Satelit aus ist der Rauch gut zu sehen. (Bild: keystone-sda.ch)Auch vom Satelit aus ist der Rauch gut zu sehen. (Bild: keystone-sda.ch)
Auch das ist ein Satelitenbild, dass das Feuer zeigt. (Bild: keystone-sda.ch)Auch das ist ein Satelitenbild, dass das Feuer zeigt. (Bild: keystone-sda.ch)
Rauch am Himmel von Rio Branco. (Bild: JUAN DÕAZ)Rauch am Himmel von Rio Branco. (Bild: JUAN DÕAZ)
26 Bilder

Verheerende Brände im Amazonas, Brasilien

Tiere verenden in den Flammen

Und dann sind da noch jene Wesen, die schon vor den Menschen im Wald waren: die Tiere. Jaguare, Äffchen, Hasen, Tiere. Ihr gewohnter Lebensraum wird durch die Feuer vollständig zerstört. Und viele von ihnen verenden in den Flammen.

Doch dabei sind Waldbrände im Regenwald während der Trockenheit eigentlich keine Seltenheit. Das belegen zumindest die Daten des staatlichen brasilianischen Weltraumforschungsinstitut INPE. So soll es im ganzen Jahr 2018 in Brasilien 39'759 Waldbrände gegeben haben. Jetzt haben wir August. Und seit Januar sind es bereits 72'843 registrierte Waldbrände, schreibt das INPE.

«Ich bin Kaiser Nero»

Eine drastische Zunahme. Das INPE geht davon aus, dass ein Teil der Feuer bei Weitem nicht nur durch die aktuell trockenen Witterungsverhältnisse ausgebrochen sein können, sondern auf Brandstiftung – zum Beispiel bei der Rodung des Urwalds – zurück zu führen sei. Diese Annahme teilt auch Ricardo Mello, der Leiter der Abteilung Amazonas beim WWF, wie er gegenüber der BBC sagt: «Die verheerenden Waldbrände sind eine Konsequenz der teilweise illegalen Abholzung des Urwalds

Die Rodung der Wälder wird gerade auch von Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro unterstützt, der in seinem Land «Käpt’n Kettensäge» genannt wird. Dies, weil er bei seinem Amtsantritt im Januar erklärt hatte, er wolle die Amazonasregion stärker für die Landwirtschaft und den Bergbau zu erschliessen und so vermehrt eine Abholzung der Wälder zulassen.

Mit Erfolg. Bis diesen Juni wurden 60% mehr Regenwald abgeholzt als im gleichen Zeitraum 2018. Und nun brennen grosse Teile des Urwalds. Auf die Feuer angesprochen, erklärte Bolsonaro gegenüber Journalisten polemisch «früher war ich Käpt’n Kettensäge. Heute bin ich Kaiser Nero und setze den Amazonas in Flammen.» Derzeit sei eben Waldbrand-Saison.

NGOs für die Feuer verantwortlich?

Zudem machte Bolsonaro indirekt Natur- und Umweltschutzorganisationen für die Feuer verantwortlich. Diese sollen die Feuer absichtlich gelegt haben, um ihn und seine Regierung in Probleme zustürzen, da er einerseits die Abholzung des Urwalds unterstütze und den Hilfsorganisationen andererseits Hilfsgelder gestrichen hätte – nun würde ihnen das Geld fehlen. Beweise oder Belege für seine Vermutungen legte Präsident Bolsonaro nicht offen.

Doch auch wenn sich Politiker und Hilfsorganisationen gegenseitig verdächtigen, die Waldbrände gehen weiter. Mittlerweile sind neben Brasilien auch die Nachbarstaaten Paraguay und Bolivien betroffen. Flughäfen mussten geschlossen werden, brasilianische Bundesstaaten haben den Notstand ausgerufen.

Ein schnelles Ende der Brände jedoch ist bei den aktuellen klimatischen Verhältnissen im Amazonas nicht in Sicht. Und so bleibt den Menschen in Brasilien nur eines: Beten für den Amazonas.

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