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Die Luft wird dünn für Trumps Liebling

Der Leiter der amerikanischen Umweltbehörde steht wegen Verfehlungen unter Dauerbeschuss. Dabei hätte Scott Pruitt das Zeug zum Star in der US-Regierung.
Renzo Ruf, Washington
Scott Pruitt während einer Anhörung in Washington. (Andrew Harnik/AP; 16. Mai 2018)

Scott Pruitt während einer Anhörung in Washington. (Andrew Harnik/AP; 16. Mai 2018)

Für den umstrittenen Leiter der amerikanischen Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) wird die Luft dünn. Am Mittwoch ging auch der einflussreiche republikanische Senator James Inhofe aus Oklahoma – der Heimatstaat des EPA-Chefs – vorsichtig auf Distanz zu Scott Pruitt. Angesprochen auf die Flut von Skandalen und Skandälchen, mit denen sich Pruitt derzeit herumschlägt, sagte der knorrige Inhofe: «Jeden Tag gibt es Neuigkeiten.» Wenn dies nicht bald aufhöre, dann werde er gezwungen sein, Pruitt zu sagen: «Tja, Scott, du machst keine gute Arbeit.» Zwar erklärte ein Sprecher von ­Inhofe umgehend, dass diese Aussage nicht als Rücktrittsaufforderung zu verstehen sei, weil der Senator die Politik des EPA-Leiters unterstütze. Aber der Schaden war angerichtet. Denn Inhofe hatte in Worte gefasst, was derzeit in Washington immer mehr Republikaner und sämtliche Demokraten sagen: Scott Pruitt ist entbehrlich.

Die Entlassung von Scott Pruitt – die von Präsident Donald Trump vorgenommen werden müsste – stellte ein ausserordentliches Ende einer ausserordentlichen Karriere dar. Denn eigentlich gilt der 50-jährige Jurist als Aushängeschild der Regierung, setzt Pruitt mit einer Mischung aus Hartnäckigkeit und Arroganz doch sein Ziel um, fast sämtliche verwaltungsrechtliche Beschlüsse der Regierung von Präsident Barack Obama im Umweltbereich rückgängig zu machen. (Das konservative Meinungsmagazin «National Review», kein Hort von Trump-Anhängern, nannte Pruitt einen «Mann mit einer Mission».) Da er dabei recht erfolgreich ist, war in Washington bereits die Rede davon, dass Pruitt dereinst zum neuen Justizminister berufen werden könnte, falls sich Trump endlich ein Herz fasst und Jeff Sessions entlässt. Auch hält sich in der Hauptstadt das hart­näckige Gerücht, dass der EPA-Leiter – der sich seine Sporen als Geschäftsmann und Justizminister von Oklahoma abverdient hatte – mit einer Kandidatur für das Präsidentenamt ­liebäugle.

Gleichzeitig scheint er aber einen Hang zur Überheblichkeit zu besitzen, der die Verwirklichung seiner Kar­rierepläne in Frage stellt. Die Reihe der persönlichen Verfehlungen, die Pruitt seit Amtsantritt im Februar 2017 begangen haben soll, ist derart lang, dass es selbst Politbeobachtern zunehmend schwerfällt, den Überblick zu behalten. Vorgeworfen wird ihm unter anderem, dass er verschwenderisch mit Steuergeldern umgeht; dass er EPA-Angestellte damit beauftragte, ihm eine Wohnung zu suchen; und dass er zur Untermiete bei einem Lobbyisten-Ehepaar unterkam, und für sein Zimmer nur gerade 50 Dollar pro Nacht bezahlen musste. Diese Woche berichtete die «Washington Post» zudem, dass er eine Untergebene damit beauftragt habe, einen Job für seine Gattin Marlyn zu finden.

Trotz dieser langen Liste scheint Pruitt derzeit noch das Vertrauen des Präsidenten zu besitzen. Vorige Woche sagte Trump, der EPA-Leiter leiste «grossartige Arbeit». Dann fügte der Präsident an: «Ich sage nicht, er ist ohne Fehl oder Tadel, aber wir werden sehen, was geschieht.»

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