Die Liebe und die Malerei: Churchill privat

Winston Churchill ist ein Draufgänger und Abenteurer nicht nur in der Politik gewesen (siehe oben), sondern durchaus auch im Privaten, in der Liebe. 1896 begegnet dem 22-Jährigen in Indien die attraktive Pamela Plowden.

Rolf App
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Churchill und seine spätere Frau.

Churchill und seine spätere Frau.

Winston Churchill ist ein Draufgänger und Abenteurer nicht nur in der Politik gewesen (siehe oben), sondern durchaus auch im Privaten, in der Liebe. 1896 begegnet dem 22-Jährigen in Indien die attraktive Pamela Plowden. Er diniert bei ihren Eltern, die jungen Leute unternehmen Elefantenritte – und Churchill schreibt ihr Briefe, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig lassen. Und die von Churchills jüngster Tochter Mary öffentlich gemacht worden sind.

«Ich lege Dir die Welt zu Füssen»

«Heirate mich, und ich erobere die Welt und lege sie Dir zu Füssen», schreibt er in gewohnter Kühnheit. Doch ihr Vater winkt ab. Doch ein Winston Churchill lässt sich nicht so leicht entmutigen. Als die von vielen umschwärmte amerikanische Schauspielerin Ethel Barrymore in London gastiert, legt er auch ihr sein Herz zu Füssen. Vergeblich. Doch Trost naht. Schon bald trifft er Muriel Wilson, die Tochter eines Schiffsmagnaten. Sieben Briefe an sie sind 1994 bei Christie's versteigert worden. In ihnen gesteht Churchill: «Je mehr man mich abweist, desto stärker werden meine Gefühle.» Und: «Wenn ich zu arbeiten aufhöre, werde ich niedergeschlagen.»

«Ich streite mich nicht mit Winston»

Es ist der erste schriftliche Hinweis auf seine Depressionen. Zur selben Zeit begegnet er ein erstes Mal der 20jährigen Clementine Hozier, ohne sie freilich zu beachten. Im April 1908 trifft er sie erneut. Churchill ist mittlerweile Handelsminister, und Clementines Tante setzt die beiden durchaus mit Hinterabsicht nebeneinander. Jetzt geht alles rasch. Schon nach vier Monaten sind sie verlobt, im September wird geheiratet. Und von da an sind sie zwar oft getrennt, aber unzertrennlich. Sie schreiben sich Briefe, Notizen, Telegramme, zuweilen mehrmals am Tag. Clementine ist klug und abwägend, er impulsiv – aber sie sind ein gutes Team. «Ich streite mich nicht mit Winston», sagt sie einmal zu seinem Leibarzt. «Wenn ich etwas Wichtiges zu sagen habe, schicke ich ihm eine Notiz.»

Churchill lässt sich etwas sagen

In einer solchen Notiz schreibt sie etwa am 27. Juni 1940, als sie ihn nach den ersten Wochen der Amtsübernahme gestresst und reizbar erlebt: «My darling, Du bist nicht so freundlich wie sonst. Hast Du nicht immer das französische Sprichwort zitiert: <on ne règne sur les âmes que pour le calme>? (Man kann seine Autorität nur dadurch zur Geltung bringen, indem man ruhig bleibt). Du wirst nicht die besten Resultate erzielen durch Reizbarkeit & Grobheit.»

Noch eine andere Frau hat einen grossen Einfluss auf Churchills Leben genommen. 1915 mietet Clementine für die mittlerweile fünfköpfige Familie eine Sommerresidenz, und weil ihr Mann gerade auf seinem ersten Karrieretief angekommen ist, droht Winston dem «schwarzen Hund» anheim zu fallen, wie er seine Depressionen nennt. Die Frau seines Bruders ist entschlossen, ihn von seinen trüben Gedanken zu erlösen, und lädt ihn ein, ihr beim Malen zuzuschauen.

«…wie wenn man in eine Schlacht geht»

Das wirkt. Hunderte von Bildern wird er in den nächsten Jahrzehnten malen und dabei eine grosse Begabung zeigen. Wobei auch hier seine Persönlichkeit durchschlägt in der Erkenntnis: «Kühnheit macht einen grossen Teil der Malkunst aus. Das Malen eines Bildes ist, wie wenn man in eine Schlacht geht.»